Neue Petition: Ohne Angehörige bricht die Pflege zusammen

Bad Homburg (hw). Der Verband wir pflegen – Interessenvertretung und Selbsthilfeorganisation pflegender Angehöriger – sowie der Verein Pflegende Angehörige haben die Petition „Pflegereform ja – aber nicht auf Kosten pflegender Angehöriger“ gestartet.

Die vom Bad Homburger Michael Rehwald gegründete Initiative Pflegende Angehörige Hochtaunus unterstützt die Petition als Teil des bundesweiten Netzwerks pflegender Angehöriger und setzt sich gemeinsam mit den Initiatoren für eine grundlegende Überarbeitung des vorliegenden Entwurfs des Pflegeneuordnungsgesetzes ein.

Die Initiatoren fordern den Deutschen Bundestag und die Bundesregierung auf, die häusliche Pflege durch Angehörige, Nachbarn und vertraute Bezugspersonen nachhaltig zu stärken und geplante Regelungen zu überarbeiten, die zu Lasten pflegender Angehöriger gehen könnten.

Hintergrund ist die breite Kritik am Referentenentwurf, die auch während der Verbändeanhörung deutlich wurde. Zahlreiche Fach- und Interessenverbände sehen weiterhin erhebliche fachliche und praktische Fragen als ungeklärt an. „Pflege findet überwiegend zu Hause statt. Millionen Angehörige, Familienmitglieder, Nachbarn und andere nahestehende Menschen tragen täglich Verantwortung für die Versorgung pflegebedürftiger Menschen. Eine Reform darf diese tragende Säule unseres Pflegesystems nicht schwächen, sondern muss sie stärken“, erklärt Sebastian Fischer, Vorstand von wir pflegen.

Michael Rehwald, Gründer der Initiative Pflegende Angehörige Hochtaunus, ergänzt: „Ohne pflegende Angehörige würde unser Pflegesystem innerhalb kürzester Zeit zusammenbrechen. Millionen Menschen versorgen ihre Angehörigen jeden Tag zu Hause – oft unter enormem persönlichen, finanziellen und gesundheitlichen Druck. Wer jetzt bei diesen Menschen spart, spart an der falschen Stelle. Wir brauchen eine Pflegereform, die pflegende Angehörige schützt, entlastet und stärkt, statt ihnen weitere Lasten aufzubürden.“

Die Kernforderungen im Überblick

Die Petition fordert unter anderem den Erhalt der Verhinderungspflege als eigenständigen Leistungsanspruch, keine Kürzung der Rentenansprüche pflegender An- und Zugehöriger, eine differenzierte Unterstützung von Menschen mit Pflegegrad 1, die Stärkung bestehender unabhängiger Beratungsangebote, keine Verschärfung der Pflegegradeinstufung, verbindliche Maßnahmen zur Prävention und Rehabilitation, eine bessere Berücksichtigung pflegebedürftiger Kinder, ihrer Familien und von Young Carers sowie eine flexible und alltagstaugliche Ausgestaltung des geplanten Sozialraumbudgets.

Die Initiatoren betonen ausdrücklich, dass sie eine umfassende Pflegereform unterstützen. Notwendig sei jedoch ein Gesamtpaket, das Pflege einfacher, transparenter, verlässlicher und unbürokratischer macht, ohne die häusliche Versorgung durch Leistungskürzungen zu gefährden.

„Die Bundesregierung sagt, wir können uns das Pflegesystem in seiner bisherigen Form nicht mehr leisten. Tatsächlich können wir es uns aber nicht leisten, pflegende Angehörige zu schwächen. Sie erbringen jedes Jahr Pflegeleistungen im Wert von über 200 Milliarden Euro – mehr als dreimal so viel, wie die Pflegeversicherung ausgibt. Wer bei der Unterstützung pflegender Angehöriger kürzt, spart nicht. Er gefährdet die tragende Säule unseres Pflegesystems“, so Fischer.

Kurzfilm macht Schicksale sichtbar

Um den oftmals unsichtbaren Alltag, die Sorgen und die Belastungen pflegender Angehöriger sichtbar zu machen, haben die beteiligten Organisationen zusätzlich einen emotionalen Kurzfilm veröffentlicht. Der mit Unterstützung künstlicher Intelligenz produzierte Film zeigt stellvertretend Menschen, die zwischen Fürsorge, Verantwortung und Erschöpfung täglich an ihre Grenzen gelangen.

Der Kurzfilm verleiht denjenigen eine Stimme, die meist im Hintergrund wirken und deren unverzichtbarer Beitrag für die pflegerische Versorgung Deutschlands häufig als selbstverständlich angesehen wird.

Mit der Petition und dem begleitenden Video wollen die Initiatoren die Stimmen pflegender Angehöriger vor den anstehenden politischen Entscheidungen hörbar machen und die Öffentlichkeit für ihre Situation sensibilisieren.

Betroffene, Angehörige, Fachkräfte, Verbände, Organisationen sowie Unterstützerinnen und Unterstützer sind aufgerufen, die Petition zu unterzeichnen und sich für eine Pflegereform einzusetzen, die den Namen verdient: menschenwürdig, alltagsnah, verlässlich und zukunftsfest.

Menschen statt Sparzwang

Rehwald betont abschließend: „Hinter jeder Pflegestatistik stehen Menschen, Familien und persönliche Schicksale. Pflegebedürftige Menschen brauchen Verlässlichkeit, und pflegende Angehörige brauchen endlich die Unterstützung, die sie verdienen. Wer Pflege stärken will, muss diejenigen stärken, die sie jeden Tag leisten. Wir appellieren an die Verantwortlichen in Berlin, die Sorgen und Erfahrungen der Betroffenen ernst zu nehmen und eine Pflegereform auf den Weg zu bringen, die den Menschen dient – nicht den Sparzwängen.“

Die Petition ist im Internet unter https://innn.it/keine-kuerzungen abrufbar.



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