Von Robotern und einer Odyssee: Sommerbrücke startet mit Wortwitz in den Kultursommer

Der Sommerbrücken-Slam lockte zahlreiche Besucher in den Friedrichsdorfer Sportpark. Mit selbst geschriebenen Texten, viel Humor und einer gehörigen Portion Kreativität gelang ein stimmungsvoller Auftakt des vierwöchigen Open-Air-Festivals.Fotos: Felix Biner

Friedrichsdorf (bin) – Sommerliche Temperaturen, gespannte Gesichter und die Vorfreude auf einen Abend voller Wortkunst: Am Sonntagabend füllte sich der Sportpark mit zahlreichen Friedrichsdorfern. Seit vielen Jahren zählt die Sommerbrücke zu den Höhepunkten des Friedrichsdorfer Sommers. An diesem lauen Sommerabend eröffnete der Sommerbrücken-Slam das vierwöchige Open-Air-Festival. Gemeinsam lauschten die Besucher den selbstverfassten Texten der Poeten, lachten, staunten und ließen sich von deren Geschichten mitreißen. Mehrere Stunden wurde auf dem Sportpark gelauscht und vor allem gelacht – ein rundum gelungener Auftakt für vier Wochen voller Kultur, Begegnungen und Sommerstimmung.

Begrüßt wurden die Besucher von Moderatorin Katharina Marosz. „Das Wichtigste ist, dass der Text selbstgeschrieben ist“, erklärte Marosz die Regeln. „Zudem gibt es für jeden Slammer ein Zeitlimit von sechseinhalb Minuten.“ Anschließend verteilte sie Wertungstafeln an die Publikumsjury, die in zahlreichen Stuhlreihen und Biertischgarnituren Platz genommen hatte. Mehrere Zelte und die umliegenden Bäume boten Schutz vor der noch warmen Abendsonne. Wie bereits im vergangenen Jahr versorgten die „Spießer“ und das Team von Garniers Keller die Besucher mit Essen und Getränken.

Den Anfang machte Poetry-Slammer Tim Kuppler mit einem Text über Roboter und künstliche Intelligenz. „Wieso muss ich im Internet eigentlich beweisen, dass ich kein Roboter bin?“, ärgerte er sich. „Soll der Roboter doch beweisen, dass er ein Mensch ist.“ Gleichzeitig konnte Kuppler den digitalen Gesprächspartnern durchaus etwas abgewinnen. „Wenn ich diesen frage, wie es ihm geht, antwortet er mir, dass er bereit sei, mir zu helfen und erkundigt sich nach meinem Wohlbefinden. Wenn ich meinen Onkel frage, antwortet er immer nur: ‚Muss!‘“ Auch wenn Kuppler sich darüber freue, inzwischen Bots zur Erstellung von Gedichten und Bildern zu haben – seine Steuererklärung müsse er immer noch selbst schreiben.

„Wir haben bei der Programmgestaltung wie jedes Jahr auf eine gute Mischung aus verschiedenen Genre gesetzt – Altbewährtes beibehalten, aber auch Neues hinzugefügt“, erklärte Kulturamtsleiter Jonas Steinert. „Die Vielfalt macht die Sommerbrücke aus.“ Die freiwilligen Spenden bei den kostenfreien Open-Air-Veranstaltungen ermöglichen es hoffentlich auch in Zukunft, dieses breite kulturelle Angebot aufrechtzuerhalten. Die großen Besucherzahlen seien für Steinert zudem ein Zeichen der Wertschätzung für die Kultur und dass dieses Angebot so gut angenommen wird, bereite ihm als Organisator natürlich große Freude.

Uli Höhmanns Beitrag trug den Titel „Wenn die Bahn ein Text wäre“. – Stille. – „Ding, Dong. Der nachfolgende Text verspätet sich um wenige Minuten“, begann der Slammer und sorgte damit bereits für die ersten Lacher. Jedoch war der Text dann mit ‚umgekehrte Wortreihung‘ unterwegs. Nach den Worten „Das Ende des Textes verzögert sich aufgrund einer Satzbaustelle“, verließ Höhmann unter großen Applaus die Bühne.

Der mehrfache Hessenmeister im Poetry Slam ,Jan Cönig, erzählte von seiner abenteuerlichen Odyssee nach Frankfurt ohne Handy und Navigationssystem. Dadurch sei er so orientierungslos, dass er sich vermutlich sogar in einer Einbahnstraße verirren würde. „Aber wenn ich hinter einem Auto mit Frankfurter Kennzeichen herfahre, werde ich schon ankommen“, dachte er sich. „Mit Sprit für 680 Kilometer sollte wohl nichts schiefgehen.“ Als er jedoch die polnische Grenze überquerte, wurde ihm klar, dass er dem falschen Fahrzeug gefolgt war. Auf eigene Faust versuchte er zurückzufinden, wobei Ortsschilder wie „Strippelnitz“ ihm nicht weiterhalfen. Selbst die berühmte Labyrinth-Taktik, sich immer links zu halten, führte ihn wieder und wieder nach Strippelnitz. „Tag 3 – Ich tanke nun, da 680 Kilometer doch schneller gefahren sind als gedacht“, erzählte Cönig und sorgte erneute für Gelächter. „Schlussendlich kam ich nach einer tagelangen Odyssee glücklich als neuer Bürgermeister von Strippelnitz zu Hause in Frankfurt an.“

Mit tosendem Applaus wählte das Publikum Jan Cönig zum Sieger des Sommerbrücken-Slams und Katharina Marosz überreichte ihm die Trophäe des Abends: Eine Friedrichsdorfer Gurke aus dem Garten ihrer Mutter.

Jan Cönig gewann mit seiner Odyssee durch „Strippelnitz“ den Sommerbrücken-Slam.

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