titel.png

Startseite >
(S)TÜRMisches

Als ich dieser Tage im hr-Sendesaal in Frankfurt beim wunderbaren Konzert der Jungen Solisten der Kronberg Academy mit dem hr-Sinfonieorchester unter der Leitung von Maestro Christoph Eschenbach meinen alten Schulfreund nach einigen Monaten, in denen ich ihn nicht gesehen hatte, wieder traf, sah er völlig verändert aus. Statt der langen Haare, mit denen ich ihn seit vielen Jahren kannte, trug er eine fesche freche Kurzhaarfrisur. „Du hast dir ja die Haare abschneiden lassen“, war mein erster Kommentar: „Steht dir aber gut, du siehst viel jünger aus.“ Er schmunzelte und meinte: „Das haben mir schon viele aus dem Bekannten- und Freundeskreis gesagt.“ Und nach einer kurzen Pause, in der er verschmitzt vor sich hin lächelte, fügte er hinzu: „Dabei war das ein Unfall.“ Auf meine überraschte Reaktion hin erzählte er mir, dass seine Frau und er seit einiger Zeit auf der Suche nach einem neuen Friseur gewesen seien. Schließlich hätten sie auch einen gefunden, der ihnen die Haare zu ihrer beider Zufriedenheit schnitt. Also ging er das nächste Mal, als es wieder einmal Zeit für einen Haarschnitt war, allein dorthin. Doch der Haarkünstler, der ihnen beiden beim ersten Mal die Haare geschnitten hatte, war nicht da. Es bediente ihn dieses Mal ein anderer Friseur aus dem Team des Salons. „Und das war ein Mensch mit Migrationshintergrund, wie man das heute so schön bezeichnet“, berichtete er. Auf seine Bitte hin: „Bitte um zwei Zentimeter kürzen“, griff dieser statt zur Schere zum Haarschneidegerät und kürzte ruckzuck die Haarpracht nicht um, sondern auf zwei Zentimeter Länge. „Das ging so schnell, ich konnte gar nicht protestieren“, erzählte er. „Und als er nach Hause kam, da habe ich erst mal geweint um seine schöne Künstlermähne“, ergänzte seine Frau die Geschichte. Denn mein Schulfreund ist tatsächlich ein Künstler, ein begabter Cellist, der schon seit vielen Jahren als Laienmusiker in einem angesehenen Orchester spielt. „Die Haare wachsen ja wieder“, versuchte ich zu trösten. Inzwischen, meinten die beiden, hätten sie sich schon fast an seine kurzen Haare gewöhnt. „Aber es ist jetzt so kalt am Kopf“, klagte er, ehe wir nach dem Konzert hinaus in die winterliche Kälte zu unseren Autos gingen. Mir fiel dazu der Spruch ein, den meine Mutter häufig benutzte, wenn jemand wieder einmal Probleme hatte, sich grammatikalisch korrekt auszudrücken: „Deutscher Sprach sein schwerer Sprach.“ Stimmt. Was doch der durchaus entscheidende Unterschied zwischen den beiden klitzekleinen Wörtchen „um“ und „auf“ für gravierende Folgen haben kann, schmunzelt da

X
Sichere Anmeldung

Diese Anmeldung ist mit SSL Verschlüsselung gesichert