Bad Homburg (hw) – Eine umtriebige Laternenkönigin in kanariengelb, ein XL-Laternenfestumzug im Serienfieber, ein Ministerpräsident auf dem Kinderkarussell und unzählige Bad Homburger in den Straßen, vor den diversen Bühnen und an den Verkaufsständen – das war das Bad Homburger Laternenfest 2026 unter dem Motto „Das Laternchen im Serienfieber“, das wieder einmal die Innenstadt in einen Tummelplatz für Jung und Alt verwandelte.
Ministerpräsident Boris Rhein war auf Einladung der Stadt (und vielleicht auch auf Einladung seines Parteikollegen Alexander Hetjes) in die Kurstadt gekommen, für Rhein ein Termin „vor der Haustür“, von seinem Wohnsitz Nieder-Eschbach aus konnte er wahrscheinlich mit dem Fahrrad kommen. Und als erste „Amtshandlung“ setzte er sich zum Beginn des ausgedehnten Festwochenendes erst einmal auf das Kettenkarussell am Kurhausvorplatz, sozusagen ein Testlauf, bevor die Feierlichkeiten am Freitag gegen 14 Uhr so richtig losgehen würden.
Sie gingen dann auch los, und das im Großformat, die Mitglieder des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung marschierten (begleitet von der Mobilband „Evas Apfel“) zunächst mit Johanna I. durch die Fußgängerzone in der Louisenstraße, danach ging es zum offiziellen Fassanstich auf dem Kurhausvorplatz. Qualitätsprüfung war angesagt, selbige wurde durchgeführt von den „Ranghöchsten“: Johanna I. und OB Hetjes, die einen ebenso kräftigen Schluck nahmen wie Dr. Joachim Habetha. Im alten Rom gab es Vorkoster – in Bad Homburg gibt es eine Laternenköniging, einen Oberbürgermeister und einen Lions-Präsidenten.
Altstadt wird zur Fressgass‘
In all den Jahren ist noch nie irgendjemand nachweislich auf dem Laternenfest verhungert, die gesamte Altstadt wurde auch 2026 zur ausgedehnten „Mampf-Meile“, bei der sich die Besucher allerlei Spezialitäten aus aller Herren Länder einverleiben konnten.
In der Sketchreihe „Voll Daneben“ verkörperte Diether Krebs anno 1990 den etwas töffeligen Fernsehkoch Harry Hunger, der in jeder Folge ein anderes Gericht aus einem anderen Land zubereitete. In der Griechenland-Episode fasste er die kulinarische Vielfalt der Hellenen etwas despektierlich zusammen: „Egal, was der Grieche kocht, es kommt immer Souvlaki dabei heraus!“ Das ist nachweislich falsch, allerdings gab es am „My way to Hellas“-Stand der Familie Agyrakis was zu kaufen? Richtig, Souvlaki-Spieße!
Alternativ Gin und Waffeln (wilde Kombination!) bei Familie Fischer, Bier und Wein bei Familie Kaczinski, kolumbianische Spezialitäten am Hexenturm, slawische Gaumenfreuden im Altstadthof unter dem Motto „Cevapcici trifft Slivovic“ oder Riesling und Grauburgunder beim „Give me baby one more wine“-Weinstand unter der Ritter-von-Marx-Brücke. Die Leber wächst schließlich mit ihren Aufgaben.
Dippemess-Feeling in der Kurstadt
Wer weniger Gekühltes und Gegrilltes und dafür mehr Nervenkitzel suchte, wurde am Wochenende ebenfalls fündig, auch für die Feierwütigen mit eher rudimentärem Satzbau („Ey, gehen wir Autoscooter!“) hatte der Festplatz haufenweise Attraktionen zu bieten: Riesenrad, Break Dancer mit Pyrotechnik, der 80 Meter hohe „Around the World“-Kettenflieger, erwähnter Autoscooter – und etwas, das aussah wie eine Mischung aus Schiffschaukel und übergroßer Humanzentrifuge, die üblicherweise beim Astronautentraining verwendet wird. Wer durchgeschüttelt werden wollte, der wurde auch durchgeschüttelt!
Dazu haufenweise Livemusik von den „Rock Diamonds“, den „Skool Fighters“ oder „CNO“, wummernde Bässe von DJ JNEX oder deutsches Liedgut von den „Schlageristen“ – mehr als ein Dutzend Musikgenres wurden abgedeckt, dazu wurde ausgiebig abgefeiert.
Der einzige Wermutstropfen: Am Montag war nach dem großen Feuerwerk das Laternenfest auch schon wieder vorbei. Aber die Stadt Bad Homburg, der Laternenfestverein und die diversen Schausteller haben sich den August 2027 mit Sicherheit schon im Kalender markiert. Vielleicht gibt es dann ein Laternchen im 80er-Fieber mit Walkman und BMX-Rad. Oder im Filmfieber. Oder im 70er-Fieber mit weißen Discoanzügen und Musik von den Bee Gees.
Eines ist sicher: Die Kurstadt wird sich auch im nächsten Jahr wieder etwas Besonderes einfallen lassen, damit die Bad Homburger ein Laternenfest feiern können, dass es so noch nicht gab. Wer dann im Kinderkarussell sitzen und wer das Festbier vorkosten wird, war bei Redaktionsschluss noch nicht bekannt, aber die zuständigen Personen im Rathaus und das Laternenfest-Komitee werden sich mit Sicherheit etwas einfallen lassen.







