Sommerakademie: Treffpunkt der Kreativen

Bei Steinbildhauer Simon Vogt lernen diese Teilnehmer wie sie aus Kalk- und Tuffsteinen ihre Figuren herausarbeiten. Foto: fch

Friedrichsdorf (fch). Zum 17. Mal lädt die Sommerakademie der Kulturstiftung Friedrichsdorf alle „Begeisterungsfähigen, Wiss- und Lernbegierigen“ ein, sich eine Woche lang mit Gleichgesinnten in den Bereichen Kunst und Musik auszutauschen, spannende Projekte zu besprechen und kreativ umzusetzen.

Unter fachlicher Anleitung von elf Dozenten nutzen 90 Teilnehmer vom Kind bis zum Senior in neun Kursen das Angebot der 17. Sommerakademie der Kulturstiftung. Da wird in der Musikwerkstatt gesungen und musiziert, in der Kunstwerkstatt gehämmert, gesägt, gemalt und gesprüht, in der Fotowerkstatt werden digitale Bilder zu unterschiedlichen Themen aufgenommen, bearbeitet und besprochen.

Bei Dozent Bernd Bannach dreht sich alles im wahrsten Sinn des Wortes um Feuer und Eisen. Zehn Teilnehmer lernen bei ihm wie sie zehn Millimeter dicke Rundstahlstäbe mit glühenden Kohlen auf 1250 Grad erhitzen und dann die geschmiedeten Stäbe mit Werkzeugen bearbeiten, um Kunst aus Eisen zu kreieren. Bärenkräfte sind dank verschiedener Techniken weder beim Schmieden, Spalten, Lochen, Schneidbrennen, Feuer- oder Elektroschweißen nötig. Nachdem die Spitze des Rundstahls erhitzt ist, wird daraus eine Spirale geformt. Und schon verwandelt sich der Hirtenstab in einen Vogelkopf, der in Wellenlinien übergeht, die im unteren Bereich verdreht und dann noch mit einem Loch gekrönt werden. Am Ende hat sich der glatte Stab in einen echten, kunstvoll verzierten Hingucker für den Garten verwandelt. Julius Plassmann ist begeistert. Der 16-Jährige ist Schüler des Kaiserin-Friedrich-Gymnasiums und wollte in den Ferien einmal etwas Plastisches machen. Ganz so wie die Teilnehmer der Kurse Steinbild- und Holzbildhauerei, die von Simon Vogt und Ortrud Sturm geleitet werden. In beiden Kursen dürfen die Kreativen Skulpturen nach ihren eigenen Ideen oder Entwürfen gestalten. Entweder aus Kalk, Sand- und Tuffsteinen oder aus Birke-, Eiche- oder Ahornstämmen. Peter Koch aus Oberursel und Jörg Thüroff aus Bad Homburg bearbeiten konzentriert ihre Steine. „Ich bin zum ersten Mal dabei, will einen Widderkopf für meinen Garten gestalten“, verrät Peter Koch. „Ich bin bereits zum dritten Mal bei der Sommerakademie dabei, habe zuvor aus Marmor ein Auge und aus Kalksandstein eine Schildkröte kreiert. Dieses Mal soll es ein Frosch werden. Spannend finde ich, dass man von sich von außen nach innen vorarbeitet. Ideen sind gefragt, wenn plötzlich zu viel Stein abbricht.“

Hände kämpfen um Freiheit

Anspruchsvoll ist auch das Vorhaben von Klaus Siegler aus Frankfurt. Er hat bereits zum siebten Mal einen Kurs in der Sommerakademie belegt. Er will zwei Hände gestalten, die aus einem Spalt seines Ahornstammes kommen, und diesen auseinanderbiegen wollen, um sich zu befreien. Eine Skizze und das Holzmodell einer Hand dienen ihm als Vorlage. Derweil zeigt Ortrud Stein der Frankfurterin Beate Weil wie diese ihre Idee eines „engelartigen, abstrakten“ Reliefs fürs Wohnzimmer aus Birkenholz aus quer gehauenen Rundungen herausarbeiten kann.

Bei Uta Schneider lassen die sechs Teilnehmerinnen dagegen „Blatt für Blatt“ ein Künstlerbuch entstehen. „Wir nutzen das Medium Buch als unsere künstlerische Blattform, indem wir Vorder- und Rückseiten gestalten.“ Jede der Frauen hat von der Dozentin jeweils zwei Wörter wie „zwischen“, „Punkt“ oder „Waldwände“ bekommen. Aus ihnen soll ein Satz gebildet werden, der dann in eine neue visuelle Reihenfolge gebracht wird und in einem Leporello Eingang findet. Es wird mit Text und Bild experimentiert und dann beides verbunden. Die Seiten erzählen Geschichten mit und ohne Text, mit Collagen, Zeichnungen und Skizzen. Spannend ist es, aus den einzelnen Seiten ein Buch zu gestalten.

Bei Jan-Malte Strijek dreht sich alles um Graffiti. Der Dozent gibt seinen jungen Teilnehmern einen theoretischen Einblick in das weite Feld „Urban Art“ mit den Schwerpunkten Street Art und Graffiti. Er gibt eine Einführung in die Entstehungsgeschichte des „Graffiti-Style-Writings“ (Buchstaben), erläutert verschiedene Graffiti-Stile und zeigt nach den Buchstaben wie Figuren mit der Sprühdose gezeichnet werden. Die beiden Ober-Erlenbacher Ole und Tim sind begeistert. Die Zwölfjährigen entwerfen Rohskizzen auf Papier, Zeichen und Sprühen. Wer will, kann den jungen Graffiti-Künstlern am Donnerstag und Freitag an der Brücke in der Talstraße beim kunstvollen Sprühen zusehen.

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