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(S)TÜRMisches

Ich habe als Kind nie gerne mit Puppen gespielt. Ich habe ihnen lieber Kleider genäht und Pullover gestrickt. Oder gemeinsam mit meiner Freundin, einer Arzttochter, die ihrem Vater ab und zu mal unbemerkt eine Spritze stibitzen konnte, der Puppe Spritzen verabreicht. Das gab dann hinterher ziemlich hässliche Wasserränder auf dem Puppenkörper. Aber liebevoll mit meiner Puppe gesprochen habe ich eigentlich nie. Oder ich habe es vergessen. Dieser Tage stand nun in der Zeitung, dass die Firma Mattel ihre Barbie-Puppe nachrüsten will. Sie soll mit einem Minicomputer bestückt werden, sodass Kinder künftig mit Barbie sprechen, sich sogar richtig mit ihr unterhalten können. Denn der Minicomputer sendet alles, was das Kind seiner Puppe erzählt, via Cloud Computing an ein Rechenzentrum. Dort werden alle Informationen gespeichert, sodass Barbie dann passende und sinnvolle Antworten geben kann. Und natürlich merkt sich Barbie beziehungsweise ihre „Cloud-Wolke“ alles haarklein, sodass sie später alles über ihre Puppenmutter weiß: Was sie gerne isst, wie ihre Freunde heißen, welche sie besonders mag und welche weniger, was sie am liebsten macht. Aber sie wird auch wissen, was das Kind gerade für Probleme hat, mit sich selbst, den Geschwistern, den Eltern, ob die Eltern Probleme miteinander haben, welche Anschaffungen geplant sind oder ob das Geld knapp ist. Einer besten Freundin vertraut man solche Dinge an, aber nur, wenn man sicher ist, dass sie alles für sich behält. Ist es nicht eine erschreckende Vorstellung, dass demnächst auch eine Barbie-Puppe alle Geheimnisse seiner Besitzerin und ihrer Familie kennt? Denn natürlich werden diese ganz persönlichen Daten und Dinge nicht nur für Barbie jederzeit abrufbar sein. Eltern, die vorhaben, ihren Kindern eine sprechende und mitdenkende Barbie zu schenken, sollten sich darüber im Klaren sein, dass sie sich damit eine Wanze ins Haus holen. Ich kenne Erzählungen von Freunden, die früher viele Jahre lang in einem Land lebten, das sie von morgens bis abends bespitzelte. Erwachsene, die dies wissen, können damit umgehen. Und sie werden sich persönliche Dinge nur bei Spaziergängen in Wald und Flur erzählen, wenn sie allein und unbeobachtet sind. Dass jetzt via Barbie über die kleinsten und schwächsten Mitglieder einer Familie, nämlich über die Kinder, eine totale Überwachung und Bespitzelung möglich werden könnte, finde ich skandalös. NSA lässt grüßen! Laut Wikipedia besitzt jedes Kind in Deutschland sieben Barbie-Puppen, werden pro Sekunde drei Barbie-Puppen verkauft. Privatsphäre? Die gibt es mit einer sprechenden Barbie-Puppe im Haus dann überhaupt nicht mehr. Was für eine entsetzliche Vorstellung, findet

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