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(S)TÜRMisches

Die „Verwahrgebühr“, also der Strafzins für Geld, das ich meiner Bank als Spargroschen anvertraut habe, lässt mir keine Ruhe. Sie erinnern sich vielleicht: Vor zwei Wochen habe ich mich darüber mockiert, dass nicht nur Banken und Kreditinstitute Strafzinsen zahlen sollen, wenn sie Geld bei der Europäischen Zentralbank parken, statt es als Kredite zur Ankurbelung der Wirtschaft kleineren oder größeren Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Künftig sollen auch Sparer diese Strafzinsen zahlen. Je länger ich darüber nachdenke, desto unverständlicher wird mir das. Wenn ich Geld spare, wie es mir Banken und Sparkassen schon als Kind nahe legten und mich am Weltspartag dafür belohnten, und wenn meine Bank dieses Geld „verwahrt“, soll ich künftig nicht nur keine Zinsen mehr dafür bekommen, sondern muss sogar Strafzinsen zahlen. Was aber, wenn ich Schulden habe? Müsste meine Bank mir dann nicht höchst dankbar sein und mich mit Zinsen belohnen? Schließlich helfe ich ihr doch, Strafzinsen zu sparen! Je höher der Kredit, desto höher der Zinssatz, den ich dafür von ihr bekomme. Wäre doch eigentlich logisch, oder? Auch wenn ich mein Konto überziehe, überlege ich weiter, müsste meine Bank mir doch eigentlich Zinsen zahlen, denn schließlich helfe ich ihr auch dann, ihren Strafzins zu senken, den die Landesbank oder wer auch immer von ihr einfordert. Leider aber sieht die Wirklichkeit ganz anders aus. Davon konnte ich mich erst dieser Tage wieder überzeugen, als ich bei der Bank meinen Kontoauszug ausdrucken ließ. Denn in den zwei Seiten langen Mitteilungen, die ich als Anhang mitbekam, wurde ich darüber informiert, dass die Sollzinsen zum Abrechnungstermin 30. Juni 2016 jährlich stattliche 15,8 Prozent betragen. Und wenn sich der Referenzzinssatz erhöhen sollte, lese ich weiter, kann mein Kreditinstitut den Überziehungszinssatz sogar noch weiter erhöhen. Wie ich es also drehe und wende – der Dumme bin immer ich. Wirtschafte ich sparsam und lege Geld für meinen Lebensabend zurück, soll ich demnächst „Verwahrgebühren“ zahlen. Schon allein das Wort muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Gebe ich aber das Geld mit vollen Händen aus und mache Schulden, werde ich erst recht zur Kasse gebeten und muss Sollzinsen in einer Höhe zahlen, von der man selbst zu besten Zeiten, als Erspartes noch Zinsen brachte, nur träumen konnte. Und was das Allerübelste bei dieser Geldwirtschaft ist: Ich habe keine Alternative. Keiner kann sich heute seinen Lohn oder sein Gehalt von seinem Arbeitgeber oder seinen Kunden noch in bar auszahlen lassen. Selbst Hartz IV-Empfänger und Obdachlose müssen heute ein Bankkonto haben. Erst kürzlich wurden Banken und Sparkassen per Gesetz verpflichtet, ihnen allen Konten einzurichten. Im besten Falle müssen die Kontoinhaber dafür keine Kontoführungsgebühren entrichten. Aber das ist die große Ausnahme: Die meisten Kreditinstitute erheben durchaus auch für diese Dienstleistung von ihren Kunden noch mehr oder weniger hohe Gebühren. Und für eine Kreditkarte, ohne die man heute kaum noch auskommt, muss man neuerdings auch deutlich mehr zahlen als noch im vergangenen Jahr. Im Mittelalter waren Leute, die Geld gegen hohe Zinsen verliehen, als Wucherer verschrieen und von der Gesellschaft geächtet. Heute dürfen Banken ihren Kunden ungeniert in die Taschen greifen, ob sie nun Geld gespart oder Schulden gemacht und ihr Konto überzogen haben.

Unredlich und Halsabschneiderei nennt das

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