Bad Soden (bs/Sc) – Klimaschutz ist eines der wichtigsten Themen unserer Zeit. Bedingt durch die fortschreitende Erderwärmung häufen sich auch in unseren Breiten Extremwetterereignisse wie Hitzewellen, Dürreperioden und Überschwemmungen. Global bedeutet dies: Gletscher schmelzen und der Meeresspiegel steigt, was zahlreiche Lebensräume bedroht.
Klimaschutz ist deshalb wichtig, weil er dazu beiträgt, die Umwelt für zukünftige Generationen zu bewahren. Schon kleine Maßnahmen wie Energiesparen, die Nutzung erneuerbarer Energien, Renaturierung oder das Reduzieren von Plastikmüll können helfen. Nicht nur Unternehmen und Regierungen tragen Verantwortung, nachhaltige Lösungen umzusetzen, sondern jeder Einzelne ist angehalten, seinen Beitrag – mag er auch noch so klein sein – zu leisten, denn nur wenn die Menschen weltweit zusammenarbeiten, kann der Klimawandel verlangsamt und die Zukunft unseres Planeten damit geschützt werden.
Vor diesem Hintergrund ist der Beschluss der Stadt Bad Soden, im Turnus von zwei Jahren einen Klimaschutzpreis zu verleihen, ein wichtiger Beitrag dazu, das bürgerschaftliche Engagement zu diesem Thema nicht nur zu würdigen, sondern auch sichtbar zu machen.
Klimaschutz vor Ort
Der Klimaschutzpreis der Stadt Bad Soden am Taunus wurde am Mittwoch vergangener Woche zum zweiten Mal vergeben. Er wurde aufgrund eines einstimmigen Beschlusses der Stadtverordnetenversammlung ins Leben gerufen und ist mit insgesamt 2.500 Euro dotiert. Maximal drei Personen oder Initiativen können eine Auszeichnung erhalten – das Preisgeld wird entsprechend aufgeteilt. Die Idee, die dem Preis vorausging, ist recht einfach: Klimaschutz finden alle wichtig, er ist in den Köpfen der Bürgerinnen und Bürger aber eher als „Aufgabe für die Anderen“ verankert. Der Preis soll das konkrete Engagement Einzelner für die Gemeinschaft hervorheben und entsprechend würdigen. Über die Preisträger entscheidet eine Jury.
Klimaschutz als (lokale) Herausforderung
Detlef Schürmann, Klimaschutzbeauftragter der Stadt Bad Soden, hatte als Gastgeber in das Kino CasaBlanca eingeladen. In seiner Eröffnungsansprache wies er auf die große gesellschaftliche Herausforderung hin, die mit dem Klimaschutz verbunden ist. Es gebe, so Schürmann, viele nationale und internationale Bestrebungen für Klimaprojekte, jedoch seien die Initiativen vor Ort mindestens genauso wichtig. Jeder könne seinen persönlichen Beitrag leisten – sei er auch noch so klein. Nicht alleine die „Großen“ retten die Welt, sondern viele kleine Aktionen fügen sich auch zu einem großen Ganzen zusammen. So gelte es auch, mit vielen Einzelmaßnahmen die kommunale Widerstandsfähigkeit und die Gemeinschaft zu stärken sowie die Lebensqualität für alle zu verbessern. Neben Naturschutzprojekten gelte es auch, ein Augenmerk auf die angestrebte Verkehrswende mit einem Fokus auf verbesserte Bedingungen für Rad- und Elektromobilität zu legen. „Investitionen in den Klimaschutz sind kluge Investitionen, denn das Sparen an Energie kommt jedem zugute“, so Schürmann, „Gemeinschaft kann viel bewegen, man muss nur die richtigen Werkzeuge nutzen!“ „Weiter so“ sei noch nie eine sinnvolle Option gewesen – sauber, grün, lebendig und zukunftssicher sei das Ziel!
Klimaschutzpreis
Die Preisverleihung wurde von Bürgermeister Dr. Frank Blasch vorgenommen, der sich darüber freute, dass es für die diesjährige Auszeichnung bereits sechs Bewerbungen gab – ein toller Erfolg, der zeigt, wie wichtig das Thema in der Stadt Bad Soden ist. Die Jury wählte aus den Bewerbungen die drei Preisträger aus – wobei die Auswahl z.T. schwerfiel und aus diesem Grund noch ein Sonderpreis vergeben wurde.
Solarberatung auf Platz 1
Den ersten Platz erhielt der Verein Klimabewusstes Bad Soden für seine ehrenamtliche Bürgersolarberatung. Mit dem Aufbau eines unabhängigen und kostenlosen Beratungsangebots für Photovoltaik-Anlagen habe der Verein einen wichtigen Beitrag zur Energiewende in Bad Soden geleistet. Besonders gewürdigt wurden die Zukunftsrelevanz des Projekts, das niedrigschwellige Beratungsangebot sowie das große ehrenamtliche Engagement der inzwischen 21 Solarberaterinnen und Solarberater sowie des unterstützenden Backoffice-Teams. Die Jury hob zudem die starke Multiplikatorwirkung hervor, da durch die Beratung zahlreiche konkrete PV-Projekte angestoßen worden seien. Die Auszeichnung ist mit 1.250 Euro dotiert.
Fachgerecht gepflegte Streuobstwiese
Der zweite Platz ging an Erwin Dittmann für seine fachgerecht gepflegte Streuobstwiese. Die Jury würdigte insbesondere die langjährige und kontinuierliche Pflege alter Obstbäume, sachkundige Neuanpflanzungen sowie die ökologische Gestaltung mit großen Baumscheiben und Totholz als Lebensraum für zahlreiche Tierarten. Die Streuobstwiese leiste einen wichtigen Beitrag zum Klima- und Artenschutz und wirke zugleich als natürliche CO2-Senke. Die Auszeichnung ist mit einem Geldpreis in Höhe von 750 Euro verbunden.
Naturschutz wird beim OGV großgeschrieben
Mit dem dritten Platz wurde der Obst- und Gartenbauverein Altenhain im Taunus ausgezeichnet. Der Verein engagiert sich seit vielen Jahren für die Pflege und Weiterentwicklung von Streuobstwiesen und verbindet dabei traditionellen Naturschutz mit modernen Ansätzen zur Nutzung und wissenschaftlich fundierter Arbeit bei der Pflege. Besonders positiv bewertete die Jury, dass sich eine junge Generation mit großem Engagement und neuen Ideen für den Erhalt dieser wertvollen Kulturlandschaft einsetzt. Der OGV erhält neben der Urkunde einen Geldpreis in Höhe von 500 Euro.
Diversität fördern
Auch die Streuobstwiesenanpflanzung der Familie Sander wurde im Rahmen der Preisverleihung gewürdigt. Zwar erhielt das Projekt keinen der drei Hauptpreise, dennoch wurde das Engagement für den lokalen Klimaschutz ausdrücklich anerkannt. Dank der Unterstützung des Landschaftspflegeverbands Main-Taunus konnte der Familie ein Gutschein für einen eintägigen Baumwartkurs zum Thema Streuobstwiesenpflege überreicht werden.
„Das Gewicht der Welt“
Im Anschluss an die Preisverleihung hatten die geladenen Gäste die Möglichkeit, den Kinofilm „Das Gewicht der Welt“ von Florian Heinzen-Ziob anzuschauen, einen Film, in dem drei junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Zeuge werden, wie ihre Forschungen durch den Klimawandel aus den Fugen geraten.
Als Chronisten einer untergehenden Welt verlassen sie den „Elfenbeinturm“ der wissenschaftlichen Forschung und werden zu Aktivisten, die „das Gewicht der Welt“ auf ihren Schultern tragen.
Der Film ist nicht nur ein Klimadokumentarfilm, sondern ein zutiefst menschliches Portrait dreier Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die erkennen, dass ihre Forschung alleine nicht mehr ausreicht. Der Film eröffnet einen emotionalen Zugang zu einer der zentralen Fragen unserer Zeit: Was bedeutet es, Verantwortung zu übernehmen?




