Löwenstark: Ella, Clara, Nora, Isabel, Sara, Juno und Henri (v. l.) lernen beim Selbstbehauptungstraining mit Trainerin Elisa Brand, wie mit besonderen Übungen und Techniken das Selbstbewusstsein gestärkt werden kann.
Friedrichsdorf (bin). Das Selbstvertrauen junger Kinder zu stärken, hat sich Trainerin Elisa Brand zu ihrer Lebensaufgabe gemacht. Die gelernte Erzieherin weiß aus eigener Erfahrung, wie tief Mobbing und Ausgrenzung verletzten können. Deshalb setzt sie sich heute mit Leidenschaft dafür ein, Kinder stark zu machen. In ihrem Selbstbehauptungstraining „Löwenstark“ zeigt Brand den Kindergartenkindern und Grundschülern, wie sie mit Konflikten umgehen, Grenzen setzten und ihre innere Stärke entdecken können.
„Gib mir meine Kappe zurück“, rief die achtjährige Isabel. Aufrecht und gerade stand sie dabei vor der Trainerin, Hände eng am Körper nach unten, zur Faust geballt, den Blick fest auf ihr Gegenüber gerichtet. Mit jedem Schritt nach vorne wurde ihre Stimme lauter.
„Bei dieser Übung ist die Schutzhaltung wichtig“, erklärte Brand. Wieso das so ist, zeigten die Grundschülerinnen Isabel, Juno und Nora anhand zweier Blätter, auf die jeweils ein Herz gemalt war. „Wenn jemand Schimpfwörter sagt oder gemein zu einem ist, dann kann das verletzen“, sagte Nora und zerknitterte eines der Blätter in ihren Händen. „Und wenn jemand etwas Nettes sagt, wird das Herz wieder groß“, ergänzte Isabel und strich das Blatt wieder glatt. Doch die Faltspuren blieben sichtbar. Im Vergleich zu dem anderen, unversehrten Herz werde deutlich, dass Beleidigungen Narben hinterlassen können, erklärte Brand. Wird jedoch ein leeres Blatt schützend vor das Herz gehalten, prallen die verletzenden Worte daran ab. „Es geht nicht darum, Beleidigungen zu ignorieren, sondern darum, ob ich zulasse, dass sie mich verletzen“, sagte Brand.
Im Jahr 2022 machte sich die 31-Jährige selbständig und gründete „Brandstark“. Seitdem hält sie Vorträge und gibt Kurse in Familienzentren, Kitas und Schulen. Die gelernte Erzieherin beobachtete, dass Ausgrenzung oft schon im Kindergarten beginnt. Deshalb arbeitet sie besonders mit jüngeren Kindern. Eigene Erfahrungen mit Mobbing und Ausgrenzung helfen ihr dabei, sich in die Kinder hineinzuversetzen. Durch zahlreiche Aus- und Weiterbildungen erweiterte sie zudem ihr Fachwissen.
Besonders wichtig sei ihr, dass Kinder lernen, Konflikte selbst zu klären und eigene Lösungen finden. Nicht immer sei es die beste Idee, sofort zu einem Erzieher zu laufen, denn das löse Mobbing meist nicht nachhaltig.
Bei ihrem Kurs „Löwenstark“, kombiniert mit „Ameisenstark“ auf dem Nabu-Gelände, thematisierte Brand die Themen Beleidigungen, das Wegnehmen von Gegenständen, ungewolltes Anfassen und Gewaltandrohungen. Mit abwechslungsreichen Übungen vermittelte sie den Kindern, wie sie in solchen Situationen reagieren sollten. Die Trainingseinheiten machten den Kindern sichtlich Spaß und stärkten zugleich ihr Selbstbewusstsein. Wiederholt wurden die Übungen so lange, bis jedes Kind die Abläufe sicher beherrschte und mit einem gestärkten Auftreten reagieren konnte.



