Mit Optimismus und KI ins Jahr 2026

Das Auditorium lauscht im Kurhaus interessiert den Reden und Darbietungen auf der großen Bühne.Foto: js

Von Jürgen Streicher

Bad Homburg. Am Samstag traf sich die „Stadtgesellschaft“ zum Neujahrsempfang im Kurhaus. Am Ende wurde Zukunftsforscher und KI-Experte Stefan Gröner deutlich. „Wir müssen Medizin komplett neu denken“, gibt er den Gästen der Stadt mit auf den Heimweg. „Medizin 3.0“ eben, mit einem besonderen Partner, der Künstlichen Intelligenz.

Die KI werde in Zukunft eine wichtige Rolle bei der Therapieplanung spielen, „es ist Wahnsinn, was da letztendlich möglich ist“, gibt sich der Mann aus Bayern optimistisch. Mit dem zentralen Thema KI bewegte sich der Neujahrsempfang am Puls der Zeit. Der Studiendekan an der Hochschule Fresenius in München machte den Vormittag zum lockeren Proseminar. Sein Vortrag mit dem Titel „KI und Robotik in der Medizin von morgen: Chancen und Herausforderungen“ in munterer Darbietung sorgte nach anfangs großem Redebedarf des Auditoriums im Kurhaus-Hörsaal für gespannte Aufmerksamkeit. Und nach exakt einer Stunde für viel Beifall für den Professor, der auch Albert Einstein und Charles Darwin in seinem lebendigen Auftritt unterbrachte. Er hat die Menschen mitgenommen in seine Vision der Zukunft der Medizin.

Schon beim Vorspiel mit Small-Talk herrschte heiter-gelassene Stimmung bei vielen Gesprächen in kleinen Gruppen vor allem im hinteren Bereich an Stehtischen. Die verdiente Aufmerksamkeit bekam das Orchester des Kaiserin-Friedrich-Gymnasiums unter Leitung von Regina Möller-Wälde nach pünktlichem Beginn zur Eröffnung des Empfangs erst bei der zweiten „Gagliarda“. Dem Professor war es egal, an der Uni lebt er mit akademischer Viertelstunde, und auch der Gastgeber nahm die Unruhe im Saal gelassen.

Das Feuer optimistischer Begeisterung hat Stadtverordnetenvorsteher Alfred Etzrodt in seiner Begrüßungsrede nicht entzünden können. Die „gute Tradition“, bei der Einladung der „Stadtgesellschaft“ innezuhalten für eine Bilanz zum Jahresende, sowohl im Blick auf die Welt als auch auf Bad Homburg, bot zu wenig Anlass zur Euphorie. Was blieb da schon an Positivem nach dem Blick auf „weltweites Elend“, auf einen „umstrittenen Präsidenten Trump“, auf die Lage in der Ukraine, Venezuela, Grönland…., auf ein Deutschland mit stolpernder Regierung, in dem „bei dümpelnder Wirtschaft von Aufbruch wenig zu sehen ist“ und die Zahl der Geburten rückgängig ist, was den Gynäkologen und langjährigen Chef der Frauenklinik in den Hochtaunuskliniken „traurig macht“? Keine schöne Bilanz in vielen Bereichen, „Deutschland muss wieder zukunftswirksam werden“, so Etzrodt.

In diesem Kontext sieht Etzrodt die Kurstadt gar „als Insel der Glückseligkeit“ und verweist auf Erfolgsprojekte wie das Baugebiet am „Hühnerstein“, die neue Kläranlage, die bald fertig ist, das 30-Millionen-Projekt Sporthalle Ober-Eschbach und vor allem auf die anstehende Verlängerung der U2-Linie und das neue Kurhaus. Beides soll mit „Transparenz und Information“ angegangen werden, digitale Bürgerbeteiligung ist ein wichtiges Stichwort. Allein bei U-Bahn und Kurhaus wird es zusammen um über 200 Millionen Euro gehen. Auch der geplante Kauf des alten Klinik-Geländes wird teuer. Etzrodt macht Hoffnung: „Homburg ist bereit für Zukunft.“

Die Hoffnung von Professor Gröner richtet sich auf die Zukunft der Medizin mit Unterstützung Künstlicher Intelligenz. Das betrifft alle im Saal mehr als die U-Bahn und das Kurhaus; Forschung und Praxis in dieser Branche und vor allem die Erkenntnisse daraus und die Umsetzung im medizinischen Alltag könnten für jeden einzelnen im Saal einmal lebenswichtig werden. Bei diesem Blick auf Leben und Sterben in der Zukunft hatte der Professor viel zu bieten. Gebannt lauscht das altersgemischte Publikum den Ausführungen des Experten mit der Gabe, so über Anwendungsfälle von KI in der praktischen Medizin, über Therapieplanung und Entscheidungsunterstützung, über Bilderzeugung bei seltenen Krankheitsbildern mit Hilfe unglaublicher Datenmengen, verbesserte medizinische Dokumentationen, OP-Berichte, Arztbriefe und Patienteninformationen in verständlicher Sprache zu dozieren, dass die Spannung stets erhalten bleibt.

Stefan Gröner, Experte für KI und Zukunftsforschung, referiert beim Neujahrsempfang der Stadt darüber, wie sich die moderne Medizin mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz verändern wird.Foto: js

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