Die Rückkehr der „Dancing Queen“

„Thank You For The Music“ und einen unterhaltsamen Abend im Kurtheater, Anni-Fried und Agnetha!Foto: nl

Von Andrea Glückert

Bad Homburg. Als sich im Bad Homburger Kurtheater die Lichter senkten und die ersten Takte erklangen, war klar, dass es an diesem Abend nicht um Nostalgie allein gehen würde. „ABBA Gold – The Concert Show“ versprach die Wiederauferstehung einer der einflussreichsten Popbands des 20. Jahrhunderts und hielt dieses Versprechen mit großer Geste, viel Glanz und erstaunlicher musikalischer Präzision.

Auf der Bühne standen die vier Ikonen, die ABBA einst zu einem weltweiten Phänomen machten, in neuem Gewand: Agnetha Fältskog, Anni-Frid Lyngstad, Benny Andersson und Björn Ulvaeus. Natürlich waren es nicht die Originalmitglieder selbst, sondern eine international besetzte Tribute-Produktion, die den Mythos der schwedischen Band lebendig werden ließ. Die beiden Sängerinnen kamen aus England, die männlichen ABBA-Doubles aus Deutschland. Gemeinsam schufen sie ein erstaunlich geschlossenes Klangbild, das sich eng an das Original anlehnte, ohne in bloße Kopie zu verfallen.

ABBA wurde Anfang der 1970er Jahre in Schweden gegründet und schrieb Popgeschichte, spätestens mit dem Sieg beim Eurovision Song Contest 1974 mit „Waterloo“. Es folgten Jahre beispiellosen Erfolgs. Die Band verband eingängige Melodien mit raffinierten Arrangements, melancholischen Untertönen und einer klaren, oft emotionalen Erzählweise. Ihre Songs waren zugleich tanzbar und von einer Tiefe, die weit über gängigen Pop hinausging. Hinzu kam eine unverwechselbare Ästhetik, die Musik, Mode und Inszenierung zu einem Gesamtkunstwerk verband.

Gerade diese Mischung erklärt, warum ABBA bis heute generationenübergreifend Menschen in die Konzertsäle zieht. Ihre Lieder sind im kollektiven Gedächtnis verankert, sie funktionieren als Erinnerungsräume und zugleich als zeitlose Popmusik. In Bad Homburg wurde deutlich, wie lebendig diese Songs geblieben sind. Die Kostüme wechselten ständig, ganz im Stil der Originalband, und zitierten die Siebzigerjahre mit Glitzer, Schlaghosen und extravaganten Schnitten. Auch im Publikum zeigte sich diese Freude am Mitspielen. Einige Konzertbesucherinnen hatten Glitzerhosen oder schimmernde Tops gewählt und machten den Abend zu einem gemeinsamen Fest.

Musikalisch überzeugte die Show besonders nach der Pause. Die Sängerinnen waren hörbar bestens eingesungen, souverän und stimmlich erstklassig. Die ausgefeilten Tanzchoreografien, teilweise überraschend und sehr präzise, verliehen der Inszenierung zusätzliche Dynamik. Eine großartige Lichtershow im Hintergrund verstärkte die Wirkung und setzte die einzelnen Songs wirkungsvoll in Szene.

Als schließlich „Dancing Queen“ erklang, als „bester Song aller Zeiten“ angekündigt, hielt es wirklich niemanden auf den Sitzen. Das Publikum feierte, sang mit und wollte die Band nicht gehen lassen. Erst nach zwei Zugaben ebbte der Applaus langsam ab.

Dieser Abend im Kurtheater zeigte eindrucksvoll, warum ABBA mehr ist als eine Erinnerung. Ihre Musik lebt weiter, getragen von einer zeitlosen Qualität, die auch Jahrzehnte nach ihrer Entstehung Menschen zusammenbringt, berührt und zum Tanzen bringt.

Silberstiefel, Satinkleid und ausgestreckte Hand. Wenn die Siebziger anklopfen, macht man besser sofort auf.Foto: nl

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