Friedrichsdorf. Im Rahmen der 13. Friedrichsdorfer Kunsttage konnten am Wochenende Kunstwerke aller Art zwischen Rathaus, Garniers Keller und Houiller Platz bestaunt werden. Die Höfe entlang der Hugenottenstraße boten dabei ein besonderes Ambiente, um Kunst zu präsentieren und mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen.
„Heute steht die vielfältige Kunst im Mittelpunkt, die Friedrichsdorf als Stadt zu bieten hat“, betonte Bürgermeister Lars Keitel auf der Bühne am Landgrafenplatz. Im Anschluss sorgte dort die Coverband „Miko Rock“ für musikalische Unterhaltung – eine von zahlreichen Gruppen, die an den beiden Veranstaltungstagen auftraten. Insgesamt fanden 14 Konzerte auf der Bühne am Landgrafenplatz und vor Garniers Keller statt. Darüber hinaus konnten in diesem Jahr 47 Ausstellungen entlang der Hugenottenstraße, der Wilhelmstraße und auf dem Houiller Platz bestaunt werden. Da viele Kunstschaffende gemeinsam ausstellten, schätzte Kulturamtsleiter Jonas Steinert die Zahl der beteiligten Künstler auf über 100.
„Diese Tage bieten Kulturschaffenden eine Plattform und zugleich die Möglichkeit zur Vernetzung, aus der oft neue Kooperationen entstehen“, berichtete Steinert. Besonders erfreulich sei, dass zahlreiche Privatpersonen ihre Höfe für die Kunsttage zur Verfügung stellten. „Diese Orte tragen maßgeblich zur besonderen Atmosphäre der Veranstaltung bei.“
„Das Malen wirkt entspannenden auf mich“, berichtete Künstlerin Petra Günther. „Dabei vergesse ich die Zeit sowie meine Sorgen und Probleme.“ Die Köppernerin nahm bereits zum achten Mal an den Kunsttagen teil und stellte ihre Werke in diesem Jahr im Rathaus aus. „Mein diesjähriges Thema sind fotorealistisch Tulpen“, sagte sie, während sie ihre Gemälde präsentierte. Seit dem Jahr 2000 widmet sich Günther intensiv der Malerei. „Ich habe mich bislang nicht auf einen bestimmten Stil festgelegt und probiere immer wieder gerne Neues aus.“ Seit einiger Zeit gestaltet sie zudem sogenannte Steinbilder. Dabei formen kleine Steine menschliche Figuren, während gemalte Hintergründe und weitere Objekte die Szenen ergänzen. So entstehen Darstellungen besonderer Anlässe wie Geburtstage, Hochzeiten oder sportliche Aktivitäten. Anfangs verschenkte sie diese Werke an Arbeitskollegen, inzwischen präsentiert sie diese auch bei den Kunsttagen. „Es ist spannend zu beobachten, wie überrascht viele Besucher auf diese ungewöhnlichen und einzigartigen Kunstwerke reagieren.“
In einem der Höfe demonstrierte Manfred Petry die Kunst des Drechselns. „Das Schöne an diesem Hobby ist, Ideen umzusetzen und zu sehen, was während des Arbeitsprozesses entsteht“, erklärte der Neu-Anspacher, der seit acht Jahren drechselt. Seine Frau Conny ergänzte: „Es ist toll, etwas mit den Händen zu erschaffen und nicht dauernd vor dem PC zu sitzen.“
Vor allem im Winter widmet sich Petry seinem Hobby vier bis fünf Tage pro Woche. Inspirationen findet er überall – im Internet ebenso wie bei Veranstaltungen wie den Kunsttagen. „Ich gehe mit offenen Augen durch die Welt und überlege ständig, was sich aus Holz umsetzen lässt“, sagte er. Klassische Schalen seien heute weniger gefragt, dafür gebe es zahlreiche andere Möglichkeiten. Als Beispiel verwies er auf die vielen Holzfiguren, die er ausgestellt hatte.
Während er in den vergangenen Jahren die Kunsttage nur als Besucher erlebt hatte, war er dieses Jahr erstmals selbst als Aussteller vertreten. „Es ist großartig, welches Programm die Stadt auf die Beine stellt und dass die Künstler dafür keine Gebühren zahlen müssen“, lobte er. Seine Live-Arbeit am Drechseltisch zog zahlreiche neugierige Besucher an. Unter seiner Anleitung konnten Interessierte dieses Handwerk sogar selbst ausprobieren. „Du musst deinen Finger hier auf die Werkzeugklinge legen und den Griff hinten gut festhalten“, erklärte Petry, während die Besucher erste Rillen in das Holz drechselten. Besonders gerne arbeite er mit Eibenholz wegen seiner faszinierenden Maserung. Auch Zirbenholz schätze er aufgrund seines angenehmen Duftes.
„Die Besucher kommen sogar weit über die Stadtgrenzen hinaus zu uns“, stellte Diane Kreuter erfreut fest. Die Künstlerin widmet sich seit mehr als 20 Jahren der Malerei. „Meine Bilder entstehen meist sehr spontan und ungeplant. Ich greife zu den Farben und beginne einfach zu malen“, erzählte sie. Dabei experimentiere sie häufig mit ungewöhnlichen Techniken und Werkzeugen. So zeigte sie auf ein Werk, bei dem sie gezielt das Verlaufen der Farben durch den Einsatz von Wasser genutzt hatte.
Oft lasse sie ihre Bilder zunächst einige Zeit auf der Seite liegen, bevor sie weiter daran arbeite. „Mit etwas Abstand betrachtet man ein Bild anders und häufig verändert sich auch seine Aussage während des Entstehungsprozesses.“ Gerade bei abstrakten Werken sei es schwierig zu entscheiden, wann ein Bild tatsächlich fertig sei.
Bereits zum dritten Mal stellte Kreuter gemeinsam mit ihrer Freundin Angela Preijs in den Räumen der EUTB-Hochtaunus aus. Die beiden Künstlerinnen malen häufig gemeinsam unter freiem Himmel. „Das Malen hilft mir, den stressigen Alltag und persönliche Belastungen zu verarbeiten“, berichtete Preijs, die aus Königstein angereist war.
Die Kunsttage boten auch jungen Talenten eine Bühne. Im Institut Garnier präsentierten Schüler der Kunstleistungskurse der Philipp-Reis-Schule ihre Arbeiten. In den vergangenen drei Monaten hatten sie sich intensiv mit der malerischen Darstellung von floralen Elementen auseinandergesetzt. „Im Kunstunterricht haben wir uns mit der amerikanischen Malerin Georgia O’Keeffe auseinandergesetzt und anschließend Bilder in ihrem Stil gestaltet“, berichtete Leo Trüe. Seine Mitschülerin Mona Younes ergänzte: „Dabei haben wir uns auf die wesentlichen Merkmale der Pflanzen konzentriert und versucht, diese möglichst realistisch und detailgetreu auf die Leinwand zu zeichnen.“
Die Coverband „Miko Rock“ sorgte für musikalische Unterhaltung am Landgrafenplatz.
Manfred Petry demonstrierte die Kunst des Drechselns. Unter seiner Anleitung probierten Interessierte dieses Handwerk sogar selbst aus.
Bürgermeister Lars Keitel begrüßte zu den Kunsttagen.
Angelika Hintzmann setzt sich in ihren Werken mit Reduktion, Raum und Wahrnehmung auseinander.
Eckhard Gehrmann zeigte, wie historisch gedruckt wurde.







