Bad Soden (nd) – Für Kunstinteressierte hat das KunstKabinett im Badehaus derzeit wieder eine besondere Ausstellung zu bieten. Der Künstler Ali Tarlan zeigt dort 13 seiner Werke aus den Jahren 2023 bis 2025. Die Komposition „Colorale Annäherungen eines Farbdirigenten“ begeistert durch eine Symbiose von Romantik und Surrealismus mit klaren Charakteristika von Pop Art und Comic Art. Die Werke fordern dem Beobachter mehr ab als ein kurzweiliges Betrachten.
Der Künstler stellt sich vor
Ali Tarlan wurde in Istanbul geboren und wuchs in Hannover auf. Er studierte Malerei und Kunstgeschichte, unter anderem an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste – Städelschule in Frankfurt und der Wiesbadener Freien Kunstschule (wfk). Heute lebt und arbeitet Ali Tarlan in Königstein und ist Mitglied der Bad Sodener Kunstwerkstatt. Seine Inspiration findet er in Werken des Impressionisten Max Liebermann (1847 bis 1935) oder der Grafiker und Bildhauer Max Ernst (1891 bis 1976) und Max Beckmann (1884 bis 1950). Auch Filme wie „Der amerikanische Freund“ von Wim Wenders oder Fernsehserien, darunter Star Trek, haben Einfluss auf Tarlans Arbeiten.
Gut besuchte Vernissage
Die Vernissage am vergangenen Samstagnachmittag war trotz ungemütlichen Wetters sehr gut besucht. Begrüßt wurden die Gäste von Bürgermeister Dr. Frank Blasch, der Vorstandsvorsitzenden der Sodener Kunstwerkstatt, Monica Bader-Deutschmann, und dem Künstler persönlich. „Was kann man Schöneres machen, als bei zwei Grad Celsius und Schneeregen ein bisschen Kunst anzuschauen?“, fragte Dr. Frank Blasch in die Runde. Monica Bader-Deutschmann betonte das handwerkliche Können des Künstlers sowie dessen Fachkenntnisse in Kunstgeschichte. „Nehmen Sie sich einfach Zeit, diese Werke zu betrachten – jedes Werk erzählt eine ganz große Geschichte“, riet sie den Besuchern.
Tarlan beschrieb, dass er sich seit Jahren frage, was ein gutes Bild ausmache. Ein gutes Bild sei auch immer ein dekoratives Bild, aber nicht jedes dekorative Bild sei ein gutes. Auf die Frage gebe es keine klare Antwort. „Die Bilder sind manchmal merkwürdig und sonderbar; sie sind diskussionswürdig und damit ausstellungswürdig“, erklärte Ali Tarlan seine Werke. Alle Bilder seien absichtslos, aber nicht sinnlos, denn ein Künstler sei dem Sinn verpflichtet.
„Letzte Nachrichten aus dem Kaffeesatz“
So überraschend und tiefgründig wie die Werke sind auch ihre Titel. Auf dem Gemälde „Letzte Nachrichten aus dem Kaffeesatz“ ist im Hintergrund eine Frau zu sehen. Vor ihr schweben zwei von ihr abgewandte Soldaten in Uniformen, wie sie in den 1920er Jahren im Osmanischen Reich getragen wurden. Auf das Osmanische Reich bezieht sich das Lesen aus dem Kaffeesatz, was dort üblich war. In ihren Händen halten die Soldaten aufblasbare, rosa Gewehre. An ihren Gürteln tragen sie bunte, moderne Kaugummipackungen. Der Künstler bricht bewusst mit dem gleichmäßigen Fluss der Zeit, seine Bilder entwerfen parallele Zeit- und Wahrnehmungsebenen. „Ich versuche, Eindeutigkeit zu vermeiden“, so Ali Tarlan.
„Die Wahrheit ist Belanglos“
Jedem Betrachter dürften bei dem Werk „Die Wahrheit ist Belanglos“ unterschiedliche Dinge zuerst ins Auge fallen. Zwei Männer in Uniformen beugen sich über ein fremdartiges Wesen. Das Wesen könnte außerirdisch sein. Einer der Uniformierten hält eine antiquierte Kleinbildkamera in der Hand, während eine Frau mit einem modernen Handy daneben Selfies macht. Zwei Katzen mit luchsartigen Pinselohren versuchen, die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich zu ziehen. Im Hintergrund beobachten zwei bedrohlich wirkende „Baummonster“ die Szenerie. Bei näherem Betrachten fallen noch viele weitere Details auf. Das ist es, was die Werke von Ali Tarlan ausmacht. Sie sind im Vorbeigehen nicht zu erfassen. Erst der genaue Blick offenbart die vielen Geheimnisse, die auf den Gemälden – allesamt Öl auf Leinwand – versteckt sind.
Wer neugierig auf diese außergewöhnlichen Kunstobjekte geworden ist, kann die Ausstellung bis Sonntag, den 12. April, jeweils mittwochs, samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr im KunstKabinett des Badehauses im Alten Kurpark besuchen. Zusätzlich ist das KunstKabinett am Karfreitag von 15 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.



