Emsiges Musiktheater-Projekt an der Privatschule Dr. Richter: Flower-Power trifft auf coole Gang

Die „Flower Power“-Fraktion versuchte mit Liedern über Freundschaft und Zusammenhalt den „Beats“ den Schneid abzukaufen.Foto: Sven Kluge

Kelkheim (sk) – Es herrschte kreativer Hochbetrieb und spürbare Premierenfieber-Spannung, als die Privatschule Dr. Richter-Schule (PDR) im Bürgerhaus Kelkheim-Fischbach gastierte. Wo sonst der Alltag ruht, dominierten am Abend des 19. Juni mitreißende Rhythmen, bühnenreife Choreografien und leidenschaftlicher Gesang. Insgesamt 30 Jugendliche ab der 7. Klasse hatten sich im Mittel- und Oberstufenchor des reinen Gymnasiums zusammengefunden, um ein ambitioniertes und komplett eigenständiges Musical-Projekt auf die Beine zu stellen und vor vollbesetztem Haus zu präsentieren.

Hinter den Kulissen zog ein erfahrener Profi die Fäden: Chorleiter Sebastian W. Wagner ist seit vielen Jahren an der Schule aktiv und hatte die letzten drei Jahre intensiv an der Realisierung dieses Traums gearbeitet. Er brachte ein beeindruckendes Fundament mit in den Taunus – blickt er doch auf stolze 20 Jahre Erfahrung auf den Showbühnen in Mainz zurück, wo er unter anderem erfolgreich ein Showtheater leitete. Für das aktuelle Projekt schrieb er die komplette Konzeption, verfasste die Texte und komponierte die Musik – alles in beeindruckender Eigenarbeit, ganz neu erschaffen für dieses Ensemble.

Ein dramatischer Auftakt auf dem Schulhof

Das Stück trug den Titel „An einem ganz normalen Tag“ und warf das Publikum direkt mit der Eröffnungsszene mitten in einen packenden Konflikt. Auf der einen Seite stand die harmonische „Flower-Power“-Fraktion: 15 Mädchen, die in ihren Liedern lautstark über Freundschaft und eine heile Welt sangen. Ihre Botschaft war klar: An der Schule hält ihre Freundschaft sie tief verbunden. Doch die Idylle wurde von der gegnerischen, betont coolen Gang der „Beats“ gestört. Deren Anführer Benjamin – von allen nur „Bro“ genannt – ging sofort auf Konfrontation, markierte den dicken Macker und fragte provoziert, warum die „Flowers“ auf seinem Schulhof „abhängen“.

Als die sympathische Janni sich nicht einschüchtern ließ, forderte die Gang eine Entschuldigung. Eigentlich plädierten sogar Bros eigene Freunde dafür, dass er den ersten Schritt tun und sich entschuldigen solle, was der „Chef im Ring“ schließlich – wenn auch sehr widerwillig – annahm. Doch hinter den Kulissen heckte Bro in seinem Zimmer mit drei Freunden eine ganz andere, provokante Machtdemonstration aus: Er erzwang auf dem Schulhof einen unerwarteten Kuss bei Janni, um ihr zu zeigen, „wo es langgeht“.

Die Situation eskaliert völlig, als beim anschließenden Tumult die schlichtende Hannah über das Bein von Jay stolperte, unglücklich stürzte und bewusstlos ins Krankenhaus eingeliefert werden musste – ein dramatischer Wendepunkt vor der Pause, der die Frage nach Schicksal und Schuld laut aufwarf.

„Grease“-Gefühle und ein cleverer Hausmeister

Inmitten dieser harten Fronten entfaltete sich jedoch der emotionale Kern des Musicals, der stark an den Kult-Klassiker Grease erinnerte: Jay (von den Beats) und Lara (von den Flowers) empfanden heimlich tiefe Gefühle füreinander. Sie wurden zum modernen, schlichtenden „Romeo und Julia“-Paar des Schulhofs.

Während die tief gekränkte Janni auf Rache sann und Bro den Schlüssel des Hausmeisters Herr Dalic in den Rucksack steckte, um ihm einen Diebstahl anzuhängen, handelten Jay und Lara im Namen der Vernunft. Sie vertrauten sich dem Hausmeister an. In einer trickreichen Schlussszene ließ Herr Dalic die Rache-Intrige ins Leere laufen: Er zog den Schlüsselbund heimlich mit dem Ärmel aus Bros Tasche, präsentierte einen leeren Rucksack und bewahrte die Schule vor dem großen Knall. Als die vom Sturz genesene Hannah wieder auf dem Schulhof erschien, war das Eis endlich gebrochen und Bro gab sich einen Ruck: „Unser aller Schulhof“. Janni hingegen nahm die tiefgründige Moral von Hausmeister Dalic mit auf den Weg: „Wenn man Rache möchte, soll man zwei Gräber graben. Eines für den Gegner und eines für sich selbst.“

Ein dickes Dankeschön nach der Pause

Wie sehr das gesamte Schulprojekt vom Zusammenhalt aller Beteiligten getragen wird, zeigte sich in einem ganz besonderen Moment direkt nach der Pause. Auf der Bühne wurde die Gelegenheit genutzt, um danke zu sagen. Ein ganz besonderer Applaus und tiefer Dank ging dabei an den Hausmeister der Dr. Richter-Schule, Dani Galic, ohne dessen tatkräftige Unterstützung im Schulalltag und hinter den Kulissen ein solches Mammutprojekt kaum zu stemmen gewesen wäre. Ebenso herzlich fiel der Dank an Sebastian Wagner für seinen unermüdlichen Einsatz aus, sowie an die vielen Schülerinnen und Schüler, die in den vergangenen Wochen und Monaten so unendlich viel Herzblut in das Gelingen dieser Show gesteckt haben.

Herausforderung Probenalltag & Stimmen der Bühne

Dass ein solches Großprojekt kein Selbstläufer war, zeigte der Blick auf den Terminkalender während der Vorbereitungsphase. Lediglich zwei Stunden Chorzeit standen pro Woche zur Verfügung. Eine logistische Meisterleistung, da die Gymnasiasten durch andere Kurse stark eingebunden waren. Umso beeindruckender war das enorme Engagement. Die aufwendigen Choreografien hatten die Kids komplett in Eigenregie entwickelt – wobei sich Schülerin Kathi ganz besonders bei der tänzerischen Gestaltung einbrachte.

Stellvertretend für den großartigen Teamgeist der 30 Jugendlichen lobten die Schüler Jonas, Jonas und Sebastian nach dem Auftritt überschwänglich das gesamte Team. Ein ganz besonderer Dank der drei galt jedoch ihrem Lehrer Sebastian W. Wagner, der die Truppe bei den intensiven Probenphasen nicht nur künstlerisch anfeuerte, sondern auch für das leibliche Wohl sorgte.

„Wir haben als Team unglaublich zusammengehalten, aber ohne Herrn Wagner wäre das alles nicht möglich gewesen. Er hat uns nicht nur motiviert, sondern uns bei den langen Wochenendproben sogar mit Pizza gerettet – das hat den Teamgeist erst recht zusammengeschweißt!“

Auch Mitschülerin Emily zog ein rundum begeistertes Resümee aus dem Projekt und betonte, wie sehr die Jugendlichen an den neuen Aufgaben gewachsen sind:

„Es hat unheimlich viel Spaß gemacht, mal nicht nur im Chor zu stehen und zu singen, sondern plötzlich eine ganz neue, schauspielerische Seite an sich selbst zu entdecken. Wir konnten uns künstlerisch total entfalten. Das kommende Schulprojekt mit Herrn Wagner wird mit Sicherheit großartig – wir Schüler sind alle schon jetzt absolut begeistert und heiß darauf!“

Der erste Teil des Werks musste bereits bis zum großen Schulkonzert im Februar sitzen, während der zweite Teil bis kurz vor der Premiere auf Hochglanz poliert wurde.

Der Startschuss für eine große Vision

Die gelungene Aufführung soll jedoch erst der Anfang von etwas viel Größerem sein. Das Projekt an der Privatschule Dr. Richter versteht sich als echter Startschuss für die kommenden Jahre. Für das nächste Schuljahr ist geplant, die Messlatte noch einmal höher zu legen: Dann sollen die Jugendlichen das nächste Stück sogar komplett selbst schreiben.

Und dieser Plan nimmt bereits konkrete Formen an: Für das kommende Jahr haben sich bereits sieben junge Autorinnen und Autoren aus den Reihen der Schülerschaft gemeldet. Fleißig sind sie obendrein, denn schon vor rund vier Wochen haben diese Schüler erste eigene Konzepte vorgeschlagen und detailliert ausgearbeitet. Das langfristige Ziel für die nächsten drei bis fünf Jahre lautet, das Musiktheater so weit auszubauen, dass die Schule für die zukünftigen Aufführungen sogar ein eigenes, komplettes Orchester stellen kann.



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