Kerbeburschen spenden ohne Kerb

Die Neuenhainer Kerb wird an diesem ersten Sonntag im August schmerzlich vermisst. Die Mitglieder des Kerbeverein Neuenhain wollen das Miteinander deshalb auf andere Weise unterstützen und spenden insgesamt 4000 Euro an fünf Neuenhainer Institutionen. Foto: Scholl

Neuenhain (Sc) – Ebenso wie viele andere Veranstalter in diesem Jahr musste auch der Kerbeverein Neuenhain seine traditionell am ersten Augustwochenende stattfindende „Neuenhainer Kerb“ absagen. Besonders unglücklich waren die Kerbeburschen, weil sie ihren 40. Geburtstag seit Neugründung des Vereins gefeiert hätten. Jedoch gerade deshalb hatten es sich die Mitglieder rund um ihren Vorsitzenden Dr. Jérôme Kirchhoff zum Ziel gesetzt, das „Miteinander mit einem anderen Fokus als üblich“ zu fördern. Angesichts der aktuellen finanziellen Folgen der Corona-Pandemie, die für viele Bürger bereits stark zu spüren sind und die ganz besonders die Jüngsten und wirtschaftlich benachteiligten Mitmenschen betreffen, wurde beschlossen, fünf gemeinnützige Institutionen beziehungsweise Projekte finanziell zu unterstützen. So trafen sich die Aktiven direkt nach dem gut besuchten „Kerbegottesdienst“ auf dem Dalles vor dem Bürgerhaus in Neuenhain, um die Spenden an geeigneter Stelle zu übergeben. In lockerer Runde, mit viel Platz und bekannter „Möhrendeko“, erhielten am traditionellen Kerbewochenende fünf Neuenhainer Institutionen und Projekte jeweils eine Zuwendung von 800 Euro, die vollständig aus den Mitgliedsbeiträgen des Vereins finanziert wurden. Die erste Zuwendung ging an die katholische KiTa Maria Hilf, für die Ilona Hofmann den symbolischen Scheck mit einem strahlenden Lächeln entgegennahm. Hier werden die Kinder entscheiden, ob das Geld für das Außengelände oder die Bauecke verwendet wird. Den gleichen Betrag nahm Sabine Müller stellvertretend für die evangelische Kindertagesstätte „Drei Linden“ entgegen. Auch dort sollen die finanziellen Mittel zum Ausbau der Außenanlagen eingesetzt werden. Ebenfalls bedacht wurde die Schwalbacher Tafel, die in diesen besonderen Zeiten mit einem großen Mehraufwand zur Versorgung ihrer Kunden zu kämpfen hat. Pfarrer i.R. Klaus Spory, der die Spende dankbar entgegennahm, berichtete bei dieser Gelegenheit von den Schwierigkeiten der Tafel, bei geschlossenen Ausgabestellen die Lebensmittel oder Gutscheine zu den bedürftigen Personen zu bringen.

Ebenfalls bedacht wurde der Förderverein der Drei-Linden-Schule; die Zuwendung nahm Christina Zimmermann entgegen. Der Förderverein möchte mit dem Geld die dringend notwendige Digitalisierung der Schule vorantreiben. Der letzte „Scheck“ ging an die Bad Sodener Initiative „Hand in Hand“. Sie fungiert als Netzwerk und setzt sich für Chancengleichheit von Kindern und Jugendlichen ein. Die Initiative unterstützt beispielsweise Familien und leistet darüber hinaus direkte Hilfen, wenn Gelder für Vereinsbeiträge oder zum Beispiel Teilnahmegebühren fehlen. Die Spende nahm Bürgermeister Dr. Frank Blasch persönlich entgegen. Vor so viel bürgerlichem Engagement, wie es von den Kerbeburschen aus Neuenhain aktiv gelebt wird, sollte man den Hut ziehen. Die Freude der Bedachten darüber, dass der Kerbeverein Neuenhain e.V. trotz fehlender Einnahmen an eine Unterstützung wirtschaftlich benachteiligter Mitbürger denkt, ließ die Sonne an diesem „Kerbesonntag“ ganz sicher noch ein bisschen heller scheinen.



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