Die Schöne und das Biest – traumhaft inszeniert

Na, wer mag sich da wohl hinter dem braunen Vorhang verstecken? Die Gesichter verraten deutlich, dass es diesbezüglich verschiedene Erwartungen gibt. Schlag auf Schlag begeisterte das Kinder-Ensemble der Schloßborner Laienbühne das Publikum mit einer turbulent auf die Bühnenbretter gezauberten Vorstellung. Foto: Menigat

Schloßborn (bm) – Gespannt saßen vierzig Kinder auf den Bänken und Stühlen vor den Reihen des gut besetzten, großen Publikums in der Schloßborner Mehrzweckhalle. Viele kleine Mädchen hatten sich selbst wie Prinzessinnen angezogen und konnten es kaum noch erwarten, die schöne Bella und das schreckliche Biest zu sehen.

Doch zunächst erschien ein Ansager im eleganten Frack (Antonin Bau) vor dem Vorhang, der das Publikum souverän begrüßte und eine kurze Einführung gab. Dann fand sich das Publikum des Kinder-Ensembles der Schloßborner Laienbühne vor der Hütte des Tuchhändlers Balthasar (Tom Wecke) wieder, der hier mit seiner Tochter Bella (Esther Hosius) und der Magd Berta (Siria Gattuso) lebt. Der Vater ist verzweifelt, da seine Kunden nicht zahlen. Als plötzlich der reich gekleidete Steuereintreiber (Nils Sander) und sein Knappe (Lukas Wolf) auftauchen, wird es heikel.

Schnelle Szenenwechsel

Vor dem Vorhang ging es mit dem Erzähler weiter. Der Vater bekommt sein Geld nicht und verirrt sich auf dem Rückweg von der Stadt im Wald. Eine Hexe (Matilda Wojdyno) schickt ihn zu einem verwunschenen Schloss. Während er sich auf den Weg macht, treten zwei merkwürdige Gestalten an die Rampe: der Diener Bertram (Chantal Gräfe) mit langen Eselsohren und die Zofe Kathrinchen (Caroline Hosius) mit Schweinsöhrchen und Schweinenase. Sie sind besorgt, denn in nur dreißig Tagen läuft die Frist ab, in der sie und alle Bewohner des Schlosses noch gerettet werden können!

Und dann öffnete sich der Vorhang und ein begeistertes „Aaah!“ erklang. Manfred Kunz und sein Team hatten eine beeindruckende Kulisse geschaffen: den königlichen Saal. Als der Vater laut ruft, hallt seine Stimme schaurig durch das seltsame Gemäuer. Hier zeigte das Technik-Team um Dr. Martin Ring, Johannes Vogel und Michael Kuhn Liebe zum Detail mit extra langen Hallfahnen und angedeutetem Echo.

Bellas Vater stärkt sich am gedeckten Tisch und schläft ein, während die Hexe den Dienern erläutert, dass er am Morgen eine Rose für seine Tochter brechen wird und für diesen Frevel seine geliebte Tochter geben soll.

Tolle Kostüme und Maske

Als Balthasar dann tatsächlich eine Rose für Bella bricht, stürzen nicht nur Diener und Zofe herbei, sondern auch das schreckliche Untier. Groß, mächtig und bedrohlich grollend stürmt das Biest (Leander Böer) auf die Bühne. Riesige Hörner, gefährliche Reißzähne, zotteliges Fell, ein grimmig-trauriges Gesicht – die Maske (Miriam und Kathrin Rentschler) hat ganze Arbeit geleistet. Wutschnaubend und mit heiserer Stimme verlangt das Biest Genugtuung.

Nach so viel Action auf der Bühne war es gut, dass sich der Vorhang wieder schloss und der Erzähler noch einmal zusammenfasste. Bella und die Magd Berta sind bestürzt über den Bericht des Vaters und Bella will dem garstigen Schlossherrn gehörig die Meinung sagen. Spornstreichs läuft sie davon, wird aber von den beiden Dienern überfallen und mit verbundenen Augen ins Schloss gebracht, wo man sie als Herrin begrüßt.

Plötzlich marschierte eine seltsame Parade mitten durch das Publikum herein: eine Teekanne (Alina Mader), eine Tasse (Felicia Cech), ein Kerzenleuchter (Marie Wojdyno) und eine Uhr (Eliana Cech). Die Gestaltungskunst der Kostümbildner um Michèle Kunz schien keine Grenzen zu kennen. Alle Mitwirkenden hatten eindrucksvolle und passende Kostüme, die jeden Schauspieler perfekt in Szene setzten, liebevoll bis ins Detail und immer mit dem Blick für das harmonische Ganze.

Bella lässt sich von den sprechenden Utensilien ein wunderschönes gelbes Kleid anziehen. Während ihre Helferlein abziehen, erwartet sie mutig den Herrn des Hauses. Doch wie erschrocken ist sie, als das Biest hereinkommt! Sie will fliehen, wird aber von dem schnell und entschlossen handelnden Ungetüm aufgehalten. Da sie nicht gehen darf, wird Bertram mit einer Nachricht und Gold zu ihrem Vater geschickt. Dann führt das Biest die Schöne in den Schlossgarten.

Nachdem zwei süße, kleine Schweinchen (Antonia Hosius und Marie Wojdyno) perfekt die Pause ankündigten, erhob sich ein begeistertes Publikum. Einige stärkten sich mit Kaffee und Kuchen, andere mit Getränken und Würstchen, aber alle waren sich einig: großartig! Die Leistung der jungen Schauspieler war umso beeindruckender, da sie alle in der Klausurenphase vor den Osterferien stehen. Quasi eine komplette Woche verbrachte das Kinder-Ensemble der Schloßborner Laienbühne e.V. die Nachmittage in der Halle. Aber diese Mühe hatte sich wahrlich gelohnt. Die Texte saßen, Mimik, Gestik sowie Raumaufteilung und Timing stimmten.

Natürlich trug dazu ganz erheblich die gelungene Inszenierung von Christiane Böer (Spielleitung) und Mary Kuhn (Regie und Souffleuse) bei. Die „alten Hasen“ haben achtzehn Kinder im Alter von sieben bis siebzehn Jahren zu professioneller Bühnen-Performance gebracht. „Was das auch für die künftige Entwicklung der Kinder bedeutet!“ – „Die haben mal keine Angst, vor Publikum zu sprechen!“ so die begeisterten Stimmen. „Was die hier lernen, lernen sie in keiner Schule!“

Drama im Zweiten Akt

Im Rosengarten des Schlosses kommen sich die Schöne und das Biest näher, und nun wird es sogar Musik-Theater, als die beiden „Märchen schreibt die Zeit“ aus dem Musical singen. Das Publikum sieht verzückt dem tanzenden Paar zu und hält kollektiv den Atem an, als das Biest Bella seine Liebe gesteht und um ihre Hand bittet. Aber sie reißt sich los und läuft davon. Verzweifelt bleibt das Biest zurück. Inzwischen haben der Steuereintreiber und sein Knappe den Tuchhändler und seine Magd zusammen mit dem Diener gefangen genommen, um zu erfahren, woher plötzlich das Geld kommt. Bella befreit sie zwar, hört aber von Bertram, dass nun alles zu spät ist. Da erkennt Bella, wie sehr sie ihr Biest trotz seines Äußeren liebt. Sie eilen zum Schloss, aber Edmund und sein Hofstaat liegen leblos da. Während es Bertram mit letzter Kraft zu Kathrinchen zieht, umarmt Bella das Biest und willigt ein, seine Frau zu werden.

Mit Donner und Blitz löst sich nun der Fluch. Das Biest wird zu einem schönen Prinzen (Niklas Blauth) und die Dienerschaft ist ebenso erlöst. Nur der Steuereintreiber und sein Knappe werden zu kleinen Schweinchen.

Ein wunderbares Schlusstableau bildete den Abschluss, bei dem alle Mitwirkenden noch einmal „Die Schöne und das Biest“ sangen. Sehr schön auch die Idee, den Erzähler die einzelnen Mitwirkenden vorstellen zu lassen, bevor sich dann alle mit dem Lied „Dankeschön“ verabschieden.

Am Tag darauf spielten Selma Nikutta (Bella) und Mina Vidakovich (Magd Berta). In einigen Nebenrollen wechselten die Darsteller.

Das Jubiläumsbuch des Vereins ist ab Mai erhältlich und wird sicher bei den Vorstellungen des Erwachsenen-Theaters im Herbst zu erwerben sein. Wer bis dahin nicht warten möchte, kann es telefonisch beim Vorstand bestellen: www.laienbuehne-schlossborn.de.

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