Die Weinmajestäten: die ehemalige Nahe-Weinkönigin Barbara Wollschied, Bergsträßer Gebietsweinkönigin Chiara Fischer, Felix Lüdenbach, erster Ahr-Weinkönig, Mittelrhein-Weinkönigin Janina Mehr und Rheinhessens Gebietsweinkönigin Kathrin Knierim.
Bad Homburg (eh). Es gibt Feste, die gehören zu einer Stadt wie ein guter Riesling zum Rheingau, ein Grauburgunder zum lauen Frühsommerabend. Das Bad Homburger Weinfest ist ein solches Fest. Erstmals verwandelten sich Louisenstraße, Kurhausplatz, Marktplatz und Waisenhausplatz für vier Tage in eine große Flanier-, und Genussmeile. Zwischen Rebstock und Regenschirm, zwischen Musikbühne und Marktstand, zwischen Weinglas, Kinderlachen und Einkaufstasche zeigte sich einmal mehr, warum dieses traditionsreiche Fest zu den beliebtesten Veranstaltungen im Bad Homburger Jahreskalender zählt.
Auch wenn Petrus dem Weinfest in diesem Jahr nicht durchgehend wohlgesonnen war und immer wieder kräftige Schauer über die Innenstadt schickte, tat dies der Stimmung kaum Abbruch. Sobald die Tropfen nachließen, füllten sich die Plätze wieder, wurden die Schirme zusammengeklappt, die Gläser erhoben und die Gespräche fortgesetzt. Trotz Wetterkapriolen war es ein tolles Fest.
Veranstaltet wurde 37. Bad Homburger Weinfest wie gewohnt von der Aktionsgemeinschaft Bad Homburg, die gemeinsam mit Winzern, Gastronomen, Geschäftsleuten, Musikern, Vereinen und vielen Helfern einmal mehr zeigte, wie lebendig Innenstadt sein kann. Rund 50 Stände boten Weine aus verschiedenen deutschen Anbaugebieten, italienische Tropfen, Sekt, alkoholfreie Alternativen, Cocktails sowie kulinarische Spezialitäten von herzhaft bis süß. Hessische Hot Dogs mit sieben Kräutern, Apfelweinbratwurst, kleine Snacks, klassische Festküche und feine Begleiter zum Wein sorgten dafür, dass der Slogan „Erleben, einkaufen und genießen in Bad Homburg“ an allen Ecken der Innenstadt spürbar wurde.
Bereits am Mittwochabend hatte das Format „After-Work-Beatz“ auf dem Kurhausplatz für einen musikalischen Vorgeschmack gesorgt. Erstmals begann das Weinfest in diesem Jahr schon am Feiertag Christi Himmelfahrt. Aus dem klassischen Festwochenende wurde ein verlängertes Weinerlebnis, das Familien, Freunde, Weinliebhaber, Musikfans und Stadtbummler gleichermaßen ansprach.
Pünktlich zur offiziellen Eröffnung kam die Sonne heraus – fast so, als wolle sie selbst noch einmal anstoßen. Gemeinsam eröffneten Vertreter der Aktionsgemeinschaft, Oberbürgermeister Alexander Hetjes, Bürgermeister Dr. Oliver Jedynak und weitere Gäste das Fest. Hetjes freute sich über gute Laune, Begegnungen und die besondere Atmosphäre in der Innenstadt. Auch Bürgermeister Dr. Oliver Jedynak zeigte sich optimistisch: „Ausgelassen, friedlich und optimistisch“ solle das Fest sein. „Wir machen das Beste aus dem Wetter“, sagte er – und traf damit den Ton des Wochenendes. Birgit Bellino von der Geschäftsstelle der Aktionsgemeinschaft brachte es auf den Punkt: „Das Weinfest ist ein Highlight in Bad Homburg.“ Kurdirektor Holger Reuter lobte die fröhliche und ausgelassene Stimmung des Festes und erinnerte daran, dass das Weinfest eines der ersten großen Feste im Jahreslauf sei – eines, auf das sich viele Menschen in der Stadt lange freuten. „Die Hardcore-Fans kommen bei jedem Wetter“, sagte er mit Blick auf die wetterfesten Besucher und würdigte zugleich den großen Einsatz der Aktionsgemeinschaft und die monatelange Vorbereitung.
Eine charmante Neuerung waren in diesem Jahr die „Weinimpulse“. Unter dem Motto „Probieren – Entdecken – Genießen“ konnten Besucher tiefer in die Welt der Aromen eintauchen, ohne die lockere Festatmosphäre zu verlieren. Begleitet von der rheinhessischen Weinkönigin Kathrin Knierim stellten Winzer auf dem Markt- und Waisenhausplatz ausgewählte Tropfen vor, erzählten von Rebsorten, Böden, Ausbau und Charakter ihrer Weine. Das Konzept kam gut an: Wer mochte, holte sich den jeweiligen Wein direkt am Stand, erhielt dazu eine kleine Snackbegleitung und konnte den Erläuterungen der Weinkönigin oder der Winzer lauschen.
Musikalisch hatte das Weinfest wieder einiges zu bieten. Auf mehreren Bühnen sorgten Bands und Musiker für Swing, Pop, Rock, Boogie, Rockabilly, Schlager, Latin und Jazz.
Probieren, entdecken, genießen
Die Besucher ließen sich treiben, blieben stehen, sangen mit, wippten im Takt oder suchten sich ihren Lieblingsplatz mit Blick auf Bühne, Weinstand oder Louisenstraße. Gerade diese Mischung macht den besonderen Charakter des Bad Homburger Weinfestes aus: Es ist nicht nur ein Fest der edlen Tropfen, sondern auch ein Fest der Wege, Begegnungen und kleinen Zufälle. Man trifft alte Bekannte, entdeckt neue Weine, bleibt länger als geplant und findet genau jene Atmosphäre, die eine Innenstadt lebendig macht.
Auch für Kinder und Familien wurde viel geboten. Während die Erwachsenen die Vielfalt der Reben genossen, verwandelten sich Kurhaus, Marktplatz und Waisenhausplatz in kleine Erlebnisorte für den Nachwuchs. Kinderschminken, Puppentheater und bunte Luftballontiere sorgten dafür, dass auch die jüngsten Besucher ihren Spaß hatten. Warm eingepackt und mit guter Laune machten viele Kinder aus dem wechselhaften Wochenende einfach ein Abenteuer. Besonders der Zauber-Clown Eugenio sorgte für Staunen, Lachen und leuchtende Augen. Damit zeigte das Weinfest erneut, dass es längst mehr ist als ein Treffpunkt für Weinliebhaber: Es ist ein Stadtfest für alle Generationen.
Gottesdienst unter freiem Himmel
Ein besonderer Moment war auch in diesem Jahr der ökumenische Gottesdienst am Sonntagmittag vor dem Kurhaus. Unter dem Motto „Wein, der das Herz des Menschen erfreut“ gestalteten Pfarrer Werner Meuer von der katholischen Kirche St. Marien und Pfarrer Andreas Hannemann von der evangelischen Erlöserkirche gemeinsam mit musikalischer Begleitung den Gottesdienst mitten in der Stadt. Gerade in herausfordernden Zeiten, so der Gedanke, tue es gut, Gemeinschaft und Freude zu erleben und dafür dankbar zu sein.Danach öffnete die Innenstadt zum verkaufsoffenen Sonntag ihre Türen. Viele Besucher verbanden den Weinfestbesuch mit einem Bummel durch die Geschäfte oder einer kleinen Einkaufspause zwischen Musik und Weingenuss. Für die Aktionsgemeinschaft ist genau diese Verbindung aus Handel, Gastronomie, Kultur und Begegnung ein zentrales Anliegen.
Weinquiz und gekrönte Häupter
Am Samstag sorgte das Weinquiz für Unterhaltung: Teams aus Handel, Kirche, Taunus Sparkasse und Stadt traten gegeneinander an – unterstützt von Weinmajestäten verschiedener Anbaugebiete. Im Vordergrund stand dabei weniger das Fachwissen als vielmehr der Spaß am gemeinsamen Spiel. Mehrere Weinmajestäten gaben dem Fest zusätzlichen Glanz. Sie stellten ihre Regionen und Weine vor, kamen mit Besuchern ins Gespräch und machten deutlich, wie vielfältig die deutsche Weinkultur ist. Vom Rheingau über Rheinhessen, von der Mosel bis zur Nahe: Das Bad Homburger Weinfest wurde erneut zu einer kleinen Reise durch die Weinlandschaften.
Zu den beliebten Klassikern gehörte auch in diesem Jahr das Aufwiegen in Wein. Gespannt verfolgten die Besucher, wer auf der großen Waage Platz nehmen durfte und am Ende mit entsprechend vielen edlen Tropfen nach Hause gehen konnte.
So schön und lebendig das Fest insgesamt verlief, beschäftigten einzelne Vorfälle rund um das Weinfest auch die Polizei. Diese Vorfälle trübten die Freude vieler friedlicher Besucher nicht grundsätzlich, zeigen aber, wie wichtig Aufmerksamkeit, Rücksicht und ein gutes Miteinander bei großen Festen bleiben.
Am Ende überwog dennoch klar das Bild eines Festes, das Bad Homburg zusammenbringt. Das Weinfest war ein Wochenende voller Musik, Genuss, Begegnung und Optimismus – mit Regenschirmen, Sonnenmomenten und vielen erhobenen Gläsern. Oder, wie es an diesen Tagen immer wieder zu spüren war: Ein guter Wein schmeckt am besten in guter Gesellschaft.
Gelebte Ökumene: Pfarrer Andreas Hannemann von der Erlöserkirche und Pfarrer Werner Meuer von der St. Marien freuten sich gemeinsam über den Sieg beim Weinquiz.
Auch die Jüngsten kamen bei Zauberei mit Zauber-Clown Eugenio, Puppentheater, Kinderschminken und bunten Luftballontieren auf ihre Kosten.








