Autonomes Fahren auch im Hochtaunuskreis? Es wird dauern!

Günter Bertolini und Sofia Pavlakis folgten der Einladung von Dr. Christian Holst (li.), um über die Möglichkeiten des autonomen Fahrens zu informieren.Foto: privat

Glashütten (kw) – Vor einigen Jahren war es noch Science-Fiction, heute kann man es selber ausprobieren: (fast) fahrerlose Autos, die sich im Kreis Offenbach über Landstraßen und durch den Darmstädter Stadtverkehr manövrieren und nach Bedarf Fahrgäste aufnehmen und wieder absetzen. Wie nah diese Zukunft bereits ist, stellten vergangene Woche Sofia Pavlakis (rms) und Günter Bertolini (RMV) auf Einladung von Bündnis90/Die Grünen im Evangelischen Gemeindehaus in Glashütten vor. Sie berichteten in einer gut besuchten Veranstaltung aus dem Projekt „KIRA“, in dem genau diese Zukunft auf ihre Praxistauglichkeit getestet wird.

In seiner Begrüßung wies Dr. Christian Holst (B90/Die Grünen) darauf hin, dass in einer Gemeinde wie Glashütten gerade die Verbindungen zwischen den Ortsteilen erheblich verbessert werden müssen. Neue Technologien wie etwa autonomes Fahren können da neue Möglichkeiten eröffnen. Deshalb habe die Gemeinde auf Betreiben der Grünen bereits ein Konzept für ein Shuttle-on-Demand erstellen lassen, um zu prüfen, wie diese Verbindungen ausgebaut werden können. Autonomes Fahren könnte da ein nächster Schritt in der Entwicklung sein.

In den Vorträgen von Günter Bertolini und Sofia Pavlakis wurde schnell deutlich, dass die Technologie für autonomes Fahren bereits steht und funktioniert. Aber ebenso wichtig sei, wie die Möglichkeiten, die diese Technologie eröffnet, für den Öffentlichen Nahverkehr genutzt werden können. Denn große Möglichkeiten bieten sich gerade in ländlichen Regionen, wo in der Kombination von On-Demand-Verkehren mit autonomen Fahrzeugen Personen bis in die Nähe ihrer Haustür befördert werden können. So werden im Testgebiet von KIRA nach Bedarf insgesamt 138 Haltepunkte mit sechs eingesetzten Fahrzeugen angefahren.

Für Metropolregionen wie Rhein-Main ergibt sich damit ein Dreiklang aus Schienenverkehr, Bussen und On-Demand-Verkehr, der es erlaubt, große Personenmengen effizient bis in kleine und schlecht erschlossene Gebiete zu befördern. Busse werden dann dort eingesetzt, wo sie zu Stoßzeiten Schüler und Pendler transportieren; in Randzeiten, wo es nicht so viele Fahrgäste gibt, werden die kleineren, aber flexibleren On-Demand-Verkehre genutzt, was dann sogar Kosten spart.

Für Menschen ohne Führerschein oder für Ältere, die sich im Straßenverkehr nicht mehr sicher fühlen, sind solche Angebote essenziell, um auch weiterhin mobil zu sein und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Insgesamt hätten im Rhein-Main-Gebiet bislang rund vier Millionen Fahrgäste solche Shuttle-on-Demand-Angebote genutzt; jeder vierte Fahrgast habe angegeben, dass dies Fahrten mit dem eigenen Auto ersetzt habe.

Aber auch darauf wiesen die beiden Referenten in ihrer Präsentation und in der anschließenden Diskussion hin: Im Moment geschieht das autonome Fahren nur im Testbetrieb, denn bislang gibt es noch keine serienreifen, in Deutschland zugelassenen Fahrzeuge – auch wenn daran gearbeitet wird. Die eingesetzten Fahrzeuge sind somit Prototypen und damit sind die Kosten für solche Fahrzeuge noch sehr hoch. Neben den Fahrzeugen schlagen darüber hinaus noch die Einrichtung der Fernüberwachung, der Wartung und der Ladeinfrastruktur zu Buche. Kostengünstig werden solche Projekte dann, wenn durch hohe Stückzahlen die Anschaffungspreise sinken und wenn übergreifend Kreise und Verkehrsverbünde zusammenarbeiten. Letzteres ist auch deshalb notwendig, wenn man das Thema „autonomer Verkehr“ nicht allein privaten Anbietern überlassen wolle, sondern es in ein Gesamtkonzept „Öffentlicher Personennahverkehr“ nutzbringend einbinden wolle.

Und wann kann ein solcher Verkehr im Hochtaunus eingeführt werden? Da machten die beiden Referenten zunächst wenig Hoffnung: Geplant ist, das KIRA-Projekt innerhalb der nächsten fünf Jahre in eine größere Modellregion für autonomes Fahren zu überführen – und die läge dann doch eher wieder wie bisher in der Rhein-Main-Ebene als im Hochtaunus.



X