Waldführung rund um den Glaskopf zeigt die Notwendigkeit einer ökologischen Bewirtschaftung

Das Buchenhabitat am Glaskopfrundweg soll vom Holzeinschlag verschont bleiben.

Foto: privat

Glashütten (kw) – Gut besucht trotz großer Hitze war die Waldführung des BUND Königstein-Glashütten und der Interessengemeinschaft zum Schutz der Landschaft Glashüttens (IGEL) im Gebiet des Glaskopfes.

Referent war Volker Ziesling, Diplomforstwirt und Leitender Forstamtsdirektor a.D. aus Rheinland-Pfalz. Er steht für eine „Waldwende“, besonders dringend in Zeiten, in denen sich der Wald durch den Klimawandel, damit einhergehende extreme Trockenheit und Schädlingsbefall im Wandel befindet. Die Essenz seines anschaulichen Vortrags mit Stationen an besonders signifikanten Punkten im Wald: Der Wald ist extrem gefährdet, und das Interesse an seiner Erhaltung als Raum für Erholung, Artenvielfalt und Sauerstofflunge sollte ab sofort Priorität haben. Wir sollten deshalb unsere Anstrengungen darauf richten, wie wir sein Fortbestehen auch in der Zukunft unterstützen können. Dahinter müssten wirtschaftliche Interessen von HessenForst und privaten Waldbesitzern zurücktreten. Die „schwarze Null“ bei der Waldbewirtschaftung ist nach dieser Priorisierung ein längst überholtes und auch unrealistisches Ziel.

Dass es bei der Analyse des jetzigen Waldzustandes auf das Einbeziehen unterschiedlicher Standpunkte ankommt, wurde auch daran deutlich, dass der Leiter des Forstamtes Königstein, Sebastian Gräf, und der Bürgermeister der Gemeinde Glashütten, Thomas Ciesielski, eingeladen waren. Einig war man sich darin, dass alles getan werden müsse, um den „Patienten“ Wald vor irreversiblen Schäden zu schützen, soweit es sich vom Menschen beeinflussen lässt.

Treffpunkt und Ausgangspunkt der Waldwanderung war der Parkplatz an der Tenohütte. Wenn man von dort aus dem oberen Rundweg um den Glaskopf bis zum Steinbruch folgt, sieht man bereits hier eine große Kahlschlagsfläche , die sich hoch bis zum Glaskopf zieht. Nach den heißen und trockenen Sommern 2018 bis 2020 wurden die meisten Nadelbäume dort wegen eines massiven Befalls von Borkenkäfern gefällt. Das Gleiche gilt für den ehemals dichten Nadelwald unterhalb der Tenohütte am Eingang des Wanderweges zum Großen Zacken. Nachgewachsene junge Bäume auf dem Glaskopf fielen 2025 einem Brand zum Opfer.

Holz wird als nachwachsender Rohstoff benötigt. Insofern liegt es nahe, dass der Wald im verträglichen Maße als Wirtschaftswald genutzt wird, zumal die Nachfrage nach Holz weltweit das Angebot übersteigt. Die Kritik Zieslings: Leider wird ein großer Teil des wertvollen Holzes lediglich für die Papiererzeugung, also für Verpackungsmaterial, Zellstoff und ähnliche Produkte genutzt, ein anderer Teil, auch Buchenholz, wird zu Brennholz oder Pellets. Eine Kaskadennutzung setzt man inzwischen ein, um zum Beispiel Papier und Holzmöbel zu recyceln. Trotzdem ist in Deutschland der Pro-Kopf-Verbrauch mit 0,5 Kubikmetern Holz doppelt so hoch wie der globale Durchschnitt.

Positiv kann vermerkt werden, dass wenigstens in Hessen im Zuge der Einführung einer ansatzweise naturgemäßen Forstwirtschaft der Anteil der Laubbäume 62 Prozent beträgt. Allerdings hat die derzeitige Landesregierung von Hessen die Bewirtschaftung nach FSC (Standard für die nachhaltige Waldbewirtschaftung) aufgegeben, was einen Rückschritt hinsichtlich der naturnahen Waldwirtschaft mit sich bringt.

Es ist in Hessen laut Richtlinien für den Forst nur gestattet, dass größere Fällarbeiten von Laubbäumen bei „günstigem Zustand“ des Waldes vorgenommen werden. Dieses Etikett wurde nach Meinung von namhaften Fachleuten für Naturschutz in der letzten Zeit allzu großzügig trotz zunehmender Waldschäden vergeben, auch durch Veränderung der Kriterien für einen günstigen Zustand. Für einen gesunden Wald ist es wichtig, dass der Waldboden schattig bleibt, also nur wenige einzelne Bäume herausgefällt werden und Totholz, als Schattenspender und Helfer bei der natürlichen Sukzession, liegen bleibt. So trocknet er nicht aus, bleibt als Habitat unterschiedlichster Arten erhalten und man fördert die Biodiversität.

Ein solches gesundes Habitat von Buchen findet sich zum Beispiel auch am Glaskopf, nur einzelne freistehende Bäume zeigen sich als durch den Sonnenbrand geschädigt. Auf dieser Waldwanderung wurde immerhin betont, dass allen Verantwortlichen die Bedeutung dieses wunderschönen Bestandswaldes klar ist und dieser nicht durch Holzeinschlag beeinträchtigt werden darf.

Problematisch ist die Tatsache, dass die Holzernte und -abfuhr auch hier kommerziellen Unternehmen überlassen wird, die mit Harvestern arbeiten, durch die feuchter Waldboden geschädigt wird und durch zu nah beieinander liegende Rückegassen unzählige Schneisen in den Wald geschlagen wurden.

Dabei hat sich das Forstamt Königstein, das auch für den Staatswald in Glashütten zuständig ist, einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung unter Berücksichtigung des Naturschutzes verschrieben. Deshalb werden wertvolle seltene Pflanzen, Tiere wie der Uhu und auch Waldbäche gezielt geschützt, unter anderem durch Patenschaften, Pflege, Nistkästen und Wanderkorridore.

In den vergangenen Jahren gab es auch in Zusammenarbeit von Gemeinde und Forstamt diverse Pflanzaktionen, um den Anteil des Laubwaldes auszudehnen. Bei anhaltender Trockenheit haben aber die jungen Bäume wenig Chancen, dauerhaft im Wald anzuwachsen. Vorzuziehen sind laut des Referenten die natürlichen Methoden, also Bucheckern, Eicheln und andere Baumsamen auf den Waldboden zu bringen und neben der natürlichen Verteilung von Samen durch die Vögel und den Wind für ein behutsames, allmähliches Aufforsten zu nutzen. Auch die heimische Brombeere und die Birke haben in diesem neuen, natürlichen Bewuchs ihren Platz.

Dauerwälder gefordert

Abschließend resümierte Volker Ziesling, dass nicht die Verdammung der hergebrachten Forstwirtschaft, die aus verständlichen Gründen den Wald auch wirtschaftlich nutzt und damit die Kosten der Beforstung senken soll, angezeigt ist, sondern angesichts des klimatischen Wandels dringend ökologisch nachhaltige Konzepte umgesetzt werden müssten. Im Zuge einer solchen Forstwirtschaft und der Ausweitung von Dauerwäldern mit vielstufigem Baumalter würden nur noch einzelne Bäume mit traditionellen Methoden gefällt und zum Beispiel mit einer Seilwinde herausgeholt. Nur so werden Waldboden und Biodiversität geschützt, die für ein Überleben des Waldes unerlässlich sind.

Ein sterbender Wald ist überdies nur noch wenig für die Holzwirtschaft nutzbar.

Die Interessengemeinschaft zur Erhaltung der Landschaft Glashüttens und der BUND setzen sich nachdrücklich für den Erhalt und Schutz unseres Waldes ein. Wichtig ist es den Partnern, in dieser Sache weitere Mitstreiter zu finden, so Birgit Gräfe von der IG.



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