Kelkheim (iba) – „Dieser Abschied ist schon ein bisschen traurig, gleichzeitig ist aber viel Hoffnung in mir.“ Elisabeth Paulmann musste kurz durchschnaufen und rückte sich dann die Brille zurecht, obwohl die eigentlich optimal auf der Nase saß und nicht zurechtgerückt werden musste. Paulmann wusste wohl nicht so richtig, wohin mit sich, nach 22 Jahren war es bestimmt kein einfacher Abschied von der Lukasgemeinde – die Paulmann noch als Paulusgemeinde kennenlernte, wie sie vor der Fusion mit St. Johannes in Fischbach (2025), beziehungsweise mit Stephanus in Hornau (2026) geheißen hat. Und wo die Pfarrerin selbst 2019 geheiratet hat.
Eine grüne Hexe zum Abschied
Man muss die Biografie von Pfarrer Patrick Smith nicht studiert haben, um zu ahnen, wo der her kommt. Paulmanns Kollege und Quasi-Nachfolger ist ausgebildeter Musicaldarsteller und ließ es sich nicht nehmen, sie auf eine ganz spezielle Weise musikalisch zu verabschieden:
Es gab ein Lied aus der Musicalverfilmung „Wicked“. Eine singende grüne Hexe ist vielleicht nicht das erste, das einem bei der evangelischen Kirche in Kelkheim in den Sinn kommt – aber Paulmann hat es sichtlich gefallen, und darauf kam es schließlich an. So konnte sie ihren Abschied mit einem weinenden und einem lachenden Auge feiern.
„Das hier war meine Lebensstelle, so etwas gibt‘s auch nicht noch einmal.“ Jeder in der voll besetzten Kirche merkte sofort, dass ihr der Abschied nach über zwei Jahrzehnten nicht leicht fiel, aber irgendwann war einfach ein Kipppunkt erreicht.
Theologiestudium in Tübingen, absolviertes Vikariat in Darmstadt, Auslandsjahr in Kalifornien, erste (halbe) Stelle in Geisenheim, schließlich die Bewerbung in Kelkheim und dann die Zusage.
Frischen Wind brachte sie mit und mehr Humor (den man so in einer Kirche vorerst nicht vermuten mag), es sollte gelacht werden und Netzwerke sollten gebildet werden, Kultur- und Kulinarik-Feste, Themenabende zu Griechenland, zu Korea – und zu Schokolade, ein bisschen Sünde werde ja wohl erlaubt sein!
Dann die Pandemie, die Otto-Normal-Menschen schon genug Kraft gekostet hat, in der sie ständig noch genug Kraft haben musste, anderen Trost zu spenden.
Die eigentliche Kirchenarbeit hat ihr wohl bis zuletzt große Freude bereitet, zudem sei die Lukasgemeinde mit Pfarrer Patrick Smith ja „in sehr guten Händen“. Es war wohl eher das organisatorische „Drumherum“, das sie nun dazu veranlasst hat, demnächst kürzer zu treten. Noch mehr Verwaltung, noch mehr Papierkram, (Stand: jetzt) nur ein Seelsorger –bei rechnerisch drei Stellen sei das einfach zu wenig, kaum bis gar keine Entlastung, das alles hat wohl an den Kräften gezehrt.
Mehr Zeit für sich
Wer auf dem halben Globus unterwegs war und über zwei Jahrzehnte lang fast den ganzen Tag an die anderen Kelkheimer gedacht hat, vergisst dabei mitunter möglicherweise, an sich selbst zu denken. Das wird Paulmann nun tun, offenbar hat sie Spaß an Nordic Walking und am Schwimmen, vielleicht möchte sie auch „einfach mal ausschlafen und dann spazieren gehen“.
Was auch immer sie in Zukunft tun wird, sie wird es nicht alleine tun, ihr Glaube und ihr Gott werden bei ihr sein – und viele, viele Kelkheimer sowieso.