Anja Hantelmanns Körper.Befragungen: Ein philosophisches Gespräch inmitten der Kunst

Anja Hantelmann im „philosophischen“ Gespräch.Fotos: Schaller

Bad Soden (es) – Mit 80 interessierten Kunstfreundinnen und -freunden konnte Anja Hantelmann am 1. Mai ihre Ausstellung in der Stadtgalerie eröffnen. Es erfolgte eine Begrüßung durch Bürgermeister Dr. Frank Blasch. Karoline Sarbia, Kunsthistorikerin mit der beruflichen Zusatzqualifikation eines Mastertitels of Arts für bildnerisches Gestalten und Therapie, erläuterte in ihrer Einführung die besondere Vorgehensweise der Bildschaffenden und deren Körperwahrnehmung.

In der Folge der Ausstellung, vom 2. bis 24. Mai, lud Frau Hantelmann zu Werkgesprächen ein, um das Körperbewusstsein der Teilnehmenden zu stärken.

So erfolgte an drei Terminen die Möglichkeit, sich im Rahmen der Gesprächsreihe „Philosophie am Kaffeetisch“ Gedanken zur „Phänomenologie des Körpers“ zu machen, basierend auf den wissenschaftlichen Zugängen des Philosophen Edmund Husserl. Er fordert in seinen Studien eine „Rückkehr zur unmittelbaren Erfahrung, weg von theoretischen Annahmen zur Notwendigkeit radikaler Selbstreflexion“.

Dieser „radikalen Selbstreflexion“ sind die Besucher in der Ausstellung von Anna Hantelmann unmittelbar ausgesetzt. Die Präsenz ihres Körpers ist in allen Bildern zu erfassen. Der Fokus liegt darauf, den eigenen Körper zu ergründen, das eigene Körperempfinden wahrzunehmen: Wo ist etwas Festes zu spüren, wo lässt sich Weiches ertasten? Im Gegensatz zum Spiegelbild, das einen äußeren Gesamteindruck des Körpers vermittelt, geht das Ertasten tiefer, ist das Erforschen von Körper und Seele unmittelbarer: „Was ist in diesem Moment?“

Der Künstlerin geht es nicht um Sexualität, ein Gedanke, der bei oberflächlicher Betrachtung der Bilder entstehen könnte. Ihre Nacktheit ist ein Forschungsszenario, dem hunderte von Bildern mit Schwarzlicht-Technik zugrunde liegen. Allein, in einem schwarzdekorierten Raum, stellt sie die Kamera auf ihren Körper ein, dreht sich, bewegt sich, spürt sich im Raum, der scheinbar keine Grenzen hergibt. „Der Mensch wirkt in einem Raum, der Raum wirkt auf den Menschen“, diese Eingrenzung will sie auflösen. So kommt in der Ausstellung eine Körper-Bild-Trilogie in Körpergröße fast schwebend daher. Es sind Fotografien, die sie aus den Videoaufnahmen herauslöst und bearbeitet hat.

Im Gegensatz dazu wirken die weiteren Arbeiten, die in der historischen Maltechnik von Eitempera gemalt sind, konkreter. Auffallend ein Bild, wo eine Liegende eigene Körperteile aus Gips geformt betrachtet: Bin ich das, die Summe meiner Körperteile?

„Wind und Wasser, was macht das Element mit mir?“ – zwei weitere Darstellungen, die zum Fragen anregen.

Hände spielen eine größere Rolle in den Gemälden als Gesichter. Sie sind die Werkzeuge, welche die eigene Körpererfassung erst wirklich ermöglichen. Dazu ist eine minutenlange, intensive Studie in einer Videoinstallation zu sehen. Akribisch ertastet die Künstlerin ihre Nase und deren Umgebung. Ebenso interessant das Video, das ihre Arme und Hände auf schwarzem Grund zeigt. Ihr Körper ist nicht zu sehen, der Werdegang der Hände „zeigt“ jedoch das Körperteil, das gerade erforscht wird. Es entsteht eine „Ahnung des Spürens“, so Frau Hantelmann.

Die Fragen der am philosophischen Kaffeetisch Teilnehmenden an diesem Samstagnachmittag – der selbst gebackene Zitronenkuchen war ein Gedicht – beschäftigten sich mit der Selbst- und Fremdwahrnehmung. Durch wen und was verändert sie sich? „Ich bin den Bewertungen solange ausgeliefert, solange ich nicht mich selbst erforscht habe und ein eigenes Bild von mir in mir erstelle“, lautet die Antwort der Künstlerin.

Die sehens- und erlebenswerte Ausstellung ist noch bis zum 24. Mai im Badehaus zu sehen. Die Künstlerin ist meistens anwesend und immer an einem Gespräch interessiert.

Ein feiner, hochwertiger Katalog zur Ausstellung zeigt alle ausgestellten Bilder. Ein Dialoggespräch zwischen der Künstlerin Anja Hantelmann und der Kunsthistorikerin Sarbia ist ebenfalls abgedruckt und hilft sehr, die Intension des Schaffens der Künstlerin verständlich zu machen. Der Katalog ist für 15 Euro vor Ort zu erwerben.

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