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(S)TÜRMisches

Natürlich ist es für viele höchst erstrebenswert, einen schnellen Breitband-Anschluss zu haben. In diesem Sommer buddelte daher die Telekom an vielen Ecken der Stadt die Bürgersteige auf, um die dafür erforderlichen Kabel zu verlegen. Überall gab es Bauzäune, um die Fußgänger, Mütter mit Kinderwagen und Schulkinder einen großen Bogen machen und dabei auf die Straße ausweichen mussten. Viele Bauarbeiter sind höflich und freundlich, wenn sie anderen derartige Ungelegenheiten bereiten. Aber wie sich die Mitarbeiter der Telekom den Bürgern gegenüber verhielten, das war schon mehr als grenzwertig. Das war schlicht unverschämt. Mehrmals wurde vor dem Haus von Bekannten ein Schacht ausgebaggert, ohne dass der Bautrupp das vorher angekündigt hatte. Die Autos standen auf dem Hof, aber niemand hatte vorher Bescheid gesagt, man solle sie bitte auf die Straße fahren. Als sich eine Frau, die ebenfalls mit ihrem Auto eingesperrt war und zu einem wichtigen Termin musste, bei den Bauarbeitern deswegen beschwerte, bekam sie nur eine freche Antwort zu hören. An einigen Stellen im Stadtgebiet errichteten die Telekom-Mitarbeiter große Schaltkästen, fast mannshoch und zwei Meter breit. Aber die Hausbesitzer, denen dieses Ungetüm auf den Bürgersteig vor ihre Vorgärten und Häuser gesetzt wurde, hatte vorher niemand informiert, geschweige denn gefragt, ob sie damit einverstanden seien. Wer rechtzeitig bemerkte, was da vor sich ging und sich beschwerte, konnte Glück haben. Dann zogen die Bauarbeiter kurzerhand ein Haus weiter und rissen dort den Bürgersteig auf, um das Fundament zu legen und den Schaltkasten zu errichten. Inzwischen sind die Bauarbeiten wohl überall abgeschlossen, die Schaltkästen mit Strom versorgt, was wiederum für die Anwohner mit einigen Unannehmlichkeiten verbunden war, und wer so ein Ding vor die Nase gesetzt bekam, hatte sich schon ein wenig daran gewöhnt. Aber dann stand dieser Tage plötzlich wieder ein Auto der Telekom vor ihrer Tür. Heraus stieg ein junger Mann, griff in den Kofferraum, brachte ein Magenta rotes Stück Stoff, in Kastenform zusammen genäht und mit einem seitlichen Klettverschluss versehen, zum Vorschein und zog das Teil über den Schaltkasten. Und was steht in hellen Buchstaben darauf? „Wir investieren für Sie in das Netz der Zukunft. Erfahren Sie mehr unter...“ – und dann folgt eine 0800-Nummer und eine Internet-Adresse.

Nun sangen schon Anfang der 60er- Jahre des vergangenen Jahrhunderts die beiden Kabarettisten der Berliner „Stachelschweine“ Wolfgang Müller und Wolfgang Neuss das schöne Lied „Reklame ist wichtig, Reklame muss sein“. Aber doch bitte nicht in dieser Form und dann auch noch in derart scheußlicher Leuchtfarbe.

Vielleicht will die Telekom mit ihrem Überzieher verhindern, dass sich Graffiti-Künstler ihrer Schaltkästen annehmen.

Schlimmer könnte das Ergebnis aber kaum ausfallen, meint jedenfalls

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