Tanz auf 48 Saiten mit dem Duo Ozaki

Glashütten (kw) – Der 6. September war auch in Glashütten noch einmal ein schöner Spätsommertag, und die Besucherinnen und Besucher des dortigen Bürgerhauses konnten durch die großen Fenster des Saales wie schon oft einen prächtigen Abendhimmel bewundern, bevor ein ganz besonderes Konzert begann: Unter dem Titel „vielseitig & vielsaitig“ spielten Katerina und Toshinori Ozaki Musik der Renaissance und des Barock, die in einem Zeitraum von ungefähr 200 Jahren vom 16. bis ins 18. Jahrhundert entstand. Ziemlich „Alte Musik“, könnte man meinen – aber nein, quicklebendig und in weiten Teilen tänzerisch präsentierte das Künstlerpaar diese in den meisten Konzertsälen immer noch selten zu hörenden Werke. Die vielen Saiten waren auf sechs Instrumente gespannt, nämlich Barockvioline, Viola (Bratsche), Fidel, Renaissancelaute, Theorbe und Barockgitarre, die von den beiden hochvirtuos und mit sichtlicher Spielfreude zum Klingen gebracht wurden.

Das zeigte sich gleich zu Beginn in der Madrigalbearbeitung „Vestiva i Colli“ des italienischen Renaissancekomponisten Francesco Rognoni, der als Flötist und Geiger vor gut 400 Jahren in und um Mailand lebte. Schnelle Läufe, Triller und Verzierungen umspielten die ruhige Lauten-Begleitung zu diesem Loblied auf den Frühling, es klang wie Vogelgesang. Ein anderer Frühlingsbote schloss sich an: Der musikalisch eher simple Kuckucksruf diente dem im kaiserlichen Wien des Frühbarock tätigen Johann Heinrich Schmelzer als Motiv für eine kurze Sonate, die ebenfalls üppig mit Ornamenten und lebhaften Bewegungen der Violine glänzte.

„Ich habe den ersten Teil des Programmes unter das Motto ‚Lieder ohne Worte‘ gestellt – natürlich nicht von Mendelssohn“, erklärte Toshinori Ozaki. Und so bildeten die Renaissance-Hits „Flow my tears“, „Can sheexcuse“ „Green sleeves“ und „Mille regretz“, deren Melodien damals buchstäblich jedes Kind kannte, das musikalische Material für Stücke von John Dowland (die wohl bekanntesten Versionen, von der Laute solo und mit Fidel als Melodieinstrument vorgestellt), Johann Schop und Diego Ortiz. Faszinierend, wie sich schon in so früher Zeit Lieder über ganz Europa ausbreiteten, von Frankreich nach Spanien oder von England nach Deutschland – ohne schnelle Verkehrsmittel und ohne die Möglichkeit, Noten zu drucken und zu verteilen. So volkstümlich und eingängig sind diese Songs anscheinend noch heute (und waren es wohl zu allen Zeiten), dass sie auch 2025 bei einigen Zuhörenden im Bürgerhaus die Lust weckten, danach zu tanzen.

Passend dazu prägte „Tanzmusik“ den zweiten Programmteil, denn „Suiten“ waren ja im Barock nichts anderes als Zusammenstellungen bekannter und beliebter Tänze. Tanz wurde ganz besonders am Hof Ludwigs XIV. gepflegt, der selbst ein hervorragender Tänzer gewesen sein soll. Natürlich war sein Hoflautenist Robert de Visée dabei, wenn aufgespielt wurde, und einige seiner Kompositionen sind erhalten. Seine Suite in G-Moll wurde von Violine und Theorbe bravourös gestaltet. Für den Schluss hatte sich das Duo Ozaki die sehr unterhaltsame Sonata Representativa von Heinrich Ignaz Franz Biber aufgehoben, in der der böhmische, später in Salzburg angestellte Barockkomponist sechs verschiedene Tiere (und ein „Muske-tier“ mit einem Marsch) zu musikalischem Leben erweckt. Ein nicht nur akustisches Erlebnis, wie die Nachtigall schlug, der Frosch quakte und Henne und Hahn stritten. So schloss sich der Kreis zu den Vogelstimmen des Beginns, und das begeisterte, beschwingte Publikum erklatschte sich als Zugabe „Corrente del Ballo“ von Francesco Corbetta, noch einen Tanz, zu dem Toshinori Ozaki seine Barockgitarre hervorholte und alle beschwingt in die Spätsommernacht entließ. Wie immer kann der Rezensent nur empfehlen, sich solche Abende in Glashütten nicht entgehen zu lassen.

Vielseitig virtuos auf den verschiedensten Saiten: Das Duo Ozaki beeindruckte mit selten gehörten Barock- und Renaissance-Stücken.Foto: privat



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