Biscarrosse/Bad Homburg (hw) – Die Bad Homburger Steuerfrau und ihre Vorschoterin Malin Junghans holen bei der 420er-WM im französischen Biscarrosse Rang 39 – und liefern am letzten Tag ihr stärkstes Rennen.
Die Sommerferien hielten für Marie Conrad den bisherigen Höhepunkt ihrer jungen Segelkarriere bereit. Gemeinsam mit ihrer Vorschoterin Malin Junghans nahm die 16-jährige Schülerin der Maria-Ward-Schule erstmals an den Weltmeisterschaften der internationalen 420er-Klasse teil. Marie geht für den Segelclub Inheiden bei Hungen an den Start, Malin für den Segelclub Nordsaar. Mit Platz 39 von 49 Crews im Women Fleet war das Duo am Ende das drittbeste deutsche Damen-Team. Zum Abschluss gelang den beiden mit Platz 17 ihr bestes Einzelergebnis der Woche.
„Es waren sehr spannende und unglaublich enge Rennen“, erzählt Marie. „Das Feld lag so dicht zusammen, dass sich die Reihenfolge ständig änderte. Ein guter Start brachte einen weit nach vorne – ein ungünstiger Winddreher konnte sofort wieder viele Plätze kosten.“ Genau das habe die WM so anspruchsvoll gemacht. Malin beschreibt die Tage in Biscarrosse als aufregend und eindrucksvoll: Das große internationale Feld, die besondere Atmosphäre einer Weltmeisterschaft. Nur etwas mehr Wind hätte sie sich gewünscht.
WM-TÜV und Opening Ceremony
Insgesamt 304 Crews aus 26 Ländern hatten sich auf den Weg zum „Centre Nautique Biscarrosse Olympique“ nahe der französischen Atlantikküste gemacht. Nach der Ankunft auf der WM-Basis stand zunächst eine Woche Vorbereitungstraining auf dem Programm. Marie und Malin lernten das Revier mit seinen thermischen Winden kennen und konnten sich bei ersten Practice Races mit Crews aus anderen Nationen messen.
Danach folgte die Vermessung. Bei Meisterschaften werden Boote und Ausrüstung bis ins Detail kontrolliert: Rumpf, Rigg und Segel müssen den internationalen Vorgaben entsprechen. Nicht wenige Teams mussten noch kurzfristig Beschläge versetzen oder Bauteile nacharbeiten. Das Vereinsboot des Segelclubs Inheiden, das Marie und Malin segeln, absolvierte den „WM-TÜV“ dagegen ohne Beanstandung.
Eröffnet wurde die WM dann mit der offiziellen Opening Ceremony, bei der sich die Nationen im einheitlichen Teamdress und mit ihren Flaggen präsentierten. Neben den großen Delegationen aus Italien (48 Boote) oder Großbritannien (34 Boote) waren auch Nationen wie Hongkong, Peru und Puerto Rico vertreten, die jeweils eine Crew entsandt hatten. Gerade die Begegnung von Seglerinnen und Seglern aus aller Welt verlieh dem Event seinen besonderen Charakter.
Enge Rennen auf höchstem Niveau
Sportlich waren Marie und Malin mit realistischen Erwartungen angereist. Die beiden segeln seit vergangenem September zusammen und verfügen als Binnenland-Team über deutlich weniger Trainingszeit als viele internationale Konkurrentinnen, die aufgrund ihrer Lage am Meer deutlich häufiger und auch ganzjährig trainieren können.
In erster Linie Erfahrung sammeln
„Für uns ging es vor allem darum, Erfahrungen zu sammeln und zu sehen, wo wir im internationalen Feld stehen“, sagen die beiden.
Sie segelten überwiegend Ergebnisse im Bereich der Plätze 30 bis 40. Wie eng das Feld beieinanderlag, zeigte sich an den stark wechselnden Platzierungen vieler Teams. Konstant waren dagegen die starken Leistungen der griechischen Crews, die in den verschiedenen Wertungen mehrere Podestplätze belegten. An der Spitze mischten außerdem Teams aus Brasilien, Spanien, Italien und den USA mit.
Von all dem bekommen Familien und Freunde an Land meist wenig mit. Wenn die Regattabahn weit draußen liegt, ist man an Land auf Zwischenmeldungen der Trainer angewiesen. In Biscarrosse erhielten die Boote an den letzten beiden Wettfahrttagen jedoch GPS-Tracker, die Position, Geschwindigkeit und Platzierung in Echtzeit übermittelten. Für die mitfiebernden Eltern war das Fluch und Segen zugleich: Einerseits konnten sie die Rennen live verfolgen, andererseits sahen sie auch unmittelbar zu, wenn eine einzige Wende innerhalb weniger Minuten viele Plätze kostete.
Das beste Rennen zum Schluss
Ihr sportliches Highlight hoben sich Marie und Malin bis zum letzten Tag auf – und die Land-Crew war in diesem Fall per Tracker „live“ dabei. „Da hatten wir einen richtig guten Start“, erinnert sich Marie. Zeitweise lagen die beiden sogar auf Platz zwölf und verteidigten schließlich Rang 17 bis ins Ziel. Was sie anders gemacht hätten? „Eigentlich nichts“, sagt Malin. „Aber irgendwie war das einfach unser Tag.“
Die Weltmeisterschaft mit einem solchen Ergebnis abzuschließen, habe sich besonders gut angefühlt. Es zeigte den beiden, dass sie auch im starken internationalen Feld nach vorne segeln können, wenn alles zusammenpasst: Start, Taktik und Bootsgeschwindigkeit.
Mehr als nur ein Ergebnis
So kämpferisch die Rennen auf dem Wasser waren, so freundschaftlich war der Umgang der Segler an Land. Beim traditionellen Tausch der Nationenshirts wechselte Teamkleidung teils mehrfach die Besitzer. Marie tauschte ihr Deutschland-T-Shirt zunächst gegen einen französischen Umziehponcho, der später erst zu einem italienischen und schließlich zu einem britischen Shirt wurde.
Was bleibt, ist deshalb mehr als ein Platz in der Ergebnisliste: die Erfahrung aus einem großen internationalen Feld, Begegnungen mit Jugendlichen aus aller Welt und das Gefühl, im deutschen Teamdress bei einer Weltmeisterschaft gestartet zu sein.
Ob das im nächsten Jahr wieder gelingt, wird sich zeigen. Die ersten Qualifikationspunkte für EM und WM 2027 kann das Team bereits Ende September sammeln, bevor dann direkt die Deutsche Meisterschaft ansteht.


