Kelkheims erster Fahrradbeauftragter Torsten Kleipa will den Radverkehr weiter voranbringen
Kelkheim (ju) – Wer mit Torsten Kleipa über Radwege spricht, merkt schnell: Für ihn ist das Thema weit mehr als nur ein Verwaltungsauftrag. Es geht um Alltag, Mobilität, Sicherheit – und auch um Lebensqualität in der Stadt. Seit dem 1. November vergangenen Jahres ist der frühere Leiter des Kelkheimer Ordnungsamtes offiziell der erste Fahrradbeauftragte der Stadt. Eine Funktion, die es zuvor in dieser Form nicht gab.
Dass die Wahl auf Kleipa fiel, überrascht dabei kaum. Der langjährige Verwaltungschef gilt als hervorragend vernetzt, kennt die zuständigen Behörden, Förderprogramme und Abläufe bis ins Detail – und ist selbst begeisterter Radfahrer. „Es ist im Grunde eine Fortführung meiner bisherigen beruflichen Tätigkeit“, sagt er. Nur dass der Fokus nun klar auf dem Fahrradverkehr liegt.
Nach seinem Eintritt in den Ruhestand hatte sich das Ordnungsamt personell neu aufgestellt und zugleich verjüngt. Mit Jeanette Alterino wurde eine Nachfolgerin installiert. Kleipa bleibt der Stadt dennoch erhalten – nun allerdings in beratender Funktion. Er unterstützt vor allem Bürgermeister und Magistrat dabei, dem Radverkehr künftig einen höheren Stellenwert einzuräumen.
Vom Schreibtisch direkt auf die Radwege
Sein Aufgabenfeld ist breit gefächert. Kleipa begleitet laufende Projekte, entwickelt neue Ideen und prüft ganz praktische Dinge vor Ort. Dazu gehört beispielsweise die Kontrolle der Wegweisung entlang der Radstrecken. Fehlende oder beschädigte Schilder fallen ihm schnell auf. Ebenso problematisch seien Aufkleber, die viele Wegweiser inzwischen überdecken.
„Nichts ist schlimmer, als sich mit dem Rad zu verfahren“, sagt Kleipa. Deshalb setzt er sich dafür ein, dass Beschilderungen saniert und neue Wegweiser installiert werden.
Ein Schwerpunkt liegt derzeit auf der Modernisierung der Fahrradabstellanlagen. In Kelkheim sollen nach und nach alte Vorderradständer durch moderne Rahmenbefestigungen ersetzt werden – auch an den Sportanlagen. Die finanziellen Mittel seien zwar begrenzt, dennoch wolle die Stadt die Infrastruktur Schritt für Schritt verbessern.
Auch die Qualität der Radwege selbst steht im Fokus. Ein wichtiges Projekt ist der sogenannte Betonplattenweg zum Gimbacher Hof. Dort sind viele der alten Platten beschädigt oder gebrochen und müssen ausgetauscht werden. Für die Sanierung wurde bereits ein Förderantrag bei HessenMobil gestellt. Allerdings rechnet Kleipa nicht damit, dass die Arbeiten noch in diesem Jahr beginnen können. Weil der Bereich naturschutzrechtlich sensibel ist, wird auch die Untere Naturschutzbehörde in die Planungen eingebunden.
Der Radweg nach Ruppertshain als Vorzeigeprojekt
Als gelungenes Beispiel für den Ausbau der Infrastruktur nennt Kleipa den Radweg hinauf nach Ruppertshain. Das Projekt gilt inzwischen als eine Art Vorzeigevorhaben für Kelkheim. Gleichzeitig beteiligt sich die Stadt an überregionalen Routen wie dem Regionalparkweg oder der Streuobstwiesenroute. Federführend ist dabei der Regionalverband.
Dass Kelkheim im Vergleich zu anderen Kommunen bereits gut aufgestellt sei, betont Kleipa ebenfalls. So seien – mit Ausnahme des Klosterbergs – alle Einbahnstraßen für den Radverkehr freigegeben. Auch die bestehenden Radwege funktionierten aus seiner Sicht insgesamt „ganz gut“.
Verbesserungspotenzial sieht er dennoch. Besonders Umlaufsperren, also enge Barrieren auf Radwegen, hält er für problematisch. „Warum sollte man als Radfahrer absteigen müssen?“, fragt er. Für viele Nutzer seien solche Hindernisse eher ein Ärgernis als ein Sicherheitsgewinn.
Fördergelder und Vernetzung als große Stärke
Ein entscheidender Vorteil für die Stadt dürfte Kleipas jahrzehntelange Erfahrung in der Verwaltung sein. Durch seine Kontakte zu Behörden und Institutionen weiß er genau, wo Fördermöglichkeiten bestehen und wie entsprechende Anträge gestellt werden müssen. Gerade bei kommunalen Projekten könne das ein großer Vorteil sein.
Dabei gehe es ihm nicht nur um neue Wege oder bessere Beschilderung. Wichtig sei vor allem die gegenseitige Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer. Nur wenn Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger respektvoll miteinander umgehen, könne ein funktionierender Verkehr entstehen.
Für Kleipa selbst schließt sich mit der neuen Aufgabe ein Kreis. Schon als Leiter des Ordnungsamtes habe er viele Projekte in der Stadt begleitet. Heute begegnet er den Ergebnissen seiner Arbeit oft auf zwei Rädern. „Es ist befriedigend, die Dinge später im Stadtbild wiederzuentdecken“, sagt er.
Und genau daran möchte er weiterarbeiten – damit Radfahren in Kelkheim künftig noch selbstverständlicher wird.
