Bad Soden (Sc) – In diesem Jahr feiert die SPD Bad Soden am Taunus ihr 120-jähriges Jubiläum und hatte zu diesem Anlass am vergangenen Samstag zur Jubiläumsfeier in das Kulturzentrum Badehaus im Alten Kurpark eingeladen.
Dr. Martina Helmerich und Martin Krapf hatten die Moderation der Jubiläumsfeier übernommen und konnten sich über ein „volles Haus“ freuen – das Interesse war groß und nicht nur jeder Sitzplatz war besetzt, sondern zahlreiche Gäste begnügten sich darüber hinaus mit einem Stehplatz, um dabei sein zu können. Darüber hinaus konnten sich die Gastgeber über zahlreiche hochrangige Gäste freuen, die der Einladung zur Jubiläumsfeier gefolgt waren – darunter Heike Hofmann, Hessische Ministerin für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales (HMSI), Nancy Faeser (MdB), Helmut Witt (Stadtverordnetenvorsteher) und Bürgermeister Dr. Frank Blasch. Ebenfalls anwesend waren die Vertreter der Kirchen, der Bad Sodener Vereine sowie der politischen Parteien. Besonders freuten sich die Gastgeber über die Anwesenheit der Bad Sodener Ehrenbürgerin Dr. Dietmut Thilenius und des Bad Sodener Ehrenbürgers Paul Schäfer.
„Prägende politische Kraft“
Bürgermeister Dr. Frank Blasch hatte die Ehre, die ersten Grußworte des Nachmittags an die Festgesellschaft richten zu dürfen. „Es ist nicht ganz üblich, als CDU-Bürgermeister auf der Jubiläumsveranstaltung der SPD zu sprechen“, so Dr. Blasch mit einem Lächeln – aber er sei wirklich gerne gekommen. Die SPD Bad Soden, so stellte er fest, sei eine prägende politische Kraft in der Stadt. Zwar sei Bad Soden heute eine „schwarze Hochburg“, aber vor 1977 haben zahlreiche SPD-Bürgermeister die Amtsgeschäfte im Ort geführt. In den Jahren 2011 bis 2021 habe man erfolgreich in der Koalition zusammengearbeitet und zahlreiche Weichen für die Zukunft gemeinsam gestellt – dazu zählen der Bau der neuen Feuerwache und des ZOB sowie der Erhalt des Freibades. Auch abseits der Politik würdigte der Bürgermeister die SPD als einen wichtigen gesellschaftlichen Faktor in Bad Soden, veranstalte sie doch u.a. das beliebte Kinderfest und den Flohmarkt. Für die Zukunft wünscht sich Dr. Frank Blasch, dass die politischen Kräfte der Mitte auch weiterhin die Geschicke der Stadt gemeinsam gestalten und die SPD eine prägende Kraft bleibt – zum Wohle aller Bürgerinnen und Bürger.
„Wurzeln der SPD in Bad Soden“
Ministerin Heike Hofmann stellte eingangs ihrer Ansprache die Frage: „Warum 120 Jahre SPD in Bad Soden?“ und blickte damit auf die Ursprünge der sozialpolitischen Politik in der Stadt. „Vor 120 Jahren regierte in einer Zeit des Wandels und des Aufbruchs noch Kaiser Wilhelm II“, so Hofmann. Die Gesellschaft sei von großen sozialen Unterschieden geprägt gewesen – die arbeitende Bevölkerung habe damals ein karges Leben mit 10-12 Stunden schwerer körperlicher Anstrengung geführt, und auch Kinderarbeit sei nichts Ungewöhnliches gewesen. Die SPD, die sich in diesen Zeiten der sozialen Ungleichheit gründete, habe Gerechtigkeit gefordert und diese auch nachhaltig angestrebt. Im Jahr 1906 sei der SPD-Ortsverein mit stolzen 41 Gründungsmitgliedern entstanden und sah damit einer wechselvollen Geschichte entgegen. Zahlreiche Mitglieder haben auch während der NS-Zeit ihre Überzeugung nicht aufgegeben und wirkten nach dem 2. Weltkrieg weiter in Bad Soden. Die SPD-Mitglieder Johann Malinowski, Fritz Lagemann und Heinrich Dosse wurden zudem von der AG Stolpersteine, entsprechend ihres sozialpolitischen Engagements, mit einem Stolperstein geehrt. Auch heute, so bekräftigte Ministerin Heike Hofmann, stehe die SPD klar und geschlossen „im Kampf gegen Rechts“.
Die SPD Bad Soden habe immer überzeugt soziale Projekte initiiert und verfolgt, dazu gehöre u.a. der kostenlose Bibliothekszugang für Grundschulkinder. Gerade in krisenhaften und turbulenten Zeiten müsse die SPD eine starke Rolle einnehmen, den sozialen Zusammenhalt stärken und die Schwachen unterstützen, so Hofmann.
„Die Partei lebt von den Menschen“
Nancy Faeser, Mitglied des Bundestages und ehemalige deutsche Innenministerin, richtete ebenfalls Grußworte an die anwesenden Gäste. Die Partei, so Faeser, lebe von den Menschen, weshalb sie an diesem Nachmittag ganz besonders den Genossinnen und Genossen danken wollte, die das Herz des Ortsverbandes seien. In Gemeinden mit hohen Einkommen, so Faeser, habe es die SPD grundsätzlich schwer – zwar hole man dort „wenig Prozente“, entfalte aber – wie in Bad Soden – eine hohe Wirkung. Sie bedauerte ganz besonders, dass Kommunalpolitikerinnen und -politiker heute größeren Anfeindungen und auch Beschimpfungen, meist in den sozialen Netzwerken, ausgesetzt seien. Gerade Kommunalpolitiker seien die Menschen an der Basis, die sich für die Gesellschaft einsetzen und deren Engagement nicht hoch genug gewürdigt werden könne. Ihre besondere Erinnerung galt dem Neuenhainer „Urgestein“ Karl Thumser, der sich 34 Jahre lang in der Stadtverordnetenversammlung sowie im Kreistag engagiert habe und als „heimlicher Bürgermeister von Neuenhain“ bekannt war. Darüber hinaus, und das sei das Besondere an Thumser gewesen, habe er nie ein politisches Amt angestrebt – dieses sei gelebte Solidarität gewesen, der alle Hochachtung gebühre.
„Die Welt ist rauer geworden“
Als Gast ließ es sich auch Dr. Philipp Neuhaus nicht nehmen, Grußworte an die Gäste zu richten – auch wenn aus seiner Sicht „bereits alles gesagt war, nur nicht von jedem“, was ihm mehr als einen freundlichen Lacher bescherte. Als Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion teilte auch er die Sorge, dass das Leben für die Kommunalpolitiker rauer geworden sei – die sozialen Medien hätten einen erheblichen Anteil daran. Unterstützung gebe die von Nancy Faeser initiierte Anlaufstelle „Stark im Amt“, die sich an Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker (Landräte, Bürgermeister, ehrenamtliche Engagierte) richtet, die von Hass, Hetze, Bedrohungen oder tätlichen Angriffen betroffen sind.
„120 Jahre SPD – Die Chronik“
Anlässlich des 120jährigen Bestehens der SPD Bad Soden ist eine neue Chronik erschienen, die am Samstag erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Erarbeitet hat sie federführend Achim Reis, der auf der Jubiläumsveranstaltung nicht nur kenntnisreich, sondern auch charmant und humorvoll über die Inhalte berichtete. In unzähligen Stunden hat Reis eine lebendige und ausführliche Chronik erstellt, die einen Großteil der Bad Sodener Parteigeschichte widerspiegelt. Seine Aufteilung in „Geschichte“ (von 1919 bis heute), „Geschichten“ (u.a. Kur in Bad Soden, der legendäre „Holzhammer“) und „Gestalter“ (Personen und Persönlichkeiten) macht neugierig und verspricht ein informatives und lehrreiches Lesevergnügen zu Begebenheiten, Personen und politischen Skandälchen, die die SPD in den vergangenen 120 Jahren geprägt haben.
Nach so zahlreichen und interessanten Redebeiträgen war es schließlich Zeit für ein bisschen „Party“, denn ein 120-jähriges Jubiläum möchte natürlich auch gefeiert werden. So waren die Gäste im Anschluss eingeladen, bei guten Gesprächen im Badehaus zu verweilen und ein Gläschen Sekt oder einen Punsch zu genießen. Für den Kaffeedurst gab es zudem eine Café-Ecke mit umfangreichem Kuchenbuffet, weshalb eigentlich keine Wünsche offenblieben und einem gemütlichen Miteinander nichts mehr im Wege stand.
Eintragung in das Goldene Buch der Stadt Bad Soden
Anlässlich der Jubiläumsfeier zum 120. Geburtstag der SPD Bad Soden trug sich Heike Hofmann, Hessische Ministerin für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales (HMSI), bereits im Vorfeld der Feier in das Goldene Buch der Stadt Bad Soden ein. Im Gespräch berichtete sie bei diesem Anlass auch über das Projekt „Housing First“, das ihr als Ministerin, aber auch als Mensch, besonders am Herzen liegt. „Housing First“ ist ein soziales Projekt, das wohnungslosen Menschen dauerhaften Zugang zu Wohnraum ohne Vorbedingungen ermöglichen soll. Diesen Ansatz verfolgt die Hessische Landesregierung mit ihrer Landesstrategie zur Prävention und Bekämpfung von Wohnungs- und Obdachlosigkeit. Im Mittelpunkt steht dabei, dass Projekte und Maßnahmen, die diesen Ansatz verfolgen, gezielt gefördert werden.
Im Vorfeld der Jubiläumsfeier trug sich Heike Hofmann, Hessische Ministerin für Arbeit, Integration, Jugend und Soziales, in das Goldene Buch der Stadt Bad Soden ein. (Nancy Faeser, Helmut Witt, Heike Hofmann und Dr. Frank Blasch) (v.l.).Foto: Scholl


