Glashütten (as) – Es sind schöne Bilder, die Glashütten da von sich zeigt. Im Drohnenflug geht es auf der Startseite der neuen Website des Gewerbevereins Glashütten über die drei Ortsteile: Viel Grün, viel Wald, schön eingebettete Orte – in diesem Umfeld lässt es sich auf jeden Fall schon einmal gut leben … Die Botschaft hinter diesem Auftritt lautet aber konkret „ … und gut arbeiten!“. Denn in Glashütten demonstrieren Gewerbe und Politik jetzt noch deutlicher den Schulterschluss: Zu den schönen Bildern im Internet gehört das Motto „Kleine Gemeinde – Geballte Kompetenz“. Wie sie das gemeinsam bei den Themen Wirtschaftsförderung und Standortmarketing anpacken, haben Gewerbeverein und Verwaltung jetzt auf einer gemeinsamen Pressekonferenz im Rathaus erklärt.
In erster Linie geht es darum, in allen Ortsteilen neue Flächen für das Gewerbe auszuweisen, denn aktuell gebe es keine Erweiterungsflächen mehr, nachdem ein großer Sanitärbetrieb in Schloßborn, gleichzeitig der größte Gewerbesteuerzahler, dessen Abwanderung befürchtet werden musste, zuletzt doch noch am Ort versorgt werden konnte. „Es ist wichtig, dass wir Heizungsbauer, Sanitärbetriebe, Elektrobetriebe, Dachdecker haben“, unterstrich Bürgermeister Thomas Ciesielski. Zur Nahversorgung und als Gewerbesteuerzahler seien sie auch wichtig für die Bürger Glashüttens, und dazu gehöre, dass sich die Kommune auf deren Wachstum und deren Erweiterung einstelle. Auch vor dem Hintergrund, dass die Einnahmen der Gemeinde aus der Gewerbesteuer nach einem Hoch im Jahr 2023 (2,4 Millionen Euro) seit zwei Jahren rückläufig ist – und der Erfahrung, dass ein eingesessener Kfz-Betrieb vor nicht allzu langer Zeit im benachbarten Waldems-Esch bessere Perspektiven sah. Ein guter Gewerbe-Mix und generell mehr Betriebe würden helfen, diese volatile Steuer berechenbarer zu machen, so Ciesielski.
Birgit Götte, 2. Vorsitzende des Gewerbevereins, der aktuell rund 60 Gewerbetreibende als Mitglieder hinter sich weiß und weiter wachsen möchte, betonte dazu, wie wichtig es sei, „eine gute Infrastruktur zu behalten“. Der Vorsitzende Dr. Matthias Eickhoff lobte den „tollen Austausch“ und dass das Gewerbe mit seinen Anliegen „permanent eine offene Tür“ im Rathaus habe. Das sei nicht selbstverständlich.
Um ein Thema gleich abzuräumen: „Grün und Landschaft – das soll so bleiben“, sagte der Bürgermeister. Man habe in das Thema investiert, den Limesturm unterstützt, Gastronomie und Gewerbe profitierten von den Wandermöglichkeiten, die Tagestouristen in den Ort locken. Auch der Gewerbeverein betont diese Schiene traditionell: „Wir haben bisher mit der Freizeitkarte auch stark auf den Tourismus gesetzt“, sagt Beisitzer Pascal Kulcsár, der auch für den neuen Internetauftritt verantwortlich zeichnet. Auch das vierteljährlich erscheinende Glashütten Magazin, gerade in der 50. Auflage herausgekommen und ein herausragendes Schaufenster der Gemeinde, um das man im IHK-Bezirk beneidet werde, wie Herausgeber Matthias von Bredow wusste, hat auf seinem Titel immer die Naturschönheiten der Gemeinde betont. Aber Grün allein reicht eben nicht, wenn man weiter gut im Grünen leben möchte. Schornsteine sollen es aber auch nicht sein.
Ciesielksi hält den Skeptikern an Neuansiedlungen, die es vor allem in Oberems gibt, entgegen, dass es bei Wirtschaftsförderung im Maßstab Glashüttens ganz und gar nicht um große Industriegebiete und auch nicht um die Ansiedlung von produzierendem Gewerbe gehe. „Zehn Hektar“, einst unter seiner Vorgängerin für Oberems im neuen Regionalen Flächennutzungsplan als Reserve geplant, „sind viel zu groß“, so der Rathauschef. Er sagte es nicht zum ersten Mal, muss sich beim Aufregerthema in der Gemeinde seit zwei Jahren aber immer wieder Gehör verschaffen. Er brachte bei dem Pressetermin gleich mehrere geeignete und mit dem Ortsbild verträgliche Flächen ins Gespräch: Im Schloßborner Gewerbegebiet „Im Buhles“ sieht er weitere Möglichkeiten, insbesondere für Gartenbaubetriebe, auch der Caromber Platz sei im Blick zu halten. In Oberems könnte man sich im Rahmen der Erschließung am Ortsrand für die Feuerwehr auch noch Platz für einige Betriebe dahinter vorstellen. Auch mit dem dann frei werdenden alten Feuerwehrhaus im Heuweg lasse sich etwas anfangen, vielleicht sogar ein kleiner Lebensmittelmarkt aufbauen. Es gehe immer um kleinere Parzellen, das sind auch die Erkenntnisse der Verwaltung und die Wünsche der Bürger aus der Arbeit am Integrierten Kommunalen Entwicklungskonzept (IKEK), das noch immer beim Amt für ländlichen Raum in Prüfung ist und im Herbst endlich amtlich werden soll.
Schwieriger ist die Suche im Hauptort. Den Bauhof neben der Feuerwehr würde Ciesielski gerne wegbekommen – aber ob dieser in der Nachbarschaft des neuen Funktionsgebäudes des Wasserwerks an den Salzsilos außerhalb des Orts an der B8 gut aufgehoben wäre, da ist er selbst noch nicht so recht überzeugt. Struktur erhalten ist aber ebenso eine Aufgabe wie deren Erweiterung: Dass die Post-Agentur im derzeit geschlossenen Geschäft „et cetera pp“ zum 1. August wieder betrieben wird, konnte er bereits verkünden. Der Zuschlag für einen der beiden Interessenten mit neuen Konzepten werde durch die Vermieterin in diesen Tagen erfolgen.
Gewerbeverein sorgt für Vernetzung
Vielleicht ist da auch gleich ein neues Mitglied des Gewerbevereins gefunden. Der gibt sich im besten Sinne umtriebig, will seinen Mitgliedern einiges bieten und kann dies mit der neuen Website bereits. Mit ihrem neuen Look ist ihr auch eine neue Aufgabe zugewiesen worden, erklärte Kulcsár. Der Auftritt – Stichwort „geballte Kompetenz“ – ist stark auf die Gewerbetreibenden zugeschnitten worden, um ihre Sichtbarkeit auch gegenüber den Bürgern zu stärken. In Listen sind alle Mitglieder nach Branchen sortiert zu finden. Und jedes Jahr werden zehn von ihnen groß im Netz präsentiert – in Text, Fotos und Reals, wie die kurzen Videos heute nur noch genannt werden. Und zwar authentisch, wie sie sind, aber auch, was sie draufhaben. Der Begriff „Hidden Champions“ machte die Runde während des Gesprächs.
Die Idee dahinter ist eine stärke Vernetzung im Ort nach dem Motto „Du hast ein Problem – Du findest eine Lösung“ – und zwar im Ort und über alle Kanäle. Die Verknüpfung mit Social Media (Instagram und Facebook) wurde „neu gedacht“, so Kulcsár. Umgesetzt werden die Storys von der neuen Beisitzerin Sonja Prein, die auch Mitglied im KI-Verband Frankfurt ist. Für viele Betriebe ist es der erste Kontakt mit Social Media und das gleich auf einem sehr hohen Niveau. Der Basisauftritt ist für die Mitglieder im Übrigen kostenlos, er wird vom Gewerbeverein übernommen. Dafür sind aber auch die Beiträge erhöht worden, und es wurde erstmals eine Beitragsstaffel nach Betriebsgröße eingeführt. „Wir konnten erklären, dass es Vorteile hat“, sagte Kulcsár. Nur zwei Austritte habe es deswegen gegeben.
Im Gegenzug setzen Eickhoff und Co. jetzt auf weitere Eintritte und einen bunten Gewerbemix. 785 Gewerbetreibende gibt es in Glashütten bei 5.500 Einwohnern – diese verblüffende Zahl nannte Ciesielski. Darunter seien aber viele Einzelbetriebe, die weniger für eine Mitgliedschaft infrage kommen. 300 sei die harte Zahl.
Es gibt also noch einiges an Potenzial, das der Gewerbeverein heben könnte. Auch mit weiteren innovativen Formaten, die bereits erfolgreich erprobt sind, wie das Gewerbefrühstück und Fortbildungsveranstaltungen, wo die Mitglieder ihr Know-how teilen und sich weiter vernetzen in der Welt der Netzwerke. Sogar über eine Gewerbeschau wird schon gesprochen, am ehesten im Kulturzentrum in Schloßborn, wenn dieses (vermutlich Ende 2027) grundhaft renoviert wieder bereitsteht. Die Zukunft wartet nicht auf Glashütten, aber die Gemeinde hat erkannt, dass man sie mit allen Akteuren im positiven Sinne selbst gestalten kann.

