Bad Homburg (eh) – Sie erklärt seit Generationen die großen und kleinen Geheimnisse des Alltags – nun führt Deutschlands wohl bekannteste Maus mitten hinein in die Geheimnisse des Bad Homburger Stadtwaldes. Am Samstag wurde am Museum Gotisches Haus der neue Maus-NaturErlebnispfad offiziell eröffnet. Von dort aus können sich große und kleine „Wald-Detektive“ künftig auf den Weg machen, um den neuen Familienpfad zwischen Gotischem Haus und Hirschgarten zu erkunden. Auf einer Strecke von je nach gewählter Wegeführung rund zwei bis drei Kilometern laden zehn interaktive Stationen dazu ein, genau hinzuschauen, aufmerksam zu lauschen, Rätsel zu lösen und Wissenswertes über Tiere, Pflanzen und historische Besonderheiten des Stadtwaldes zu erfahren. Die Maus und ihr blauer Freund, der Elefant, weisen dabei zuverlässig den Weg.
„Mit dem Maus-NaturErlebnispfad schaffen wir einen Ort, der Natur, Bildung und Freizeit auf einzigartige Weise verbindet“, erklärte Oberbürgermeister Alexander Hetjes. Familien könnten den Stadtwald künftig spielerisch entdecken und zugleich mehr über die Geschichte Bad Homburgs erfahren.
Damit Kinder unterschiedlichen Alters auf ihre Kosten kommen, stehen zwei verschiedene Routen zur Auswahl. Jüngere Entdeckerinnen und Entdecker im Alter von etwa vier bis sechs Jahren folgen auf dem kürzeren Elefanten-Weg den kleinen blauen Wegweisern. Für Kinder ab sechs Jahren führt der umfangreichere Maus-Weg entlang der orangefarbenen Markierungen zu weiteren Stationen und Aufgaben.
An den liebevoll gestalteten Tafeln werden die Kinder zum Mitmachen und genauen Beobachten aufgefordert. Sie können Tierspuren erkennen, den Stimmen des Waldes lauschen, heimische Tiere und Pflanzen kennenlernen und historische Orte aus einem neuen Blickwinkel betrachten. Zwei Schwierigkeitsstufen sorgen dafür, dass sowohl jüngere als auch ältere Kinder passende Herausforderungen finden. Die Stationen können als zusammenhängender Rundgang, aber auch einzeln und in freier Reihenfolge besucht werden. Ein Einstieg ist sowohl am Gotischen Haus als auch am Hirschgarten möglich.
Neben Naturwissen und geschichtlichen Informationen vermitteln die Tafeln auch wichtige Waldregeln. Sie erinnern daran, auf den Wegen zu bleiben, Tiere nicht zu stören, Pflanzen zu schützen, keinen Müll zurückzulassen und im Wald rücksichtsvoll miteinander umzugehen. So verbindet der neue Pfad das Abenteuer mit einem wichtigen Anliegen: Kinder frühzeitig für den Wert und den Schutz der Natur zu sensibilisieren.
Dass ausgerechnet die Maus durch den Bad Homburger Stadtwald führt, ist keineswegs Zufall. Ihre Geschichte ist eng mit der Kurstadt und vor allem mit einer außergewöhnlichen Künstlerin verbunden: Isolde Schmitt-Menzel. Die Künstlerin, die in Bad Homburg und Texas lebte, gab ihrer Maus von Anfang an ein unverwechselbares Erscheinungsbild. Sie setzte kein zaghaftes, graues Mäuschen in die Welt, sondern eine selbstbewusste Respektsperson: stämmig auf zwei Beinen, in leuchtendes Orange gekleidet und mit verschmitztem Humor in die Welt blickend. Der Westdeutsche Rundfunk erkannte früh das große Potenzial der Figur, förderte sie und machte sie über Jahrzehnte zu einem der bekanntesten Stars des deutschen Kinderfernsehens. „Die Maus gehört nicht nur zur deutschen Fernsehgeschichte, sondern auch zu Bad Homburg“, betonte Museumsleiterin Dr. Ursula Grzechca-Mohr.
Drei der zehn Stationen werden zusätzlich von handgefertigten Holzskulpturen der Maus bereichert. Geschaffen wurden sie von dem Oberurseler Künstler Hendoc und seinem Sohn Nick Docken. Das Holz stammt aus dem Bad Homburger Kurpark: Der verwendete Baum war am 23. Dezember 2023 umgestürzt und lieferte das perfekte Material für die Maus-Skulpturen. Vater und Sohn arbeiteten die Mäuse, die in verschiedenen Entdeckerpositionen zu sehen sind, jeweils aus einem einzigen Teil des Baumstamms heraus. So erhielt das regionale Holz ein zweites Leben und wurde selbst zu einem Teil der Geschichte, die der Erlebnispfad erzählt.
Entwickelt wurde der Pfad vom Stadtmarketing der Stadt Bad Homburg gemeinsam mit dem Museum Gotisches Haus. An der Umsetzung beteiligt waren zudem der städtische Betriebshof, das Denkmal-, Grün- und Umweltamt. „Unser Ziel war es, ein touristisches Highlight und einen Erlebnispfad zu schaffen, der Kinder begeistert und gleichzeitig Wissen vermittelt“, erklärte Nina Gerlach vom Stadtmarketing. Gemeinsam mit zahlreichen Partnern sei ein Angebot entstanden, das Familien dazu einlade, Bad Homburg neu zu entdecken. Finanzielle Unterstützung erhielt die Stadt von der Katharina-Hardt-Stiftung. Mit einer Spende in Höhe von 20.000 Euro beteiligte sich die Stiftung an der Ausgestaltung der einzelnen Stationen.
Mit der Eröffnung hat Bad Homburg nun ein neues familienfreundliches Ausflugsziel, das weit mehr bietet als einen Spaziergang durch den Wald. Der Maus-NaturErlebnispfad lädt dazu ein, gemeinsam auf Entdeckungsreise zu gehen, scheinbar Bekanntes mit neuen Augen zu betrachten und hinter manchem Baum, Geräusch oder historischen Ort eine überraschende Geschichte zu finden. Und sollte dabei eine Frage offenbleiben, liegt die Antwort eigentlich auf der Hand: Frag doch mal die Maus!
Der Weg ist eröffnet: Oberbürgermeister Alexander Hetjes gab zusammen mit Bürgermeister Dr. Oliver Jedynak und vielen kleinen Helfern am Museum Gotisches Haus den neuen Maus-NaturErlebnispfad im Stadtwald für kleine und große Waldentdecker frei. Fotos: Elke Hartmann
Aus Kurpark-Holz kunstvoll herausgearbeitet: Der Oberurseler Künstler Hendoc und sein Sohn Nick Docken schufen die hölzernen Mausfiguren für den neuen Erlebnispfad.




