Der "Weißer Turm Förderverein e.V." veranstaltet alle zwei Jahre (mit Unterstützung von drei Bad Homburger Serviceclubs) die Benefiz-Oldtimer-Rallye „Weißer Turm Klassik“. Mindestens 30 Jahre müssen die Fahrzeuge alt sein, damit sie als Oldtimer durchgehen. So sah man auf dem Hof der Centralgarage also jede Menge Autos, die man so im Straßenverkehr nicht jeden Tag sieht. Und bei einem von den Autos konnte man im ersten Augeblick sogar vermuten, dass sich das jemand im Porsche-Werk in Stuttgart verschieben hat: Ist das wirklich eine 912...? Tatsächlich, es ist kein Tippfehler, nur etwa 30.000 Modelle mit dieser außergewöhnlichen Nummer hat Porsche jemals gebaut – einer davon gehört Thomas Keiser.
Das wievielte Mal nehmen Sie an dieser Rallye teil? Oder war es die Premiere für Sie?
Ich mag die Weißer Turm Klassik sehr, weil sie mit viel Engagement durchgeführt wird, nette Leute zusammenbringt, immer schöne Fahrstrecken erschließt und viel Geld für den Guten Zweck sammelt. Deshalb bin ich seit 2022 schon zum dritten Mal dabei. 2024 habe ich allerdings wegen einer Familienangelegenheit trotz Anmeldung kurzfristig passen müssen.
Bei so vielen unterschiedlichen Modellen - warum ausgerechnet der Porsche 912?
Schon als ich 18 Jahre alt war, habe ich zu meiner Oma gesagt: "Nach dem Studium hole ich dich mit einem Porsche 911 ab", weil ich diese heute noch erkennbare Form mit dem abfallenden Heck und den beiden Turbinenkotflügeln schon immer großartig fand. Gleichzeitig finde ich die besondere Geschichte des 912er – manche nennen ihn ja den ‚Porsche-Retter‘ – mit vier statt sechs Zylindern originell und sympathisch. Wahrscheinlich hat aber einfach nur das Geld für einen 911er nicht gereicht und ich rede es mir jetzt schön…
Wie sind Sie an den gekommen, war das Zufall oder haben Sie sich das Auto bewusst gesucht? Und was hatten Ihre Kinder damit zu tun?
Ich wollte eigentlich nie einen Oldtimer: zu teuer, zu anfällig und so richtig schrauben kann ich auch nicht. Aber meine beiden Söhne sind Auto-begeistert und haben mir immer wieder Verkaufsanzeigen geschickt und ziemlichen Druck gemacht. Ich habe dann klein beigegeben, und wir haben uns einige 912er angeschaut. Der dritte ist es dann zu einem guten Preis geworden, und wir haben ihn quasi als "Jungens-Projekt" immer weiter in den originalgetreuen Zustand versetzt. Jetzt fahren wir oft und gerne zu dritt aus. Allein deshalb hat sich jeder einzelne investierte Euro gelohnt!
Sind Sie in der Porsche-Community gut vernetzt? Und wie sieht es bei nötigen Reparaturen mit Ersatzteilen und Expertise aus?
Nun ja, man wächst da so mehr oder weniger rein. Sehr gute Hilfestellung haben mir das privat organisierte 912er-Register von Horst Goltz geleistet; und einige Nachbarn mit unglaublich viel Know-how. Ersatzteile sind eigentlich noch recht gut zu bekommen. Schwieriger wird es schon beim Schrauben mit Werkstätten, die sich noch mit der analogen Technik von vor 60 Jahren auskennen, da gibt es nicht so viele. Aber zum Glück bin ich aktuell in guten Händen.
Wie kam es zu dem Artikel über Ihr Auto in der FAZ?
Ich bekomme immer mal wieder Anfragen von Technik- oder Oldtimerredaktionen, die sich für den 912er interessieren. Die Kombination aus Design, Technik und besonderer Geschichte ist ja auch spannend. Im letzten Jahr hat dann die FAZ angefragt und im Technikteil einen langen Bericht gebracht. Ich habe mich sehr über das Lob der Experten gefreut: "Sein 912er sieht gut aus, ist nicht überrestauriert. Nahezu alles ist original." – das hört man natürlich gern.
Ist dieses Auto für Sie nur ein Fortbewegungsmittel oder doch mehr?
Für mich ist der Porsche zuallererst ein Fortbewegungsmittel, nicht selten fahre ich damit morgens zur Arbeit nach Frankfurt. Außerdem finde ich, ist es ein erhaltungswertes Zeugnis Deutscher Ingenieurskunst und Automobilgeschichte. Und zu guter Letzt ist es ein emotionales Designobjekt, das mir, meinen Jungs – und manchmal sogar meiner Frau – viel Spaß macht und uns zusammenbringt.
Wenn Sie morgen im Lotto gewinnen und sich irgendeinen Oldtimer besorgen könnten – welcher wäre das?
Ich habe zwar nicht im Lotto gewonnen, mir aber trotzdem vor 3 Jahren einen weiteren Oldtimer gekauft: Ein altes Segelboot aus dem Jahr 1974, das ich ebenfalls restauriert habe, im Segeln sagt man dazu ‚Refit‘. Im Nachhinein stelle ich allerdings fest, dass ein Lottogewinn ganz hilfreich gewesen wäre.
Sind Sie in zwei Jahren wieder am Start – und steht in der Zwischenzeit etwas Besonderes an?
Ich kann mir gut vorstellen, dass wir in zwei Jahren wieder dabei sind. Wie schon gesagt, finde ich das Konzept und das große Engagement der Veranstalter, denen ich bei dieser Gelegenheit auch nochmal herzlich danken möchte, sehr gut. Vielleicht fahren dann aber mal meine beiden Söhne, und meine Frau und ich stehen an der Strecke und machen Fotos. Das wäre auch mal ganz schön. In der Zwischenzeit bin ich im Juni für die Tegernsee-Rallye des Bundeswirtschaftssenats im Juni gemeldet. Und ich nehme im September beim Mitfahrmuseum in Bad Homburg teil, bei dem Besucher mit ihrem Wunsch-Oldtimer mitfahren können. Darauf freue ich mich auch schon sehr.
Herr Keiser, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.



