Überall-Theater begeistert mit „Der zerbrochne Krug“

Bad Homburg (hw). Die Aula der Humboldtschule verwandelte sich kürzlich in einen lebendigen Gerichtssaal: Das Überall-Theater gastierte mit seiner Inszenierung von „Der zerbrochne Krug“ von Heinrich von Kleist und sorgte für einen ebenso unterhaltsamen wie ungewöhnlichen Theatermorgen. Alle Deutschkurse der Q2 besuchten die Aufführung, denn das Lustspiel gehört zur verbindlichen Pflichtlektüre der gymnasialen Oberstufe.

Im Mittelpunkt des Dramas steht eine Gerichtsverhandlung im Dorf Huisum: Marthe Rull klagt Ruprecht an, den wertvollen Krug ihrer Tochter Eve zerbrochen zu haben. Dorfrichter Adam soll den Fall aufklären, doch im Laufe der Verhandlung verdichten sich die Hinweise, dass ausgerechnet er selbst in der Nacht am Tatort war. Mit viel Wortwitz, Situationskomik und sprachlicher Raffinesse entlarvt Kleist nach und nach die Wahrheit und zeichnet zugleich ein satirisches Bild von Machtmissbrauch und menschlicher Schwäche. Die Inszenierung des Überall-Theaters setzte dabei auf Tempo, Humor und starke Publikumsbeteiligung. Kurzweilig, inhaltlich reduziert und dennoch immer wieder im Originaltext Kleists verankert, verlegte die Produktion die Handlung in ein heutiges Russland – ein Kunstgriff, der dem Stück eine zusätzliche zeitgenössische Note verlieh.

Besonders eindrucksvoll war die intensive Einbindung der Schüler: Sie agierten spontan als Tisch, Leiterhalter oder Gerichtsdiener, einzelne Lernende übernahmen sogar größere Rollen. So schlüpfte Leistungskursschüler Emre in die Rolle des Angeklagten Ruprecht, Sophie verkörperte Eve, und weitere Schülerinnen unterstützten das Ensemble auf der Bühne. Diese Interaktivität sorgte für zahlreiche Lacher und eine lebendige Atmosphäre im Saal. „Ich fand das Stück insgesamt ganz unterhaltsam. Besonders lustig war, dass einige aus dem Publikum miteinbezogen wurden, auch wenn es gegen Ende etwas übertrieben war. Ich denke, Adams Schauspieler hat seine Rolle sehr authentisch rübergebracht – wenn sogar ein bisschen zu sehr“, fasst Emre das Theatererlebnis zusammen.

Gesine Corban, Leiterin des Leistungskurses Deutsch und Organisatorin der Vorführung, zeigte sich begeistert: „Die Aufführung hat gezeigt, dass Kleists Lustspiel, das man im Unterricht hauptsächlich als Text liest, analysiert und bespricht, einfach auf die Bühne gehört und dort witzig, laut und actiongeladen sein kann!“ Auch aus der Schülerschaft gab es positive Rückmeldungen:

„Das Theater war ein sehr lustiges Erlebnis, vor allem dadurch, dass wir selber aufgefordert wurden, am Theater spontan mitzuwirken. Der Inhalt rückte durch das Interaktive etwas in den Hintergrund, was wir etwas schade fanden. Es war aber trotzdem eine sehr gute Abwechslung zum normalen Schulalltag“, lautet das Fazit von Greta und Sophie, die als Tisch zum Teil der Vorführung wurden.

Mit der Aufführung ist es dem Überall-Theater gelungen, einen im Unterricht intensiv analysierten Klassiker lebendig werden zu lassen und den Schülern eine neue, erfahrbare Perspektive auf Kleists Werk zu eröffnen. Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, wie gewinnbringend die Verbindung von Unterrichtslektüre und Theaterpraxis sein kann.

Die Schüler der Jahrgangsstufe Q2, die spontan im Stück mitgewirkt haben, und die drei hauptberuflichen Darsteller des Überall-Theaters nach der gelungenen VorstellungFoto: HUS



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