Bad Soden (Sc) – Eine Ära geht zu Ende: nach 25 erfolgreichen Jahren in der höchsten Führungsposition der Bad Sodener Feuerwehr verabschiedet sich Nick-Oliver Kromer aus dem Amt des Stadtbrandinspektors und eröffnet damit den Weg sowohl für einen Führungs- als auch einen Generationenwechsel in der Bad Sodener Feuerwehr.
Nick-Oliver Kromer gehört zu den wohl prägendsten Persönlichkeiten des Brandschutzes in Bad Soden. Als stellvertretender sowie als Stadtbrandinspektor stand er ein Vierteljahrhundert an der Spitze der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt und trug in der Zeit maßgeblich die Verantwortung für deren Organisation, Einsatzbereitschaft und die stetige Weiterentwicklung der Feuerwehrstrukturen. Sein Wirken ging weit über die Grenzen Bad Sodens hinaus, er wirkte aktiv im Landes- und Kreisfeuerwehrverband sowie dem Katastrophenschutzstab des Main-Taunus-Kreis mit, brachte dort über viele Jahre seine Expertise in die Verbandsarbeit ein und hat maßgeblich dazu beigetragen, dass durch die Feuerwehr Bad Soden der Main-Taunus-Kreis heute z.B. über eine einsatzfähige Rettungshundeeinheit verfügt.
„Kurvenreicher“ Lebensweg
Geboren wurde Nick-Oliver Kromer am Karfreitag des Jahres 1971 in Bad Soden. Seine Familie ist fest im Ort und in der Vereinslandschaft verwurzelt – sein Großvater wie sein Vater waren in das Bad Sodener Vereinsleben und die Lokalpolitik stark eingebunden, was auch auf den jungen Nick-Oliver schon früh Einfluss hatte. Er trieb viel Sport und war so erfolgreich, dass er als aktiver Fußballer in die Bezirks- und Hessenauswahl berufen wurde. Sein Vater war es auch, der ihn mit der Bad Sodener Feuerwehr in Kontakt brachte, wo er auf Hans und Paul Zengeler traf, die ihn in seiner weiteren Laufbahn unterstützen und begleiten sollten. Noch heute erinnert er sich mit einem Lächeln an die 800-Jahr-Feier der Bad Sodener Wehr oder den 10. Hessischen Feuerwehrtag, wo er als junger Bub mit „anpackte“ und die kollegiale Zusammenarbeit der Kameraden zu schätzen lernte.
Nach dem Abitur in Höchst wurde Kromer zum Wehrdienst zum 162. Panzergrenadierbatallion Schwarzenborn einberufen. Als sein Vater schwer erkrankte und eine Versetzung in die Nähe der Heimatstadt nicht möglich war, verweigerte Nick-Oliver Kromer den Wehrdienst nachträglich und fand eine neue Einsatzstelle beim Deutschen Roten Kreuz Bezirksverband Frankfurt a.M.. Hier leistete er in der Folgezeit seinen Zivildienst im Rettungsdienst der Stadt Frankfurt und arbeitete nach dieser Zeit noch über 20 Jahre als hauptamtliche Teilzeitkraft weiter. „In dieser Zeit habe ich viele großartige und für mich prägende Menschen kennengelernt“, erinnert sich Kromer gerne an diese Zeit zurück. Er ließ sich zum Rettungssanitäter, Rettungsassistenten und Lehrrettungsassistent IHK ausbilden und war mit den Kollegen im Rettungs- und Notarztwagen unterwegs. „Die Disziplin, Moral und Arbeitsethik meiner Kollegen haben mich tief beeindruckt“, so Kromer, wenn er an seine Einsätze in den Hochzeiten der Frankfurter Drogenszene im Bankenviertel zurückdenkt. Diese Zeit, so merkt er an, habe ihn geprägt, denn neben einer großen Freiheit in seinem Handeln brachten die Einsätze auch eine große Verantwortung mit sich. „Wir haben eine Menge in den unterschiedlichsten Einsätzen und Einsatzlagen gelernt.“
Die Einsätze im Rahmen des DRK-Rettungsdienstes in Frankfurt, wie ab 1997 seine Tätigkeit bei der Notarztgemeinschaft Bad Soden, wiesen ihm gewissermaßen den Weg in die Medizin und was lag da näher, als sich für ein Medizinstudium zu bewerben. Nach dem Studienbeginn in Greifswald wechselte er später an die Goethe-Universität nach Frankfurt, wo er sein Studium fortsetzte. In dieser Zeit engagierte er sich, Seite an Seite mit Andreas Henning und Manfred Zengeler, aktiv in der Jugendfeuerwehr Bad Soden. Sein gleichzeitiges Engagement im DRK, der Notarztgemeinschaft, der Feuerwehr und dem Studium – begleitet durch den tragischen Unfalltod eines Feuerwehrkameraden, die Krankheit und dann auch noch den frühen Tod des Vaters – forderten ihren „Tribut“, so dass die Prüfungen im Studium nicht immer so glatt liefen, wie er es sich gewünscht hatte. Dennoch wollte er sich weiter „durchbeißen“ und führte sein Studium zunächst fort.
Es wurde „ernst“ mit der Feuerwehr
Um das Jahr 1994/1995 durchlief die Bad Sodener Feuerwehr mehr als schwierige Zeiten. Die Frage „Wie geht es mit der Führung der Wehr weiter?“ stand im Raum und es bedurfte eines großen Kraftaktes, die Feuerwehr in diesen Zeiten weiterhin „auf Kurs“ zu bringen und zu halten. Dass die Wehr heute auf so erfolgreiche Zeiten zurückblicken kann, ist sicher auch dem damaligen Engagement von Nick-Oliver Kromer, Harald Zengeler und dem damaligen Stadtbrandinspektor Hermann Zengeler zu verdanken, die das Heft in die Hand nahmen und die Wehr mit viel Herzblut neu organisierten und aufbauten. Im Folgejahr wurde Harald Zengeler zum Wehrführer gewählt, Nick-Oliver Kromer stand ihm als Stellvertreter zur Seite – gemeinsam standen sie von Beginn an für ein Konzept des Zusammenhalts und der Kameradschaft. In diesen Zeiten des „Neubeginns“ wurde die Feuerwehr für Nick-Oliver Kromer zu seiner „Heimat“, für die er sich gerne und oft über das normale Maß hinaus engagierte. Die Feuerwehr stand nun stärker im Fokus seines Handelns, denn der Neuaufbau und die Neuorganisation waren zeit- und arbeitsaufwändig. Die Position des Stadtbrandinspektors bekleidete zu diesem Zeitpunkt Hermann Zengeler, als ein tragischer Einsatzunfall einen jungen Kameraden das Leben kostete. Die nachfolgenden polizeilichen Ermittlungen, die Aufmerksamkeit der Presse und der langwierige Prozess der Aufarbeitung mit den Kameraden und der Familie sind Nick-Oliver Kromer als eine seiner schwersten Zeiten bei der Feuerwehr im Gedächtnis geblieben. Die Kameradschaft unter den Feuerwehrleuten half, das Erlebte zu verarbeiten – die Universität zeigt da weniger Entgegenkommen. Kurz vor dem Examen wurde Kromer zwar freigestellt, entschloss sich jedoch im weiteren Verlauf – nach bestandenen Prüfungen –, das Medizinstudium abzubrechen. Dem Thema „Notfall- und Rettungsdienst“ blieb er weiterhin treu – Es folgten u.a. interessante und anspruchsvolle Ausbildungsgänge im Rahmen der Berg- und Flugrettung in Zermatt.
25 Jahre Stadtbrandinspektion
Lange Jahre stand Kromer dem damaligen Stadtbrandinspektor Zengeler als Stellvertreter zur Seite. Nach dem Ausscheiden von Hermann Zengeler wurde Nick-Oliver Kromer 2011 von seinen Kameradinnen und Kameraden in das Amt des Stadtbrandinspektors gewählt, das er bis heute in der Stadtbrandinspektion über 25 Jahre lang mit viel Sachverstand, Engagement und Hingabe ausfüllt.
Als Stadtbrandinspektor trägt Kromer die Gesamtverantwortung für die drei Stadtteilwehren in Bad Soden – Kernstadt, Altenhain und Neuenhain. Seine Aufgaben reichen von strategischer Planung über Ausbildung bis hin zur Einsatzkoordination. Ein zentraler Aspekt seiner Arbeit ist die Sicherstellung der Einsatzfähigkeit. Selbst unter schwierigen Bedingungen, etwa während der Corona-Pandemie, blieb die Feuerwehr laut Kromer jederzeit voll einsatzbereit. Dies erforderte flexible Ausbildungskonzepte, wie digitale Schulungen und angepasste Übungsformate. Gleichzeitig koordiniert er eine Organisation mit über 150 ehrenamtlichen Einsatzkräften, Nachwuchsarbeit in Kinder- und Jugendfeuerwehren sowie hauptamtlichen Kräften in Verwaltung und Technik. Diese Zahlen verdeutlichen die Größe und Komplexität der Feuerwehr, die Kromer führt.
Eine Vielzahl von Einsatzlagen, schöne und amüsante, außerordentliche Herausforderungen, spektakuläre, aber auch tragische und belastende Einsätze in der Feuerwehr wie aber auch Notfall- und Rettungsdienst sind ein weiterer Aspekt, der die Arbeit prägt und die es auch immer wieder zu verarbeiten gilt.
„Einzelne Einsätze herauszunehmen, das sind zu viele und würde den Rahmen sprengen“, fügt Kromer an.
Sein zentraler Anspruch an sich selbst ist eine grundsätzlich positive Grundeinstellung und die Gewissheit, dass „es immer einen Weg und eine Lösung geben wird“. Respekt und Anstand sind die zwei Grundfesten seiner Führungsarbeit, die immer auf ein „Miteinander“ aller Kameradinnen und Kameraden, aber auch aller drei Sodener Wehren, Bad Soden, Altenhain und Neuenhain, bauen.
Insgesamt 32 Jahre, Wehrführung und Stadtbrandinspektion
In mehr als drei Jahrzehnten in der direkten Führung in Bad Soden kann Kromer auf zahlreiche Entwicklungen zurückblicken. „Menschen und Umstände ändern sich, wichtig ist es, sich den Veränderungen immer anzupassen“, so Nick-Oliver Kromer. Dies sei nicht immer leicht gewesen und habe oft Kraft gekostet. Offenheit und Ehrlichkeit sind ihm ein Grundanliegen und „Brücken bauen“ fällt ihm nicht schwer, galt es doch oft, dem „Kirchturmdenken“ entgegenzuwirken. „Klare Worte finden, diplomatisches sowie auch strategisches Handeln und das Ziel verfolgen“ ist ein Grundsatz, der es ihm darüber hinaus ermöglicht hat, seine Visionen nicht aus den Augen zu verlieren und zum großen Teil auch umzusetzen – beginnend mit dem gemeinsamen Abzeichen der „Feuerwehr der Stadt Bad Soden“ mit der „eigenen Identität und Sichtbarkeit“ der drei Sodener Wehren bis hin zu den An- und Umbauten in den Stadtteilwehren, weiter bis zum Neubau und der notwendigen Ausstattung der neuen Feuerwache in Bad Soden. Sein größtes Ziel – der Neubau der Feuerwache – hatte Kromer lange angestrebt. Dieses Großprojekt hat ihn in den vergangenen zehn Jahren intensiv beschäftigt, in denen er nicht müde wurde, infrastrukturelle Notwendigkeiten und Veränderungen anzumahnen und auf die veränderten Erfordernisse zum Thema Brand- und Katastrophenschutz hinzuweisen. „Ich habe viele Kämpfe ausgefochten und viel Kritik einstecken müssen“, so Kromer, „die letzten Jahre waren nicht unbedingt vergnügungssteuerpflichtig!“ Sein großes Ziel aber hat er erreicht und es bleibt zu dem Thema festzustellen, dass ihm, vor allem im Hinblick auf den Katastrophen- und Bevölkerungsschutz, die geopolitischen Veränderungen in den letzten Jahren (leider) Recht gegeben haben.
Ein „Freigeist“ dankt seinen Mitstreitern
„Das TEAM war wichtig! – Dank an alle die mich unterstützt und geholfen haben!“
Wenn Nick-Oliver Kromer eines besonders schätzt, dann sind es ehrliche und konstruktive Diskussionen. Seine Kameraden beschreiben ihn als einen „Mann der klaren Worte“, und sein Bestreben, Neues aufzunehmen und Veränderungen anzustoßen, haben die Bad Sodener Feuerwehr zu einer geeinten und auch „schlagkräftigen Truppe“ reifen lassen. Unterstützt wurde Kromer dabei über viele Jahre zunächst von seinen Stellvertretern Klaus Ulrich und Thomas Velten, später dann vom Team Thomas Velten und Patrick Ritter. Aber auch sein Vorgänger im Amt, Hermann Zengeler, war da, wenn man nochmal was zu reflektieren und zu besprechen hatte. Zwischen ihnen allen herrschte, so beschreibt es Kromer selbst, immer ein großes Vertrauen und ein enormer Teamgeist. Auch seine Mitstreiter im Wehrführerausschuss haben durch ihre Arbeit auf Standortebene seine strategischen Ansätze immer unterstützt und mitgetragen, auch wenn es desweilen mal intensivere Gespräche gegeben hat, merkt Kromer mit einem Schmunzeln an. Durch das Engagement und die Unterstützung aller, wurden Freiräume für die strategische und zukunftsorientierte Arbeit des Stadtbrandinspektors geschaffen und sie haben ihm letztendlich damit den Rücken freigehalten.
Natürlich kam seiner Familie in den drei Jahrzehnten seines Wirkens in der Wehrführung ebenfalls eine entscheidende Rolle zu. Ohne die Unterstützung seiner Familie und Freunde wäre sein Einsatz in dieser Form wohl nicht möglich gewesen, denn sie haben vieles mitgetragen, was nicht selbstverständlich war. „Meine Lebensgefährtin, mit der ich seit 33 Jahren zusammen bin, hat öfter alleine zuhause die Abende verbracht und Freunde haben nicht nur einmal auf mich gewartet“, so Kromer im Rückblick. „Sie haben mir den Rücken freigehalten und Verständnis gezeigt – dafür danke ich ihnen sehr!“ „Ja und jetzt ist auch Zeit und es kann geheiratet werden“, lacht Kromer.
Blick in die Zukunft
Der Stadtbrandinspektor hatte Ziele – die hat er nun „fast alle“ erreicht und es stellt sich die Frage, was denn Nick-Oliver Kromer in Zukunft für Projekte verfolgen wird. Da gibt es z.B. diese Idee von einem Buch in seinem Kopf. Notizen sind schon vorhanden – sie müssen geordnet, in Worte gefasst und natürlich noch ergänzt werden. Aber auch seinen Hobbys möchte er in Zukunft mehr Zeit widmen. Dazu gehört der Wunsch, noch mehr in der Natur unterwegs sein zu können, sich mit seinen Hunden zu beschäftigen und natürlich, sich als passionierter Jäger mit seinen Jagdfreunden um sein Revier in Bad Soden – Kernstadt – zu kümmern. Außerdem freut er sich, künftig mehr Zeit in Schweden verbringen zu können und auch dort seine Feuerwehr- und Rettungsdienstexpertisen einzubringen.
Selbstverständlich wird er auch der Feuerwehr weiter aktiv verbunden bleiben.
Bereit für neue Herausforderungen und die Übernahme von neuer Verantwortung
Ein großes berufliches Thema wird auch weiterhin der Bevölkerungs- und Zivilschutz sein. „Die Welt ändert sich und wir stehen veränderten Zeiten gegenüber“, so Kromer. „Die nicht polizeiliche Gefahrenabwehr wird stärker in den Fokus rücken und wir müssen nicht nur vieles neu denken, sondern auch die bestehenden Strukturen überdenken.“ Sein jahrzehntelanger Einsatz auf verschiedenen Führungsebenen hat ihn gelehrt, dass die Gefahrenabwehr in Deutschland – ob der veränderten Rahmenbedingungen – neu gedacht werden muss. Bereits 2008 machte sich Kromer als freiberuflich Tätiger selbstständig. Unter anderem als Dozent an Rettungsdienstschulen hat er zahlreiche Unterrichte gehalten und in dieser freiberuflichen Tätigkeit Krankenhäuser und deren Krankenhauseinsatzstäbe für den „Ernstfall“ geschult. Hier weiter und intensiver beratend für Unternehmen, Krankenhäuser, Alten- und Pflegeheime
und nicht zuletzt für Kommunen tätig zu sein und kompetente Lösungen aufzuzeigen, ist eines seiner zentralen Ziele.
„Die Einblicke und Erfahrungen, die ich aus den skandinavischen Ländern sammeln durfte, werden mir sicherlich sehr hilfreich sein“, so Kromer.
Bei der Jahreshauptversammlung der Bad Sodener Wehren am 29. Mai wird Nick-Oliver Kromer nicht mehr für das Amt des Stadtbrandinspektors zur Verfügung stehen. Sein Entschluss steht fest und mit Sven Griese als Stadtbrandinspektor, Patrick Ritter und Michael Böhler als Stellvertreter, steht ein würdiges Stadtbrandinspektorteam als Nachfolger zur Wahl. „Man soll aufhören, wenn es am besten ist und nicht bis zum Ende warten“, so Nick-Oliver Kromer. Er geht mit gutem Gewissen und übergibt an seinen designierten Nachfolger eine Feuerwehr, deren Kameradinnen und Kameraden auf allen Ebenen engagiert und hoch qualifiziert sind. Es bleibt zu wünschen, dass sie der neuen Stadtbrandinspektion und dem Stadtbrandinspektor genauso viel Loyalität und Vertrauen entgegenbringen, wie sie es so viele Jahre für das Team der Stadtbrandinspektion um Stadtbrandinspektor Nick-Oliver Kromer getan haben.
Nach insgesamt 32 Jahren in der Wehrführung und der Stadtbrandinspektion übergibt Nick-Oliver Kromer sein Amt am 29. Mai an seinen designierten Nachfolger.Foto: Scholl