Entspannter Sonnengruß unter alten Bäumen: Yoga im Park hat wieder begonnen

Ein sanfter Klang, ein tiefer Atemzug und der Blick ins Grüne: Mit ihrer Klangschale eröffnet Michaela Pludra-Wolf den 21. Yogasommer im Jubiläumspark. Foto: Hartmann

Bad Homburg (eh) – Der Morgen ist noch jung, das Gras im Jubiläumspark riecht nach Sommer. Sonnenstrahlen fallen durch das dichte Blätterdach, der Wind rauscht sanft durch die Zweige. Vogelgezwitscher und das leise Brummen der Insekten vermischen sich mit den Geräuschen der Stadt. Vom Spielplatz am anderen Ende der Wiese dringt fröhliches Kinderlachen herüber, aus der Ferne ist Glockenläuten zu hören. Zwei Jungen bleiben neugierig stehen und betrachten die Menschen, die im Schatten eines großen alten Baumes auf bunten Matten sitzen. „Was machen denn die da?“, fragt einer erstaunt. „Yoga“, antwortet der Junge mit dem roten Käppi.

Rund 20 Teilnehmende haben sich an diesem Sonntagvormittag auf der großen Wiese im Jubiläumspark versammelt. Sie sitzen im Kreis, lassen behutsam die Schultern kreisen, strecken Arme und Beine, atmen tief ein und aus und folgen konzentriert den ruhigen Anweisungen von Michaela Pludra-Wolf. Auf vielen Gesichtern liegt ein entspanntes Lächeln. Für eineinhalb Stunden wird die Wiese unter den alten Bäumen zu einem geschützten Raum, in dem der Alltag ein wenig weiter weg rückt. Mit diesem stimmungsvollen Auftakt ist die beliebte Veranstaltungsreihe „Yoga im Park“ in ihre 21. Saison gestartet. Bis einschließlich Sonntag, 23. August, lädt die Bad Homburger Yogalehrerin jeden Sonntag von 10.30 bis 12 Uhr zum gemeinsamen Üben unter freiem Himmel ein.

Jeder bestimmt sein eigenes Tempo

„Ohne Druck und ohne Anmeldung einfach kommen und mitmachen“, erklärt Pludra-Wolf das unkomplizierte Konzept. Willkommen sind alle Interessierten – unabhängig davon, ob sie schon seit Jahren Yoga praktizieren oder zum ersten Mal auf einer Yogamatte Platz nehmen.

Niemand müsse besonders beweglich, sportlich oder erfahren sein. Jeder könne die Übungen so ausführen, wie es für ihn persönlich angenehm und möglich sei. „Ich stelle mich stets neu auf die Teilnehmer und die Stimmung in der Gruppe ein“, sagt Pludra-Wolf. Das Tempo der Fortschritte bestimme jeder selbst. Übliche Leistungsmaßstäbe hätten während der gemeinsamen eineinhalb Stunden keinen Platz. „Im Park mache ich meist etwas sanftere Sachen“, erklärt die Yogalehrerin. Dadurch könnten auch ältere Menschen oder Menschen mit körperlichen Einschränkungen teilnehmen. Einige Übungen lassen sich vereinfachen, andere können ausgelassen oder an die eigenen Möglichkeiten angepasst werden. Entscheidend ist nicht, eine Haltung möglichst perfekt einzunehmen, sondern auf den eigenen Körper zu hören.

Auf dem Programm stehen Atemübungen, sanfte Dehnungen und verschiedene Haltungen aus dem Hatha Yoga. Hinzu kommen Übungen für den Rücken, zur Beweglichkeit und zur Entspannung. Während manche Positionen die Gelenke mobilisieren und Muskeln und Bänder dehnen, fordern andere den gesamten Körper.

Sabine, die bereits seit vielen Jahren dabei ist und auch Kurse im Tanz- und Yogastudio im Kurhaus besucht, mag besonders die Kriegerstellungen. Dabei ist der gesamte Körper in Spannung und zahlreiche Muskelgruppen werden angesprochen. „Yoga tut einfach gut“, sagt sie. „Michaela leitet die Yogastunden sehr gut an. Hier im Park ist es aber ein besonderes Highlight. Zwischen den alten Bäumen kann man sehr entspannt genießen.“

Neben der körperlichen Beweglichkeit spielt für Pludra-Wolf die mentale Entspannung eine ebenso wichtige Rolle. „Das eine ist das Beweglicherwerden, das andere ist, den Kopf frei zu bekommen“, beschreibt sie die beiden Seiten des Yoga.

Die Konzentration richtet sich während der Übungen zunehmend nach innen. Der Atem wird ruhiger, die Bewegungen langsamer und bewusster. Was außerhalb des Kreises geschieht, verliert für eine Weile an Bedeutung. Das Kinderlachen, die Geräusche der Stadt und das Rascheln der Blätter stören dabei nicht – sie werden vielmehr Teil der besonderen Atmosphäre.

Am Ende der Stunde folgt Yoga Nidra, eine Form der Tiefenentspannung. Die Teilnehmer liegen auf ihren Matten, schließen die Augen und lassen die vorangegangenen Übungen nachwirken. „Hier im Park ist mein liebster Arbeitsplatz“, verrät Pludra-Wolf. Die besondere Energie komme auch aus der Natur. Keine Stunde sei genau wie die andere. „Auch für mich ist es immer wieder neu und belebend“, sagt sie.

Für Anja ist es an diesem Morgen tatsächlich etwas Neues. Sie nimmt zum ersten Mal an „Yoga im Park“ teil. Nach einer längeren Yogapause musste sie sich zunächst überwinden, wieder anzufangen. Nun ist sie froh, dass sie sich aufgerafft hat. „Ich bin zum ersten Mal im Park dabei“, erzählt sie strahlend. „Es war sehr schön und besonders.“

Gerade für Wiedereinsteiger und Menschen, die Yoga einmal unverbindlich kennenlernen möchten, bietet die Veranstaltungsreihe eine gute Gelegenheit. Eine Anmeldung oder längerfristige Verpflichtung gibt es nicht. Wer an einem Sonntag Zeit und Lust hat, bringt seine Matte mit und macht mit.

Notlösung wird zur Sommertradition

Die Erfolgsgeschichte von „Yoga im Park“ begann im Jahr 2005 zunächst aus einer Notlage heraus. Pludra-Wolf konnte ihr damaliges Yogastudio während der Sommerferien nicht nutzen. Gleichzeitig hatte sie das Gefühl, dass eine mehrwöchige Pause für ihre Yogaschüler zu lang sei. Also verlegte sie ihre Stunden kurzerhand nach draußen. Was zunächst als pragmatische Zwischenlösung gedacht war, entwickelte sich über die Jahre zu einer liebgewonnenen Bad Homburger Tradition. Einige Teilnehmerinnen kommen bereits seit mehr als zehn Jahren regelmäßig in den Jubiläumspark. Viele freuen sich jedes Jahr auf die Wochen, in denen sie gemeinsam unter dem alten Baum üben können.

Pludra-Wolf gehörte zu den ersten Yogalehrerinnen, die ein solches öffentliches Angebot im Park machten. Heute sind ähnliche Veranstaltungen vielerorts verbreitet. Für sie selbst hat das Bad Homburger Original dennoch nichts von seinem besonderen Reiz verloren. „Was für ein schöner Auftakt für Yoga im Park“, freut sie sich nach der ersten Stunde der neuen Saison.

Die Yogalehrerin praktiziert selbst seit mehr als 35 Jahren Hatha Yoga. Seit 2004 ist sie zertifizierte Yogalehrerin im Berufsverband der Yoga Vidya Lehrer. Ihre zweijährige Ausbildung umfasste 620 Unterrichtseinheiten. Gemeinsam mit ihrem Ehemann leitet sie seit 2006 das Bad Homburger Tanz- und Yogastudio, das seit 2008 im Kurhaus beheimatet ist. Dort bietet sie seit 2012 auch Ausbildungen für Yogalehrerinnen und Yogalehrer an.

Zahlreiche Weiterbildungen, unter anderem zu Rücken- und Kinderyoga, Kundalini Yoga, Yoga Nidra, Anatomie und Physiologie sowie Yogaphilosophie, ergänzen ihre langjährige Unterrichtspraxis. Neben Hatha Yoga zählt Raja Yoga zu ihren persönlichen Schwerpunkten. Darüber hinaus arbeitet Pludra-Wolf als Personaltrainerin und Yoga-Business-Coach für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen.

Auch auf der Bühne und in der Theaterpädagogik ist sie seit vielen Jahren zu Hause. Nach einer Schauspiel- und Sprechausbildung sowie einer Zusatzqualifikation als Theaterpädagogin gibt sie seit 1996 Theater- und Schauspielkurse für Kinder und Jugendliche. Diese Erfahrung ist auch in ihren Yogastunden spürbar: Ihre Stimme führt ruhig durch die Übungen, ihre Anweisungen sind klar und verständlich, ohne den Teilnehmern den Raum für das eigene Erleben zu nehmen.

Gemeinsames „Om“ unter Bäumen

Langsam neigt sich die erste Yogastunde dieses Sommers ihrem Ende entgegen. Nach der Tiefenentspannung setzen sich die Teilnehmer wieder auf. Die Hände werden vor der Brust zusammengeführt, die Augen sind geschlossen. Dann erklingt dreimal ein lang gezogenes gemeinsames „Om“. Der Ton breitet sich unter dem Blätterdach aus und scheint für einen kurzen Moment mit dem Rauschen der Bäume, dem Vogelgesang und den fernen Geräuschen der Stadt zu verschmelzen.

Auf den Matten öffnen sich langsam die Augen. Die Teilnehmer strecken sich noch einmal, rollen ihre Matten zusammen und kommen miteinander ins Gespräch. Die ruhige, gelöste Stimmung bleibt.

Wer „Yoga im Park“ selbst ausprobieren möchte, hat dazu bis einschließlich 23. August jeden Sonntag von 10.30 bis 12 Uhr Gelegenheit. Treffpunkt ist die große Wiese im Jubiläumspark. Eine Voranmeldung ist nicht erforderlich. Mitzubringen ist eine eigene Yogamatte. Die Teilnahme erfolgt auf eigene Haftung und kostet 15 Euro pro Person. Schülerinnen, Schüler und Studierende zahlen gegen Vorlage eines Ausweises zehn Euro. Bei Regen findet das Treffen im Tanz- und Yogastudio im Kurhaus statt.

Nach der letzten Yogastunde am 23. August wartet noch eine weitere schöne Tradition: Zum Abschluss treffen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu einem gemeinsamen Picknick. Jeder bringt etwas mit, alles wird geteilt. So endet der 21. Yogasommer genauso, wie er an diesem Sonntagmorgen begonnen hat – gemeinschaftlich, entspannt und mitten im Grünen.

Unter dem schattigen Blätterdach des Jubiläumsparks finden die Teilnehmenden bei Yoga im Park zu Ruhe, Bewegung und neuer Energie. Yogalehrerin Michaela Pludra-Wolf stimmt jede Stunde neu auf die Menschen und die Atmosphäre in der Gruppe ab. Foto: Wolf

Weitere Artikelbilder



X