Bad Homburg (eh). Es sind oft die kleinen Dinge des Alltags, die große Geschichten erzählen. Ein Butterfäßchen aus dem Jahr 1849, blau-weiß bemalte Vorratsdosen, ein schön bemalter Rum-Topf, eine Kaffeemühle oder ein Becher mit der augenzwinkernden Aufschrift „Frau ärgere deinen Mann nicht“: Wer derzeit am Schaufenster der Sparda-Bank in Bad Homburg vorbeigeht, kann dort eine kleine Zeitreise unternehmen. Unter dem Titel „Ein blaues Wunder“ zeigt der Geschichtliche Arbeitskreis Gonzenheim Steinzeug-Geschirr aus dem vorigen Jahrhundert – liebevoll zusammengestellt, sorgfältig präsentiert und voller Erinnerungen an Küchen, Vorratskammern und gedeckte Tische früherer Generationen.
Seit einigen Jahren baut der Geschichtliche Arbeitskreis Gonzenheim regelmäßig Ausstellungen in den Räumen der Sparda-Bank Bad Homburg auf. Auch in diesem Jahr wird den Sommer über wieder ein Stück Heimatgeschichte mitten in der Stadt in der Filiale der Sparda Bank am Waisenhausplatz sichtbar sein. „Die schönste Ausstellung“, findet Stefanie Kunert, kommissarische Filialleitung der Sparda-Bank Bad Homburg. Viele der Exponate rufen Erinnerungen wach – an Oma und Opa, an alte Küchen, an Gerüche, Geräusche und Rituale, die früher selbstverständlich zum Alltag gehörten.
Doch die Ausstellung ist nicht nur ein nostalgischer Blick zurück. Sie zeigt auch, wie wichtig ehrenamtliches Engagement für das kollektive Gedächtnis einer Stadt und ihrer Ortsteile ist. Denn nur wer seine Wurzeln kennt, kann Gegenwart und Zukunft besser verstehen. Genau diesem Anliegen widmet sich der Geschichtliche Arbeitskreis Gonzenheim seit vielen Jahrzehnten. Nun unterstützt die Sparda-Bank Hessen den Verein über ihren Gewinn-Sparverein mit einer Spende in Höhe von 2.000 Euro. Bei der Spendenübergabe überreichte Stefanie Kunert den symbolischen Scheck an den ersten Vorsitzenden des Geschichtlichen Arbeitskreises Gonzenheim, Heinz Humpert. „Ein Blick in die Geschichte hilft oft, die Gegenwart und die Zukunft besser zu verstehen“, so Kunert. Sie freue sich sehr, dass die Sparda-Bank diese besondere Ausstellung in ihren Räumen zeigen könne. Geschichte, so betonte sie, sei unser Ursprung und habe deshalb auch für das aktuelle Leben große Bedeutung.
Heinz Humpert nahm die Spende mit großer Freude entgegen. Der Vorsitzende des Vereins ist seit vielen Jahren mit viel Herzblut dabei, wenn es darum geht, Gonzenheimer Geschichte zu bewahren, aufzuarbeiten und sichtbar zu machen. Zwischen der Sparda-Bank und dem Geschichtlichen Arbeitskreis bestehe eine „gute und lange Zusammenarbeit und Gemeinschaft“, sagte Humpert. Die Bank unterstütze den Verein bereits seit vielen Jahren und begleite damit kontinuierlich die Arbeit der Ehrenamtlichen.
Die Spende soll unter anderem für den Erhalt und die Restaurierung historischer Exponate eingesetzt werden. Ein Beispiel dafür ist eine Fahne aus dem Jahr 1874, die heute im Gonzenheimer Museum zu sehen ist. Solche Stücke sind mehr als alte Gegenstände: Sie sind Zeugnisse eines gesellschaftlichen Lebens, das sonst leicht in Vergessenheit geraten könnte.
Der Geschichtliche Arbeitskreis Gonzenheim entstand im Jahr 1982 im Zusammenhang mit der Zwölfhundertjahrfeier der Stadt Bad Homburg. Damals hatte die Stadtverwaltung angeregt, für Gonzenheim eine ortsgeschichtliche Ausstellung auszurichten. Aus der Gruppe, die sich damals zusammenfand, wurde schließlich ein Arbeitskreis – getragen von dem Wunsch, die begonnene Arbeit fortzuführen. Seit 1985 ist der Arbeitskreis Mitglied im Vereinsring Gonzenheim, seit dem 7. Juni 2006 ist er ein eingetragener Verein mit anerkannter Gemeinnützigkeit.
Die Mitglieder sammelten über Jahre hinweg Fotos, Schriften und Erinnerungen, führten zahlreiche Gespräche mit Gonzenheimern und werteten Archivalien in Wiesbaden, Darmstadt und Bad Homburg aus. Im Mai 2013 wurde schließlich das Gonzenheimer Museum im Kitzenhof eröffnet – in einem Fachwerkhaus aus dem Jahr 1619 neben dem Vereinshaus Gonzenheim. Dort kümmert sich der Verein bis heute um das Auffinden, die Aufbereitung und den Erhalt historischen Kulturguts.
Dass Geschichte lebendig und nahbar sein kann, beweisen die Ausstellungen des Arbeitskreises immer wieder. Seit 2018 ist der Verein regelmäßig in der Bad Homburger Sparda-Bank zu Gast. Damals lautete der Titel „Künstler sehen Gonzenheim“, unter anderem war ein alter Schnitzbock zu sehen. 2019 folgte eine Ausstellung mit alter Wäsche, die bei vielen Besuchern für Schmunzeln sorgte. 2023 widmete sich die Sonderausstellung „Vom Abakus und anderen Techniken zum Computer“ der Entwicklung im Apparate- und Maschinenbau für Kommunikation in Schrift, Wort, Ton und Bild. Zu sehen waren damals unter anderem ein Grammophon um 1910 mit Schellackplatten sowie eine mechanische Schreibmaschine aus der Zeit um 1934. Im vergangenen Jahr stand das Thema Feuerwehr in alten Zeiten im Mittelpunkt.
Die aktuelle Ausstellung „Ein blaues Wunder“ fügt sich in diese Reihe ein und richtet den Blick auf Alltagskultur. Steinzeug war robust, praktisch und in vielen Haushalten selbstverständlich. Heute erzählen die blau-weiß verzierten Gefäße von früheren Formen des Kochens, Aufbewahrens und Haushaltens. Sie schlagen eine Brücke zwischen den Generationen: Für ältere Besucher wecken sie persönliche Erinnerungen, für Jüngere werden sie zu Entdeckungsstücken aus einer Zeit, die sie selbst nicht mehr erlebt haben. So wird der Spaziergang entlang des Schaufensters auch zu einem kleinen Spaziergang durch die eigene Geschichte – und durch die Geschichte von Oma und Opa für das Enkelkind.
Das älteste Exponat der Ausstellung ist ein Butterfäßchen aus dem Jahr 1849. Heinz Humpert präsentierte es bei der Ausstellung als besonderes Stück aus der Sammlung. Auch die alte Kaffeemühle und die zahlreichen blau bemalten Gefäße zeigen, wie viel Charakter in den Gebrauchsgegenständen vergangener Zeiten steckt.
Die Ausstellung „Ein blaues Wunder – Steinzeug-Geschirr aus dem vorigen Jahrhundert“ ist noch bis einschließlich Laternenfest in der Sparda-Bank Bad Homburg zu den regulären Öffnungszeiten zu sehen.
Stefanie Kunert, kommissarische Filialleitung der Sparda-Bank Bad Homburg, übergibt Heinz Humpert, dem Vorsitzenden des Geschichtlichen Arbeitskreises Gonzenheim, einen Spendenscheck in Höhe von 2.000 Euro.
Der 1. Vorsitzende des Geschichtlichen Arbeitskreises Gonzenheim, Heinz Humpert, mit einem Butterfäßchen aus dem Jahr 1849 – dem ältesten Exponat der Ausstellung „Ein blaues Wunder“. Fotos: eh


