Glashütten (kw) – In Glashütten war am Samstag, 18. Oktober, einmal mehr ein musikalisches Glanzlicht zu erleben. Zwei Brüder eroberten mit ihren Instrumenten Klarinette und Klavier die Ohren und Herzen der Kulturkreis-Fans im Sturm, mit einem abwechslungsreichen Programm, kenntnisreicher und charmanter Moderation, großer Musikalität und wie selbstverständlich erscheinender technischer Perfektion. „Wie bekommen sie bloß immer diese tollen jungen Künstler nach Glashütten?“, wurde hinterher gefragt. Dieses Mal war es wohl ein reiner Zufall, der Kontakt kam über eine Glashüttenerin zustande, die das Duo bei einer Kreuzfahrt erlebt hatte und die beiden ansprach. „Sie waren zu unserem Glück sofort bereit“, erklärt der Vorstand des Kulturkreises.
Mit der schmissigen „Brasiliera“ aus Darius Milhauds ursprünglich für zwei Klaviere geschriebenen Suite „Scaramouche“ legten sie erst einmal los, um gleich einen starken Kontrast dagegen zu setzen, nämlich mit dem langsamen Satz aus Mozarts Klarinettenkonzert A-Dur. Diese wunderbare, melancholische Melodie zählt sicher zu den populärsten Werken des genialen Komponisten, der die Klarinette bekanntlich sehr liebte – besonders ihre tiefe Lage. Adam Ambarzumjan, der Klarinettist, führte die im Verhältnis zur üblichen B-Klarinette etwas längere und tiefere A-Klarinette vor und spielte sie ungemein geschmeidig und mit weitem Atem, der den letzten Ton des Stückes ins Nichts gleiten ließ. Hier wie auch in drei „Liedern ohne Worte“ von Felix Mendelssohn Bartholdy zeigte sich eine edle Ausgewogenheit im Klang der beiden Instrumente. Hamlet, dem Pianisten, gelang dabei eine so samtige Bassbegleitung, dass man sich unwillkürlich nach einem Kontrabass im Saal umsah. Eine Volksliedbearbeitung des armenischen Priesters, Sängers, Komponisten und Musikethnologen Komitas Vardapet (1869-1935), Claude Debussys Premier Rhapsodie und Leonard Bernsteins Klarinettensonate rundeten das Programm vor der Pause mit Klezmerklängen, impressionistischen Harmonien und rhythmischen Akzenten ab.
Astor Piazzollas „Libertango“, in dessen Titel schon die von seinem Komponisten intendierte „Befreiung des Tango“ (und damit die Begründung des „Tango Nuevo“) benannt wird, läutete die zweite Runde ein, in der anschließend dem berühmten „König des Klezmer“, Giora Feidmann, mit einem Stück des Ungarn Béla Kovács die Reverenz erwiesen wurde. Adam verwies bewundernd darauf, dass Feidmann, der im kommenden Jahr immerhin 90 Jahre alt wird, noch immer erfolgreich konzertiert! Die beiden jungen Solisten des Abends wandten sich nun zwei großen Virtuosen des 19. Jahrhunderts zu: Franz Liszt und Pablo de Sarasate, wobei Franz Liszts Liedvertonung „O lieb, so lang du lieben kannst“ kaum virtuos, vielmehr sehr lyrisch daherkommt – die Melodie dürfte den Älteren noch aus der TV-Werbung vertraut sein. De Sarasates „Carmen-Fantasie“ dagegen ist nun wahrlich ein virtuoser Brocken, mit dem sonst Violinsolistinnen und -solisten brillieren und große Säle füllen. In Glashütten begeisterten Hamlet und Adam mit einer Bearbeitung des Pariser Klarinettisten Nicolas Baldeyron, die in puncto Raffinesse und technischem Anspruch das Original möglicherweise noch übertraf. Ebenso hochvirtuos die folgende eigene Bearbeitung von Gershwins „Rhapsody in Blue“ mit ihren Glissandi, Blue Notes und dem gesamten Orchester plus Klaviersolo im Klavier. Giora Feidmanns Komposition „Let’s be happy“, bei der das Klavier am Anfang durch die hineinblasende Klarinette zum Klingen gebracht wurde (ein sehr reizvoller Effekt!), markierte den offiziellen Abschluss des Programms, mit einem überraschenden Kniefall des Klarinettisten – alles jubelte. Gershwins „I got Rhythm“ und der „White Head Blues“ entließen das aufgekratzte, bestens gelaunte Publikum hinaus in den herbstlichen Abend. Gut, dass es auch „auf dem Land“ so tolle Konzerte gibt!