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(S)TÜRMisches

Die Nachricht erwischte mich völlig unvorbereitet und trieb mir die Lachtränen in die Augen. In den Nachrichten im Autoradio verkündete der Sprecher, dass Richter in Mailand Silvio Berlusconi zu sozialem Dienst in einem Seniorenheim verurteilt hätten. Die Richter haben Humor, war meine erste Reaktion. Statt Bunga Bunga nun also Bettpfannen schwenken, Windeln wechseln, Betten machen und demente alte Menschen füttern. Berlusconi, der ja mit seinen 77 Jahren, wie ich ebenfalls aus den Nachrichten erfuhr, nach italienischem Recht zu alt fürs Gefängnis ist, in das er wegen Steuerhinterziehung eigentlich hätte kommen müssen, kann ich mir bei derlei Tätigkeiten zwar nicht vorstellen. Aber immerhin würde er dort ausnahmsweise mal etwas Sinnvolles tun, dachte ich. Inzwischen bin ich mir da nicht mehr so sicher. Denn wiederum aus den Medien erfuhr ich, dass der soziale Dienst als „Strafe“ den ursprünglich verhängten Hausarrest ersetzt und sich auf sage und schreibe vier Stunden beschränkt – nicht etwa pro Tag, sondern in der Woche! Dabei war meiner Ansicht nach schon ein Jahr Hausarrest eine viel zu milde Strafe für jemanden, der nicht zum ersten Mal vor Gericht stand, immer wieder durch die Maschen der Justiz geschlüpft ist und jetzt endlich einmal rechtskräftig verurteilt wurde, weil er Millionen Euro an Steuern hinterzogen hat. Berlusconis Villa vor den Toren Mailands wird als höchst luxuriös beschrieben mit über 150 Zimmern, Swimmingpools, einem riesigen Park, einer Kunstsammlung und einfach allem, was man sich an Annehmlichkeiten so vorstellen kann. Aber er hätte dort nur eingeschränkt Besuch empfangen, sein Haus nicht ohne Genehmigung der Behörden verlassen und nicht einmal telefonieren dürfen wann und mit wem er will. Wie hätte er da die Fäden beim Europa-Wahlkampf ziehen können? Denn das war offensichtlich der Hintergrund des ganzen Verfahrens, das seine Anwälte für ihn führten. Voraussetzung für eine Umwandlung der Haftstrafe in Sozialdienst sollte eigentlich sein, dass der Verurteilte Reue zeigt, habe ich gelesen. Reue? Ich kann mich nur an Hasstiraden des Ex-Ministerpräsidenten gegen eine angeblich linksradikale Justiz erinnern. Aber das ist wohl an den Mailänder Richtern vorbei gegangen, die der Umwandlung seines Hausarrests in Sozialdienst zustimmten. Was dem Ganzen aber die Krone aufsetzt und mir statt der ersten Lachtränen heute einen mehr als üblen Beigeschmack verursacht, ist die Tatsache, dass die Samariter-Tätigkeit, wenn er sich gut anstellt, in zehneinhalb Monaten vorbei ist. Vier Stunden pro Woche wird sich wohl auch ein Silvio Berlusconi zusammen nehmen und sicher gibt es in dem Altenheim auch jemanden, der ihm dieses Wohlverhalten attestiert. Die italienische Justiz jedenfalls hat sich im „Fall Berlusconi“ nicht mit Ruhm bekleckert, findet

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