Kunstvolle Eröffnung der Kurparksaison

Von Janine Stavenow

Bad Homburg. Wenn es um den schönsten Termin im Jahreskalender der Stadt geht, dann ist die Saisoneröffnung im Kurpark auf jeden Fall ganz vorne mit dabei. Immer am ersten Maisonntag erwacht das Leben in der grünen Lunge der Stadt. Frisches Grün, blühende Beete und ein buntes Fest zum Auftakt der warmen Monate ziehen Groß und Klein auf die Brunnenallee. Mit beschwingten Melodien, Theater, Zauberei, Pantomime und süßen Leckereien fiel am Sonntag der Startschuss für einen ereignisreichen Sommer 2026.

Bei frühsommerlichen Temperaturen flanierten bereits am Vormittag die ersten Spaziergänger unter blühenden Kastanien zwischen Orangerie und Spielbank und genossen den Charme des Kurparks. Den ersten Flaneuren schlossen sich einige Herrschaften an, die dort nur selten anzutreffen sind. In feinen Zwirn gekleidet spazierten Spielbankgründerin Marie Blanc, die russische Gräfin Sophie Kisseleff, Schriftsteller Fjodor M. Dostojewski, der einst vor allem an der Spielbank gefunden hatte, sowie die Golferin Georgina Lewis und Geheimrat Eduard Christian Trapp, Mitbegründer der Kur, in Richtung Musikpavillon. Hier lauschten die feinen Herrschaften – allesamt Schauspieler der Volksbühne Bad Homburg – den Eröffnungsreden von Oberbürgermeister Alexander Hetjes, seiner Gattin Katinka sowie Kurdirektor Holger Reuter, die sich dem Anlass gemäß ebenfalls schick gemacht hatten. Mit Seifenblasen und flotten Sprüchen sorgte Gustav, der schnelle Gärtner, auf seinem Segway für gute Laune bei Honoratioren und Gästen.

Reuter warb für das umfangreiche Programm, das die Besucher im Laufe des Tages auf der Brunnenallee erwartete. Sein großes Dankeschön ging an das Organisatorenteam, das „etwas ganz Besonderes zusammengebastelt“ habe. „Wir haben etablierte Kunstacts wie das Wassercafé ‚Schönes Wasser‘ und das Bauchladen-Theater, aber auch neue Gäste.“ Premiere im Kurpark feierten zum Beispiel der Page Jacques Liqueur und Zauberer Tatto Ota. Per ausliegenden Flyern konnte ein jeder sein persönliches Saisoneröffnungsprogramm zusammenstellen.

Aber was wäre eine Kurparkeröffnung ohne Musik des Kurensembles? Mit dem „Blumenwalzer“ von Pjotr Iljitsch Tschaikowski eröffnete die sechsköpfige Band um Mike Mihajlovic – von OB Hetjes liebevoll als die Kurpark-Dreamboys bezeichnet – das fröhliche Treiben im Park. „Nur wenige Kurstädte haben noch ein eigenes Kurorchester“, sagte Hetjes, „das ist ein Alleinstellungsmerkmal.“ Der OB nutzte die Gelegenheit auch, um an Schlagzeuger Paul Pflanz zu erinnern. Pflanz, der vor drei Jahren verstarb und in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden wäre, spielte als „weltweit ältester Drummer in einem Kurorchester“, so Hetjes.

Während sich die einen Platz auf den Bänken vor der Konzertmuschel suchten und dem Orchester lauschten, begannen die anderen ihren Rundgang von Attraktion zu Attraktion. Am Elisabethenbrunnen kredenzten die Brunnenmädchen Visare, Noemi und Greta in historischem Kostüm Besuchern das kühle Heilwasser. Gleich nebenan luden Hanna Linde und Torsten Blunk, Jahr für Jahr gern gesehene Gäste bei der Kurparkeröffnung, in ihr ganz besonderes Café ein. Im Wassercafé „Schönes Wasser“, einer schattigen Oase an der Allee, schenkten sie die kühle Erfrischung an ihre Gäste aus und zelebrierten dies auf ihre ganz eigene humorvolle und charmante Art und Weise. Besondere Spezialitäten in diesem Jahr: Grönland- und Walwasser.

Wer vorbei an Auguste-Viktoria-Brunnen und Landgrafenbrunnen hin zum Kaiserbrunnen schlenderte, konnte weitere Akteure treffen. Im Bauchladen-Theater erwachte auf amüsante Art und Weise die Geschichte der Gebrüder Blanc zum Leben. Weiß geschminkt und stets mit einem Lächeln auf den Lippen formte Pantomime Bastian originelle Luftballonfiguren – kleine Kunstwerke, die staunen ließen. Der Page Jacques Liqueur in roter Uniform verblüffte, indem er Tücher und Münzen auf unerklärliche Art verschwinden ließ. Gärtner Gustav und seine Ehefrau flitzten nicht nur mit ihrem kleinen Kräutergarten über das Gelände, sondern verzauberten die Zuschauer auch mit riesigen, schillernden Seifenblasen. Mit Close-Up-Zauberei beeindruckte Zauberer Tatto Ota. Ein Hingucker der besonderen Art waren die „Ringelschlingel“ vom Stelzentheater „Circolo“. Die in allen Farben geringelten Figuren waren für allerlei Schabernack zu haben und stolzierten gekonnt die Brunnenallee entlang. Das bunte Treiben entlang der Heilquellen nutzte der Ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst Taunus, um auf das Schicksal von Kindern und Jugendlichen mit lebensverkürzenden Erkrankungen aufmerksam zu machen. Während die erwachsenen Besucher informiert wurden, konnten sich die Kinder schminken oder mit Glitzertattoos schmücken lassen.

Gerne lassen sich die russische Gräfin Sophie Kisseleff, Marie Blanc, Fjodor M. Dostojewski, die Golferin Georgina Lewis, ein Kurgast und Geheimrat Trapp auf der Brunnenallee fotografieren (v.l.).Fotos: jas

Die Brunnenmädchen Visare, Noemi und Greta füllen am Elisabethenbrunnen für Kurparkgäste heilsames Wasser ab (v.l.).

Gustav, der schnelle Gärtner, und seine Ehefrau sorgen mit Seifenblasen und viel Tempo für gute Laune.

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