Ein mittelalterlicher Kleinkrimineller

Dem schlauen Till Eulenspiegel (rechts) fiel es im Theaterstück des „NN Theaters“ nicht schwer, seine dummen und gierigen Mitmenschen reinzulegen. MS/Foto: te

Eschborn (MS) – Ein bisschen ist es mit der Geschichte von Till Eulenspiegel wie mit der Figur selbst: Sie ist nicht zu greifen. Anders als bei anderen Standardwerken der Literatur gibt es nicht die eine Eulenspiegel-Geschichte, sondern unter der Marke verbirgt sich ein ganzes Sammelsurium an Legenden und Erzählungen über einen offensichtlich ziemlich unangepassten Mann, der im späten Mittelalter alle – vom Handwerker bis zum König – zum Narren hielt.

Entsprechend groß war auch der Freiraum, den das „NN Theater“ aus Köln für seine aktuelle Inszenierung des Stücks hatte, das am vergangenen Freitag als Open-Air-Theater auf dem Eschenplatz aufgeführt wurde. Die vier Schauspielerinnen und Schauspieler setzten – unterstützt von einem multi-instrumentalen Live-Musiker – das unstete Lebe des Till Eulenspiegels gekonnt und unterhaltsam in Szene. Wie immer beim „NN Theater“ wechselten die Darsteller manchmal im Minutentakt die Rollen und setzten die bewusst sparsam gewählten Requisiten geschickt ein. So wurde aus ein paar Holzkisten mal ein Beichtstuhl, mal ein Wäschezuber und mal ein Thron.

Interessant waren die Versuche, der mehr als 500 Jahre alten Erzählung Bezüge zur Gegenwart zu geben. Der Till Eulenspiegel des „NN Theaters“ hatte nichts Mittelalterliches, sondern hätte gut auch der Gegenwart entsprungen sein können. Und einiges hat sich über ein halbes Jahrtausend offensichtlich auch nicht verändert, etwa als Till ins Publikum ruft: „Überall nur Dummheit, Neid und Gier.“

Bei allem Spaß, bewegte sich das Stück inhaltlich damit natürlich auf dünnem Eis. Denn wenn man die Figur des Till Eulenspiegels – ein überaus cleverer Sprößling eines unterpriviligierten einfachen Arbeiters – konsequent in die heutige Zeit übertragen würde, käme wohl ein Kleinkrimineller mit Migrationshintergrund heraus, der mit Drogen dealt und Leute im Internet betrügt. So lustig wie das Stück am Montag ist das eben nicht. Und so symphatisch wie der Till Eulenspiegel des „NN Theaters“ war das Original – so es denn je gelebt hat – sicher auch nicht.

Am Ende waren die Gaunereien und Tricksereien aber trotzdem höchst unterhaltsam und nach mehr als zwei Stunden gab es reichlich Applaus für die Akteure auf er Bühne, die dort wirklich Schwerarbeit verrichtet hatten.

Für das leibliche Wohl der Besucherinnen und Besucher sorgte am Freitag die „Brass und Marching Band“ mit kulinarischen Köstlichkeiten und erfrischenden Getränken. Auch das Weingut König bereicherte den Abend mit seinem Angebot.



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