Bad Homburg (eh). Es ist Samstagvormittag in der Louisenstraße. Zwischen dem Duft von frischem Marktkaffee und dem geschäftigen Treiben der Einkaufsbummler hat sich in der Louisenstraße an der Ecke zum Waisenhausplatz eine kleine Menschentraube gebildet. Hier werden heute keine Waren feilgeboten, sondern Meinungen getauscht.
Unter dem Motto „Bürger im Dialog“ haben Oberbürgermeister Alexander Hetjes und Bürgermeister Dr. Oliver Jedynak ihre Schreibtische verlassen, um dort zuzuhören, wo das Leben spielt.
„Wer wissen will, wo der Schuh drückt, muss zuhören“, erklärt Bürgermeister Dr. Oliver Jedynak am Infostand. Der promovierte Jurist, der seit 2020 das Dezernat II leitet, ist selbst mit dem Fahrrad zum Termin gekommen.
Für ihn ist die Präsenz auf der Straße essenziell: „Die besten Ideen für Bad Homburg entstehen oft im direkten Gespräch mit den Bürgern.“
Die Themenpalette ist so vielfältig wie die Passanten selbst. Von Gummibärchen für die Kleinen bis hin zu harten politischen Fakten für die Großen – der Redebedarf ist enorm. Besonders das Thema Mobilität sorgt für Zündstoff. Vielfach wurden die Dezernenten auch auf das Thema Radverkehr angesprochen. Kritisch angemerkt wurden die „vielen Fahrradfahrer“ auf der Louisenstraße, es gab den Wunsch nach verstärkten Kontrollen. Positiv aufgenommen wurde hingegen die gerade erst fertiggestellte Radwegebeziehung auf der Thomasbrücke. Eine Bürgerin fragt gezielt: „Nehmen Sie auch Kritik entgegen?“ Ihr brennt die Parksituation für Zweiräder auf der Seele; ihrer Meinung nach gibt es viel zu wenige Fahrradabstellmöglichkeiten. Die Antwort lässt nicht lange auf sich warten, allerdings von einem Mitbürger: „Es gibt in der Stadt sowieso zu viele Radfahrer“, kontert dieser prompt. Ein Dritter merkt an: „Es ist wahnsinnig gefährlich, hier Rad zu fahren.“ Und schon entspinnt sich eine rege Diskussion, bei der die Stadtspitze als Moderator und Erklärer fungiert.
Mobilität der Zukunft
Ebenfalls ein großes Thema war die Stadtbus-Flotte. Sehr häufig wurde der Wunsch nach einer modernen und nachhaltigen Busflotte für die Kurstadt laut. Bürgermeister Dr. Oliver Jedynak informierte darüber, dass die Stadt bereits daran arbeite eine E-Busflotte in Betrieb zu nehmen und nutzte die Gelegenheit über das geplante neue Busdepot im Gewerbegebiet Mitte zu informieren.
Während Dr. Jedynak die Neuausschreibung des Busverkehrs zum Januar 2027 und das Ziel einer verstärkten E-Bus-Flotte erklärt, widmet sich Oberbürgermeister Alexander Hetjes der Zukunft des Kurhauses – ebenfalls ein heiß diskutiertes Thema. Dabei konnte Oberbürgermeister Alexander Hetjes im persönlichen Gespräch die unterschiedlichen Neubauvarianten und die geplante Finanzierung vorstellen. Es gab Personen, die das Thema kritisch kommentiert haben, doch in der Mehrzahl wünschten sich die Besucherinnen und Besucher ein neues und vor allem funktionales Kurhaus. Dabei spielte auch eine moderne Tiefgarage eine große Rolle. Auch die U-Bahn-Verlängerung bleibt ein Dauerbrenner in der Gunst der Fragen.
Mülleimer und Mietpreise
Nicht immer geht es um millionenschwere Großprojekte. Oft sind es die vermeintlichen Kleinigkeiten, die den Alltag bestimmen. Fehlende Mülleimer im Kurpark werden ebenso moniert wie der Sportplatzbelag oder die Barrierefreiheit in der Kurstadt.
Ärgernis illegale Müllentsorgung
Ein spürbares Ärgernis für viele ist die illegale Müllentsorgung in den Grünzügen, etwa im Kirdorfer Feld. Hier nutzen die Dezernenten die Chance, die Arbeit des städtischen Rangers zu erläutern und für gegenseitige Rücksichtnahme zu werben und die Arbeit des städtischen Rangers zu erklären.
Auch die soziale Frage kommt nicht zu kurz: Wohnungsmangel und hohe Mietpreise beschäftigen viele Bad Homburger, die sich sorgen, ob die Stadt für alle Schichten bezahlbar bleibt.
Trotz aller sachlichen Diskussionen gibt es auch menschelnde Momente. „Wir sind die Neuen“, stellt sich ein junges Pärchen aus Berlin am Stand vor. Sie sind gerade erst nach Bad Homburg gezogen und wollten die Gelegenheit nutzen, sich persönlich vorzustellen. „Das war ein sehr angenehmer und vor allem nicht alltäglicher Moment“, schmunzelt Dr. Jedynak.
Positives Fazit der Stadtspitze
Das Resümee der Dezernenten fällt durchweg positiv aus. Der direkte Austausch mit den Bürgern ist – ob an einem Stand in der Fußgängerzone und in Bürgersprechstunden – ein Format, das beiden Seiten nur Vorteile bringt, Vertrauen schafft und das gegenseitige Verständnis fördere. „Grundsätzlich werden wir solche Formate in
Zukunft eher häufiger als seltener anbieten“, kündigt Oberbürgermeister Hetjes an. Die Impulse des Tages werden nun zurück ins Rathaus getragen. Ob es um häufigere Radverkehrskontrollen in der Fußgängerzone oder konkrete Anregungen zur Stadtgestaltung geht – die Themen landen nun auf den Tischen der Fachbereiche.
Fazit der Dezernenten: Das direkte Gespräch ist und bleibt ein unverzichtbarer Bestandteil bürgernaher Verwaltung und ermöglicht es, Anliegen schnell und unbürokratisch aufzugreifen.
Für alle die den Vor-Ort-Termin mit der Stadtspitze verpasst haben: Die Dezernenten stehen übrigens auch viermal im Jahr bei einer Bürgersprechstunde Rede und Antwort. Der nächste Termin ist für Ende Mai geplant. Für die Bürgersprechstunde ist eine Anmeldung nötig.

