Schülerreporter
Praxisklassen
von Maya Sperling (PK8)
Im Vergleich der letzten zehn Jahre steigt die Zahl der Schulabbrecher immer mehr. Etwa 62.000 junge Menschen brechen die Schule ohne Abschluss ab, das sind 7,8 % aller Schüler eines Jahrgangs. Damit die Zahlen nicht weiter steigen, gibt es Maßnahmen wie zum Beispiel die Praxisklasse. Sie richtet sich an Schüler und Schülerinnen, die Hilfe brauchen, den Hauptschulabschluss zu erreichen und die aufgrund von Lernschwierigkeiten in einer Regelklasse keine Chance hätten. Daniel Debus unterrichtet in der Praxisklasse an der Eichendorffschule und betont, dass „die individuelle Lernentwicklung der Schüler und Schülerinnen berücksichtigt wird, indem man ihnen für den Hauptschulabschluss genügend Zeit einräumt. Das ist ein Grund, warum ich das Modell so schätze“.
Was ist die Praxisklasse und was ist der Unterschied zum normalen Unterricht?
Die Praxisklasse besteht aus Schülern und Schülerinnen des 8. und 9. Jahrgangs. Diese haben dort zwei Jahre Zeit, den Hauptschulabschluss zu machen. In der Praxisklasse der EDS sind 20 Schülerinnen und Schüler, während es in den Regelklassen häufig zwischen 20 und 30 Schüler sind. Häufig sind zwei Lehrer anwesend, um eine möglichst gute Betreuung zu garantieren. Freitags wird das Team durch den Schulsozialarbeiter Julian Beisel ergänzt, der als Ansprechpartner zur Verfügung steht. Er empfiehlt die Praxisklasse „allen Schülern und Schülerinnen, die im Regelschulsystem Schwierigkeiten haben und die bereit sind, ins Berufsleben einzusteigen“.Er wünscht sich jedoch noch kleinere Klassen, damit der Lernprozess besser läuft.
Die Praxisklasse hat montags, dienstags und freitags bis 15 Uhr Schule. Die PK-Schüler werden in den meisten Fächern zusammen unterrichtet. In Deutsch, Mathe und Englisch wird die Klasse aber getrennt. Das heißt, wenn die Achtklässler Deutsch haben, haben die Neuntklässler Mathe. Der Grund ist, dass in allen drei Fächern die beiden Klassen unterschiedlichen Stoff lernen. Die PK9 bereitet sich auf die Abschlussprüfungen vor. Zum einen müssen sie ein Projekt vorbereiten und durchführen. Dieses kann entweder in der Küche oder im Werkraum sein. Zum anderen müssen sie schriftliche Arbeiten bestehen.
Mittwochs und donnerstags ist man in einem Betrieb. Der Sinn dahinter ist, dass man sich gut im Unternehmen präsentiert und eine Ausbildung angeboten bekommt. Derzeit sind zum Beispiel Schülerinnen und Schüler im Fahrdienst bei den Maltesern, im Kindergarten oder im Supermarkt. Für Nicole Komma, Leiterin des Haupt- und Realschulzweigs, steht das Praktikum im Mittelpunkt. Daniel Debus wünscht deshalb „einen Pool an Betrieben, die dauerhaft mit der EDS zusammenarbeiten“.
Auch wenn einige Schüler sich mit dem Schulalltag schwertun und deshalb zu spät kommen oder früher gehen, gibt es andere, die die Praxisklasse als Chance für ihre Zukunft sehen.