Bad Soden (Sc) – Bereits am Tag des ersten Spatenstichs vor fast genau einem Jahr hatten die Verantwortlichen darauf hingewiesen, dass es im Zuge der Sanierungs- und Umbauarbeiten vielleicht noch die eine oder andere Überraschung geben werde. Nun hatte es lange gedauert, bis die Pressevertreter erstmals Zugang zu der Medico Palais-Baustelle bekamen, denn in den alten Böden fanden sich Asbest-Bestandteile, was einen Besuch in der Vergangenheit nicht unbedingt sicherer machte.
Das zukünftige Rathaus wurde, daran sei noch einmal erinnert, im Jahr 1912 ursprünglich als „Burgberg-Inhalatorium“ gebaut. Später kaufte es die Stadt, um es in ein Ärztehaus umzuwandeln und an verschiedene Arztpraxen zu vermieten. Nach jahrelangem Leerstand wurde der Beschluss gefällt, das Gebäude umfassend zu sanieren und so umzubauen, dass es in 2-3 Jahren als neues Rathaus die Stadtverwaltung von Bad Soden beherbergen wird. Bis jetzt, so war den Ausführungen des Architekten zu entnehmen, liegen die Baumaßnahmen und Kosten des ca. 24 Millionen schweren städtischen Projektes im Plan. In der vergangenen Woche war es nun endlich so weit – ein erster Besichtigungstermin auf der Rathaus-Baustelle war möglich und es gab in der Tat Interessantes zu besichtigen.
Eingang zukünftig im Erdgeschoss
Thomas Eßmann, als Architekt für die Planung und Ausführung der Sanierungs- und Umbauarbeiten federführend verantwortlich, wies gleich zu Beginn auf das veränderte Äußere des Medico Palais hin, denn der ehemals nachträglich errichtete Vorbau ist mittlerweile abgerissen worden, so dass die historische Geometrie sowie der ursprüngliche Baukörper des Hauses wieder sichtbar sind. Der Zugang zum Rathaus wird zukünftig allerdings im Erdgeschoss liegen und nicht mehr – wie früher – im Obergeschoss. Die geschwungenen Seitentreppen auf der Frontseite werden jedoch erhalten bleiben. Über die Farbgebung ist so viel bekannt, dass der Anstrich in einem „hellen Gelbton“ gehalten sein wird. Dies entspricht der originalen Farbgebung – nur, dass man sich mit dem Denkmalschutz auf einen etwas weniger intensiven (sprich: „knalligen“) Gelbton einigen konnte.
Anbau
Die zweite Station auf der Besichtigungstour führte auf die Rückseite des Gebäudes, wo auf einer ehemaligen Kellerdecke der dringend notwendige, zweistöckige Anbau in „Holz-Beton“-Bauweise entsteht, ohne den dem zukünftigen Rathaus dringend benötigte Sozial- und Sitzungsräume fehlen würden. Aktuell laufen hier Vorarbeiten, denn der bestehende Hang musste ausgekoffert und zunächst gesichert werden. Hier wurden ca. 80 Bohrpfähle errichtet, von denen aus jeweils ein ca. 15 Meter langer „Anker“ waagerecht ins Hanggelände reicht. Die Konstruktion ist aufwendig, aber notwendig, um das Hanggelände nachhaltig absichern zu können. Der Anbau wird nach Fertigstellung mit einem verglasten Übergang an das Hauptgebäude angeschlossen.
Traumhaftes Atrium
Wie schön das Ambiente des sanierten Gebäudes einmal sein wird, lässt sich schon beim Betreten des Erdgeschosses erahnen. Durch einen kurzen Gang betreten Besucher ein Atrium, das nicht nur durch seine wunderbare runde Bauweise besticht, sondern nach oben den Blick in die Lichtkuppel des zukünftigen Rathauses freigibt. Die Halle ist mehr als imposant, beherbergte sie doch zu Zeiten des „Burgberg-Inhalatoriums“ die Quelle und damit die zentrale Wasserfontaine, die die Grundlage des Inhalatoriums bildete. Früher standen die Menschen auf der Balustrade im 1. Obergeschoss oder nutzten eine der rund um die Fontaine angesiedelten Inhalationskabinen, um die feuchte Luft zu inhalieren.
Die Quelle ist heute allerdings verschlossen und eine Fontaine wird es im neuen Rathaus auch nicht geben, dafür werden im Erdgeschoss – dort, wo die Inhalationskabinen früher waren – kleinere Büros für Bürgergespräche geschaffen.
Das 1. Obergeschoss wird durch die imposante Balustrade (Baujahr 1912) definiert, die sich im Zentrum des Stockwerkes befindet und den Blick in das darunterliegende Erdgeschoss freigibt. Aktuell ist die Balustrade verhüllt, aber auch sie wird – soweit das möglich ist – in Absprache mit der Denkmalschutzbehörde in ihrer alten Form renoviert werden. An den Außenseiten entstehen Verwaltungsbüros. Aktuell ist die spätere Raumaufteilung noch nicht sichtbar – vielmehr präsentiert sich eine räumliche Weite, die in ihrer jetzigen Form sicher auch erhaltenswert wäre. Thomas Eßmann erzählt auch hier von einigen Herausforderungen, die es zu meistern gibt. Da wären zunächst die Fenster, die in ihrer Originalität erhalten werden sollen, aber natürlich nicht den aktuellen Vorgaben zur Wärme- und Schalldämmung entsprechen. Hier hat man die Idee, die alten Fenster aufzuarbeiten und damit die äußere Fensterebene zu erhalten, jedoch eine zusätzliche Verglasung an der Innenseite der Fensternische einzusetzen, um die energetischen Anforderungen zu erfüllen – öffnen lassen sollen sich die Fenster trotzdem! Eine weitere Herausforderung sind die Unterzüge an den Decken, die im Einzelnen auf ihre Statik überprüft und ggf. verstärkt/nachgearbeitet werden müssen.
Lichtkuppel mit Gemälde
Beim Blick in die Kuppel des Gebäudes fällt auf, dass an manchen Stellen Gemälde sichtbar werden. Hier wurden im Zuge der Renovierungsarbeiten tatsächlich alte Gemälde entdeckt, die nun freigelegt und anschließend – wo notwendig – minimal ergänzt werden sollen. Wunsch der Planer ist es, dass die „Lebenszeit“ dieser Gemälde, die auch aus dem Baujahr 1912 stammen dürften, sichtbar bleibt.
Die Kuppel selbst besteht aus zwei übereinandergesetzten „Glaskuppeln“. Die untere Glaskuppel ist bauzeitlich (1912), die darüber liegende „Pyramidenkuppel“ wurde in den 90er Jahren errichtet. Die Konstruktion, so die Ausführungen, werden erhalten, jedoch müssen die Verglasungen im Zuge der Sanierungsarbeiten erneuert werden.
Balkon mit Aussicht
Der letzte Weg führte anschließend auf den Balkon des Gebäudes, der ebenfalls in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt wird. Dazu wurden bereits an den Gebäudeecken zum Balkon eingezogene Wände entfernt, um den ursprünglich vorhandenen überdachten Balkonbereich wieder herzustellen. Die Seitenbereiche werden mit Pflanzen begrünt werden und der Boden bekommt einen neuen Belag. Insgesamt entsteht ein harmonisches Gesamtbild, so dass der Balkon später, so Bürgermeister Dr. Frank Blasch, für Empfänge und Feierlichkeiten genutzt werden könne.
Die Fertigstellung des neuen Rathauses ist für das Jahr 2028 geplant – so denn im weiteren Verlauf alles wie geplant verlaufen wird. Aktuell sind noch 40 bis 50 Gewerke auszuführen und fertigzustellen.
Eine besonders schöne Information hatte der Bürgermeister dann aber doch noch: Die Stadt hat sich mit der Denkmalschutzbehörde darauf geeinigt, dass an der Fassade künftig der Schriftzug „Rathaus“ stehen darf – genau dort, wo früher „Inhalatorium“ zu lesen war. So schließt sich der Kreis, und aus dem früheren „Inhalatorium“ und dem späteren „Medico Palais“ wird in Zukunft das neue Bad Sodener „Rathaus“ werden!
Bei den Renovierungsarbeiten wurden in der Kuppel bauzeitliche Gemälde entdeckt, die nun freigelegt und erhalten werden sollen.







