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Das Fest der Liebe ist noch gar nicht lange her. Wurde da wirklich überall die Liebe gefeiert oder nur Geschenke verteilt? Die Liebe ist eine große Sehnsucht und oft genug eine große Illusion. Ohne Liebe könnte die Menschheit nicht einen Tag existieren. Erich Fromms „Die Kunst des Liebens“ von 1956 ist immer noch eine Offenbarung zu diesem universalen und verwirrenden Thema: Eine anspruchsvolle Lektüre, die auf Massensuggestion verzichtet, wie so viele Glücksbücher heute – mit weichgespülten Botschaften und billigen Versprechen nach dem Motto, wenn du dir das Richtige wünschst, dann klappt das auch – das Leben ein Ponyhof! Fromm ist erfahrener Psychotherapeut, der die Menschen kennt und weiß, wovon er spricht. Wer ein Bild malen will, sollte sich in der Kunst der Malerei üben, das Gleiche gilt auch für die Liebe. Sie ist nicht nur ein angenehmes Gefühl, das mit dem richtigen Objekt vom Himmel fällt, sondern Liebe ist eine Kunst, die zur Meisterschaft gebracht werden kann mit Mut, Hingabe und Disziplin. Wir alle sind auf der Suche nach ihr, weil wir geliebt werden wollen. Ein großes Missverständnis, so Fromm: Es geht nicht darum, geliebt zu werden, sondern zu lieben. Denn nur wer lieben kann, wird auch Liebe erfahren. Liebe ist viel mehr als die Überwindung der Einsamkeit, sie bedeutet, mit Gott und der Welt in einer liebenden Beziehung zu stehen und sie beginnt immer bei uns selbst. Die Selbstliebe befähigt uns zur Nächstenliebe, die uns wiederum zum lebendigen Teil einer guten Gemeinschaft macht, die uns mit den Menschen verbindet. Wer sich nicht selbst liebt, wird auch sein Leben, seine Kinder und auch den Partner nicht lieben. Wer versucht, Liebe isoliert vom Rest der Welt zu erfahren, lebt einen „Egoismus zu zweit“, eine Einsamkeit zu zweit.

Wahre Liebe bringt uns voran. Nur so können wir uns entfalten und jedem geliebten Wesen die Entfaltung gönnen. Dazu gehören Fürsorge, Verantwortung, Achtung und Erkenntnis. Also nicht verklärt, sondern mit klaren Sinnen lieben und sich in der Tiefe, nicht an der Oberfläche verbinden. Am verzwicktesten, weil verwirrend, ist die erotische Liebe, die uns oft genug Nähe vorgaukelt, aber das Getrenntsein vom anderen nur temporär überwindet.

Stark und lebendig sollte sich jeder Liebende fühlen, nicht mächtig und dem anderen überlegen und auch nicht klein und hilflos unterlegen. Viele verlieren sich im anderen statt sich zu finden. Wer denkt, alles sei ganz einfach, wenn man doch nur Schmetterlinge im Bauch hat, der irrt, denn Liebe ist tatsächlich eine Kunst, die sich nur erreichen lässt, wenn man sich auf den anderen in seinem Wesen und seinen Lebensumständen einlässt.

So gilt nicht nur zur Weihnachtszeit Fromms berühmter Satz: „Ich brauche dich, weil ich dich liebe“ und nicht: „Ich liebe dich, weil ich dich brauche“. Wer die Fähigkeit hat, anderen etwas von sich zu geben, ist reich. Er gibt etwas von seinem Leben und wird ganz von selbst etwas zurückbekommen. Ist das nicht ein wirklich gutes Motto für 2017?

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