SPD Glashütten fragt: Droht ein Erzieherinnen-Notstand?

Schloßborn (kw) – In den letzten Tagen hat die SPD Glashütten beunruhigende Nachrichten aus den Kreisen der KiTa-Eltern empfangen. „Die Leitung der Schloßborner KiTa hat bekanntgegeben, dass nach der Sommerpause die nachmittägliche Betreuung aller angemeldeten Kinder nicht sichergestellt werden kann. Nicht jeder, der wolle, könne sein Kind in der Zeit von 14 bis 16 Uhr betreuen lassen. Nach dem Sommer stünden hierfür wahrscheinlich nicht genügend Vollzeitkräfte zur Verfügung“, berichtet der Ortsvereinsvorsitzende Marco Abbé.

Nach seiner Kenntnis liegt der Grund hierfür darin, dass einige Erzieherinnen und Erzieher ihre bisherige Arbeitsstätte verlassen werden. So sei die Zeit der Jahrespraktikanten vorbei, eine Erzieherin gehe in Rente, zwei Erzieherinnen seien schwanger und hätten Arbeitsverbot wegen der Covid-19-Pandemie, zwei weitere würden ihr Arbeitsverhältnis beenden. Vor diesem Hintergrund sprach der Ortsvereinsvorsitzende von dramatischen Zahlen. Ersatz zu finden dürfte schwer werden, da überall händeringend Fachkräfte gesucht werden.

„Bereits Ende 2019 gab es Hinweise auf die sich zuspitzende Situation in Schloßborn. Träger der KiTa ist die katholische Kirche, die Möglichkeiten der Zivilgemeinde sind also begrenzt, da wir nicht Betreiber, sondern nur Vertragspartner sind“, erläutert Angelika Röhrer, Fraktionsvorsitzende der SPD in der Gemeindevertretung.

Sie ergänzt: „Dennoch versuchte die Gemeindevertretung, zu reagieren. Da die Erzieherinnen und Erzieher in Schloßborn nach einer schlechteren Entgeltgruppe bezahlt werden als in Königstein und Kronberg (beim selben kirchlichen Träger), wurden 40.000 Euro im Haushalt der Zivilgemeinde eingestellt, um eine Höhergruppierung zu erwirken und diese Vergütungslücke zu schließen. Hierdurch erhofften wir uns, Erzieherinnen und Erzieher an die Schloßborner KiTa zu binden. Genutzt hat es allerdings nichts. Die katholische Kirche hat den Beschluss nicht umgesetzt, die kirchlichen Gremien haben nach unserem Wissensstand noch nicht abschließend beraten.“

Ein Vorschlag der damaligen Bürgermeisterin Brigitte Bannenberg und der SPD-Fraktion, nachhaltiger und längerfristiger den Erzieher*innen-Notstand anzugehen, indem man die Träger auffordert, sich am Bundesprogramm „Fachkräfteoffensive Erzieherinnen und Erzieher“ zu beteiligen, habe leider die Mehrzahl der Gemeindevertreterinnen und Gemeindevertreter nicht überzeugen können. Ein entsprechender Antrag sei in der Sitzung am 13. Dezember 2019 abgelehnt worden. Aus Sicht der SPD wäre dies eine gute Möglichkeit gewesen, junge Menschen für den Beruf zu gewinnen, denn bereits während der Ausbildungszeit hätten sie durch eine praxisintegrierte Ausbildung eine Vergütung erhalten und die KiTa hätte mehr Kräfte zur Verfügung gehabt.

Auch wenn die KiTas der Gesamtgemeinde laut Glashüttener Sozialdemokraten mit 1,1 Millionen Euro subventioniert werden (der größte Ausgabenposten im Haushalt 2021), werde die Politik mehr Geld in die Hand nehmen müssen, um die Betreuungssituation sicherzustellen.

„Um im harten Wettbewerb um die gesuchten Fachkräfte nicht völlig den Anschluss zu verlieren, sind kreative Lösungen gefragt. Andere Gemeinden machen es vor: Unterstützung bei der Wohnungssuche, Jobticket, Kleidergeld, selbst ein kleiner, geleaster Dienstwagen ist für uns vorstellbar, da Schloßborn durch den ÖPNV nicht optimal angebunden ist. Langfristig brauchen wir auf jeden Fall eine andere Vertragsgestaltung. Wir erfahren von etwaigen Missständen immer nur durch die Eltern. Die Gemeinde muss mehr eingebunden werden, um rechtzeitiger reagieren zu können“, kritisieren Abbé und Röhrer abschließend. (pu)



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