titel.png

Startseite >
(S)TÜRMisches

Hamster sind komplett ausverkauft, so lautet die Überschrift in der Süddeutschen. Der Lacher gilt Innenminister De Maizière, der die Bevölkerung in seinem Zivilschutz-Konzept im Fall von Katastrophen oder bewaffneten Angriffen zu Hamsterkäufen rät. Spaß beiseite! Seit Jahrzehnten leben wir in Deutschland völlig sorglos wie Candide in der besten aller möglichen Welten, verschont von Krisen und Kriegen in unseren gemächlichen Tag hinein – seit 2011 sogar ohne nennenswerte Verteidigung. Und jetzt sollen wir in unseren Kellern Vorräte anlegen und uns wappnen? Wovor ist nicht genau definiert. In unserem Dornröschenhalbschlaf hatten wir bisher Albträume von hinterhältigen Bankmanagern und Strafzinsen, von Quecksilber im Fisch, der auf dem blauen Planeten sowieso bald überfischt, heißt ausgestorben ist, oder von Plastikmüll, der auch die abgelegensten Atolle verschandelt. Auch ganz oben auf der Hitliste des Grauens Glyphosat, ein Unkrautvernichter, der zwar die weltweiten Ernten für die Ernährung von fast 8 Milliarden Erdenbürgern sichert, den aber keiner so richtig haben will, ganz zu schweigen von der Gentechnik. Parallelgesellschaften mit oder ohne Schleier bewahren uns vielleicht vor dem Aussterben, sind aber für echte Deutsche immer noch ein Grund, auf die andere Straßenseite zu wechseln. Angst-Themen ohne Ende und immer wieder Selbstmordattentäter, die die Welt – egal wo – ohne Sinn und Verstand in Angst und Schrecken versetzen. Und immer noch wollen sich Flüchtlinge in unsere heiligen Hallen retten. Wer soll das bezahlen? Bilder von sterbenden Kindern in Syrien werden zwar in den „social media“ gehyped, aber nicht gerettet. Und zu allem Überfluss ist da noch der Überfluss, das Damoklesschwert der Wohlstandsgesellschaft, dem wir mit immer rigoroserem und absurderem Essverhalten Paroli bieten – auch das ein Dauerbrenner in allen Medien.

Nun also im Ernstfall: Lebensmittel für zehn Tage, Wasser für fünf und viel Dosengemüse – kein Kaviar und kein Champagner. Die Wehrpflicht, die 2011 abgeschafft wurde, steht übrigens auch zur Debatte und kann jederzeit wieder eingeführt werden. Was soll das, will uns die Regierung Angst machen?

Sorgt sich die Regierung jetzt um Terroranschläge, die flächendeckend unsere Versorgung lahmlegen, oder nimmt sie den Nordkoreaner Kim Jong-un ernst, der mit dem atomaren Erstschlag droht? Ist die Lage weltweit so besorgniserregend? Auch Trump ein Sicherheitsrisiko im Falle seiner Wahl? Dabei braucht kein Machthaber reale Waffen mehr, der Krieg findet heute virtuell statt, dafür reicht es schon das Stromnetz eines Landes zu hacken. Ein Stromausfall von nur zwei Tagen und schon geht gar nichts mehr. Wasserleitungen und -spülungen funktionieren nicht mehr, Kühe können nicht mehr gemolken werden. Kühlhäuser kühlen nicht mehr, Lebensmittel können nicht mehr produziert werden. Wohl dem, der eigenes Brennholz und eine Wasserzisterne im Garten hat... und noch weiß, wie man Brot im Kamin backt.

Wer sich schon mal virtuell ein bisschen gruseln möchte, dem sei die sehr gut recherchierte Lektüre für die letzten Ferientage von „Blackout“ (Marc Elsberg) empfohlen. Ich bin dann mal weg – bei Aldi und den Hamstern.

X
Sichere Anmeldung

Diese Anmeldung ist mit SSL Verschlüsselung gesichert