Bad Soden (rb) – Am vergangenen Samstag waren interessierte Mädchen und Jungen von 10 bis 13 Uhr in der Stadtbücherei eingeladen, am ersten Manga-Workshop Bad Sodens teilzunehmen. Obwohl der Kurs für 10 bis 14-Jährige angedacht war, stieß er auch bei einigen älteren Teilnehmern auf Interesse. Kaum verwunderlich, denn die japanischen Comics liegen bei Jugendlichen derzeit voll im Trend. Mit der Anschaffung vieler neuer Manga-Serien und dem Workshop mit Christina Plaka möchte die Stadtbücherei ihr Angebot für Kinder und Jugendliche verbessern.
Was ist ein Manga?
Die Comicform des Manga stammt ursprünglich aus Japan und bedeutet auf japanisch komisches Bild. Japanische Mangas werden meist in Magazinen oder im Taschenbuchformat veröffentlicht und dabei häufig ohne Farbe gedruckt, um die Produktion schneller und kostengünstiger zu gestalten. Statt auf dem Text liegt der Fokus auf der Bildsprache, weshalb die Panels (Einzelbilder in einer Comicsequenz) häufig in größeren Formaten gezeichnet werden, um die Emotionen der Charaktere besser zu vermitteln. Passend dazu standen Gesichter und Emotionen im Mittelpunkt des Manga-Workshops am Samstag.
Die bekannteste Mangaka Deutschlands
Geleitet wurde der Kurs von Christina Plaka, einer der bekanntesten Schöpferinnen der japanischen Bildgeschichten in Deutschland. Die Offenbacher Künstlerin ist hauptberufliche Mangaka (Person die Mangas zeichnet) und wurde schon in jungen Jahren von Superheldencomics und animierten Serien inspiriert. „Ich war schon immer ein großer Fan von Comics und Zeichentrickfilmen und schon im Grundschulalter habe ich spielerisch angefangen eigene Geschichten zu entwerfen“, erzählt Plaka. Mit 11 Jahren machte sie bereits ihre ersten Erfahrungen mit japanischen Animationsserien und wurde vom 1996 in Deutschland erschienenen Dragonball-Manga schließlich motiviert, ihre eigene Karriere als Manga-Zeichnerin zu beginnen. 2002 gelang ihr im Manga-Magazin Daisuki des Carlsen Verlags der Durchbruch mit ihrem erfolgreichen Manga „Prussian Blue“. Als sie ihr in Frankfurt begonnenes Japanologie-Studium mit dem Master in Manga Studies an der Kyoto Seika Universität in Japan 2012 vollendete, hatte sie bereits ein halbes Dutzend Mangas in Deutschland veröffentlicht. 2016 gründete sie ihre eigene Manga Zeichenschule „i am mangaka!“ in Offenbach und hat seitdem mit ihren Workshops in verschiedenen europäischen Ländern bereits vielen Schülern erfolgreich das Manga-Zeichen beigebracht. Weitere Informationen gibt es unter: iammangaka.com
Emotion aus simplen Formen
Nach einigen Aufwärmübungen für das Handgelenk lernten die angehenden Mangakas, dass man bereits mit einfachen Formen vieles anstellen kann. Dabei ging es zunächst um verschiedene Techniken, gleichmäßige Kreise und Ovale aus dem Handgelenk zu zeichnen. Anhand einer Skizze zeigte sie anschließend, wie aus einigen runden Formen bereits ein Gesicht entstehen kann. Es gehe darum „dynamisch“ zu zeichnen, so Plaka. Grade als Anfänger sei es entscheidend, den Stift erst mal nicht zu fest aufzudrücken und seine Bilder zunächst mit vielen weichen Linien zu skizzieren. Das helfe beispielsweise auch beim Zeichnen von Haarspitzen. Als bevorzugtes Medium der Emotionen in Mangas, seien die Augen der Charaktere der wichtigste Aspekt des Bildes, erklärt Plaka. Deshalb ging es anschließend darum, welchen Effekt die Größe und Positionierung der Augen auf das Alter und die vermittelten Emotionen des Charakters haben. Mit ansteckender Begeisterung brachte Plaka den eifrigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern während des dreistündigen Workshops so die Grundlagen der Manga-Zeichentechnik bei und motivierte den einen oder die andere vielleicht dazu, auch in Zukunft häufiger zu Stift und Zeichenblock zu greifen.
