Elsa Nossbaum Stolperstein in der Talstraße erinnert an Elsa Nossbaum

Michaela Autor, Bürgermeister Dr. Frank Blasch, Prof. Dr. Rüdiger Brause, Stadtverordnetenvorsteher Helmut Witt, Elisabeth Hammerbeck, Friederike Wiertula, Ingelore Fischer, Nicole Brause, Dr. Dietmut Thilenius, Gisela Rücker (von links); vorne: Ingo Heise und Dick Byer Fotos: Scholl

Geboren am 21. April 1892 als viertes Kind des jüdischen Ehepaares Betti und Hermann Jakob Nossbaum, zog Elsa Nossbaum im Mai 1927 aus Zwickau nach Bad Soden, wo ihr Bruder Siegfried als Arzt praktizierte. Hier wohnte sie in der Talstraße 2 (heute Talstraße 16) im Personalhaus der benachbarten Israelitischen Kuranstalt, wo sie als Hausgehilfin arbeitete. Am 12. September 1938 flüchtete Elsa, unterstützt von ihrem Bruder, nach Palästina – rechtzeitig vor dem Novemberpogrom, bei dem die Israelitische Kuranstalt den Angriffen der Nazis zum Opfer fiel und bis auf die Grundmauern niederbrannte. Elsa wurde am 8. Juli 1941 in Israel eingebürgert – ihr letzter freiwillig gewählter Wohnort in Deutschland war die Talstraße 2 (heute Talstraße 16) in Bad Soden, wo nun seit vergangener Woche der zu ihren Ehren gelegte Stolperstein an ihr Leben in Bad Soden erinnern soll.

Bad Soden (Sc) – In der vergangenen Woche konnten sich die Mitglieder der AG Stolpersteine – gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Bad Soden – über die Verlegung eines weiteren Stolpersteins in Gedenken an die Bad Sodener Bürgerin Elsa Nossbaum freuen. Begleitet wurde die Stolpersteinverlegung von einer kleinen Feierstunde mit musikalischem Rahmen, zu der mehr als 30 interessierte Bürgerinnen und Bürger sowie Vertreterinnen und Vertreter der städtischen Gremien in die Talstraße 16 gekommen waren.

Der Mensch im Mittelpunkt

„Die Verlegung der Stolpersteine ist für uns in Bad Soden zu einer Normalität geworden – es darf jedoch niemals zur Routine werden!“ – mit diesen mahnenden Worten eröffnete Bürgermeister Dr. Frank Blasch die Feierstunde anlässlich der Stolpersteinverlegung für Elsa Nossbaum.

Der Mensch, so Dr. Blasch, müsse immer im Zentrum des Gedenkens stehen, was auch als Kontrapunkt zur entmenschlichten Massenvernichtung jüdischen Lebens durch die Nazis zu verstehen sei. Gerade im 75. Jubiläumsjahr des Grundgesetzes seien die Stolpersteine als mahnende Erinnerung und als gesellschaftliche Antwort auf die Gräuel des Nationalsozialismus notwendig. In einer Zeit, wo durchaus berechtigte Kritik an den politischen Entscheidungen des Staates Israel teilweise offen in Antisemitismus umschlägt, gelte es, ein Zeichen zu setzen: gegen die pauschale Verurteilung von Religionsgemeinschaften und Volksgruppen – für die Verständigung und das Gespräch miteinander.

30. Stolpersteinverlegung

„Niemand möchte stolpern und wir wollen auch niemandem Steine in den Weg legen“, merkte Elisabeth Hammerbeck als Vertreterin der AG Stolpersteine in ihrer Ansprache an. „Aber wir möchten, dass die Menschen an den Stolpersteinen ihren Weg unterbrechen und derjenigen Mitbürgerinnen und Mitbürger gedenken, die in Bad Soden wohnten und arbeiteten und von den Nazis vertrieben, verschleppt und viel zu oft auch ermordet wurden“. Mit ihrem Engagement für die Erinnerungsarbeit ist die AG Stolpersteine sehr erfolgreich und kann sich mit dem Stolperstein für Elsa Nossbaum nun über insgesamt 30 Stolpersteine im Stadtgebiet von Bad Soden freuen.

Viele Lebensgeschichten jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger hätten so hoffnungsvoll in Bad Soden begonnen und viele hätten ein so trauriges Ende gefunden – diese Geschichten „in Stein zu meißeln“ sei die Aufgabe und der Anspruch der AG Stolpersteine, so Hammerbeck.

Mit der Hausgemeinschaft des Hauses Talstraße 16 haben erstmals private Personen eine Patenschaft für den vor ihrer Haustür verlegten Stolperstein übernommen.

Die AG Stolpersteine bedankte sich herzlich und ehrte die Beteiligten mit einer Urkunde. Musikalisch begleitet wurde die Feierstunde von dem „Duo Chanson – Die stolzesten Frauen“.

Michaela Bender an der Klarinette und Dorothea Paul an der Gitarre sorgten für eine angemessene musikalische Untermalung und einen sehr stilvollen Rahmen der Stolpersteinverlegung – es wäre schön, wenn auch die Jugend zahlreicher für die Erinnerungsarbeit zu begeistern wäre.

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