Wie Naturschutz vor Ort gelingt: Ein Blick hinter die Kulissen des NABU am Bornberg

Friedrichsdorf (bin) – Wie Naturschutz vor Ort aussieht, konnten Besucher beim offenen Nachmittag des NABU Friedrichsdorf am Bornberg aus nächster Nähe erleben. Der Naturschutzbund öffnete sein rund dreiviertel Hektar großes Gelände für interessierte Gäste und gab Einblicke in seine vielfältige Arbeit. Die Mitglieder führten die Besucher über das Gelände, beantworteten Fragen und erklärten die Besonderheiten der heimischen Tier- und Pflanzenwelt. Während Kinder auf dem Steg liegend Libellen und Frösche im Teich beobachteten, genossen Eltern und Großeltern bei Kaffee und Kuchen den Nachmittag in gemütlicher Atmosphäre im Grünen.

Ein Zuhause für seltene Gäste

„Auf unserem Gelände sehe ich oft Vögel, die ich sonst nirgendwo beobachten kann“, berichtete Vorsitzender Klaus Peikert. „Außerdem lieben es die Kinder, in unserem Teich Libellen sowie eine große Vielfalt von Wasserfröschen, Kröten und Molchen zu beobachten. Die angelegten Steinmauern bieten Zauneidechsen und Ringelnattern ein Zuhause.“ In den Abendstunden beobachte er gerne vom Holzturm inmitten des Geländes regelmäßig Zwergfledermäuse.

Damit diese Artenvielfalt erhalten bleibt, investieren die rund 640 Mitglieder des NABU Friedrichsdorf viel Zeit in die Pflege des Geländes. „Im November reinigen wir den Teich und entfernen abgestorbene Pflanzenreste“, erklärte Peikert. „Dabei sammeln wir alle Wassertiere, die sich an den Pflanzen befinden, sorgfältig ab und setzten sie anschließend wieder in den Teich zurück.“ Seit mehr als 70 Jahren hängt der Verein zudem Nistkästen auf und betreibt eine Winterfütterung für Vögel. Besonderen Wert legen die Mitglieder dabei auf saubere Futterstellen, um die Übertragung von Krankheiten zu verhindern.

Ein weiteres zentrales Projekt ist die Pflege zahlreicher Streuobstwiesen. Das ganze Jahr über kümmern sich die Ehrenamtlichen um vereinseigene, städtische und private Flächen. Im Herbst veranstaltet der NABU gemeinsam mit den Friedrichsdorfer Grundschulen einen Apfeltag. Die Kinder sammeln die Äpfel, die anschließend zu Apfelsaft verarbeitet werden. Für das Etikett der Flaschen wird jedes Jahr ein selbst gemaltes Bild eines Grundschülers ausgewählt. Die Erlöse fließen in die Pflege der Streuobstwiesen und die Anschaffung neuer Arbeitsgeräte.

Der offene Nachmittag auf dem Gelände am Bornberg soll zugleich neue Menschen für den Naturschutz begeistern. Conny Dinse nutzte die Gelegenheit, ihren Enkeln die heimische Tier- und Pflanzenwelt näherzubringen. Gespannt beobachteten die sechsjährige Elena und der vierjährige Jonah, wie eine Wasserschnecke vorsichtig aus ihrem Schneckenhaus herausschaute. „Da wird das Handy plötzlich uninteressant“, schmunzelte Conny Dinse. Erst vor kurzem trat sie nach einem Besuch des Tags der offenen Tür dem NABU Friedrichsdorf bei. „Da ich nur einen kleinen Balkon habe, komme ich sehr gerne hierher, um die Natur zu genießen“, erzählte sie. „Ich mag die Gemeinschaft und finde es schön, dass das Alter der Mitglieder sehr gemischt ist.“

Doch nicht alle Entwicklungen bereiten den Naturschützern Freude. Seit rund sieben Jahren sorgt der Waschbär für erhebliche Probleme. „Die Tiere ziehen Wasserpflanzen aus dem Teich, um an Schnecken zu gelangen, fressen die Innereien von Fröschen und lassen sie dann liegen und reißen Nistkästen von den Bäumen“, berichtete Peikert. „Mit aufgestellten Infrarotkameras konnte ich schon fünf erwachsene Tiere auf unserem Gelände beobachten. Da Waschbären hier keine natürlichen Feinde haben und ihre Bejagung rechtlich schwierig ist, verursachen sie uns viel Arbeit.“

Sorgen um Wasser und Artenvielfalt

Noch größere Sorgen bereitet Peikert jedoch die Diskussion um den Schnäpfenbach, der durch das NABU-Gelände fließt. „Ein Großteil des Wassers wird bereits direkt an der Quelle für Trinkwasseraufbereitung entnommen“, erklärte der Naturschützer. „Mit dem Neubau des Hochbehälters soll künftig das gesamte Wasser abgefangen werden, sodass kein Wasser mehr durch den Schnäpfenbach fließt.“ Die Folge wäre nach seiner Einschätzung gravierend. Die Pflanzen entlang des rund 33 Meter langen Bachabschnitts auf dem NABU-Gelände würden vertrocknen. Gerade dieser Abschnitt wurde erst im Jahr 2018 gemeinsam mit der Stadt aufwendig saniert. Nachdenklich zeigte Peikert auf den Schachtelhalm am Ufer, deren Vorfahren bereits vor mehr als 300 Millionen Jahren wuchsen. Erst kürzlich habe er dort sogar einen badenden Habicht beobachten können.

Dennoch könne er die Argumente der Wasserversorgung nachvollziehen. „Trinkwasser wird immer knapper, deshalb hat das Vorhaben durchaus seine Berechtigung“, sagte Peikert, „Ich wäre zufrieden damit, wenn die Flussmenge reduziert wird, der Bach aber erhalten bleibt und uns weiterhin grüne Natur in unserem geliebten Gelände schenkt.“ Andernfalls müsse er auch den Wasserstand des Teichs regelmäßig mit einem Gartenschlauch vom Haus aus stabilisieren.

Mit Neugier für die Natur

Für die NABU Friedrichsdorf ist außerdem die Jugendarbeit sehr wichtig. Kinder sollen schon früh die Natur kennenlernen und einen verantwortungsbewussten Umgang mit ihr lernen. In den monatlichen Treffen der NAJU (Naturschutzjugend) beschäftigen sich die rund zwölf Kinder im Alter von fünf bis zehn Jahren mit der Tierwelt auf dem Gelände und mit Naturschutzthemen. „Bei unserem vergangenen Treffen waren wir bei einem Imker, der uns die für uns lebenswichtige Honigbienen gezeigt und ihre Bedeutung erklärt hat“, berichtete Sonja Altmann. In diesem Jahr setzten sich die Kinder außerdem mit dem Braunbrustigel auseinander und gestalteten Infotafeln über das Tier, das auf der Vorwarnliste gefährdeter Arten steht. Die sieben Betreuerinnen, die sich in Tandems bei der Betreuung jedes Treffen abwechseln, geben zwar immer Themen vor, lassen den Kindern aber bewusst Freiraum zum eigenen Entdecken und Forschen. „Das Naturbewusstsein der Kinder hat in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen“, stellte Altmann erschreckend fest. „Früher sind viele mit einem stärkeren Bezug zur Natur aufgewachsen. Heute gehen kaum noch Eltern mit ihren Kindern in den Wald und auch der Respekt vor Tieren ist oft geringer geworden.“ Zudem wünschen sich die sieben NAJU-Betreuerinnen, Sonja Altmann, Karin Krüger, Gabriele Kunze, Conny Dinse, Sabine Stelter, Astrid Kavelage und Barbara Gogreve, dass sich noch mehr Familien trauen, ihre Kinder für die NAJU zu begeistern und ihnen die Natur wieder näherzubringen.

Bei Kaffee und Kuchen genossen einige Besucher den Nachmittag in gemütlicher Atmosphäre im Grünen.

Die Betreuerinnen der NAJU: Sonja Altmann, Conny Dinse, Karin Krüger, Gabriele Kunze und Vorsitzender Klaus Peikert.

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