Münster (iba) – „Ach, Sie sind der von der Zeitung? Ja, das mit dem Interview machen wir gleich – aber nehmen Sie sich erst mal einen Teller, es ist genug da. Hier geht niemand hungrig raus!“
Wenn man Francesco Continolo kennen lernt, merkt man sofort, mit wem man es zu tun hat. Es gibt so eine bestimmte Sorte Menschen, wenn die sich ein Hemd anziehen, krempeln sich die Ärmel beinahe von selbst hoch, ein Macher. Im Gemeindezentrum von St. Dionysius in Kelkheim-Münster hat er weitere Macher und Macherinnen um sich versammelt, Maria Fernanda, Karla Mildner und Silvia Kaufhold schöpfen den Linseneintopf auf Teller, schneiden Baguette, stellen Karaffen mit Mineralwasser auf die Tische, der Andrang ist schließlich groß.
Geglückte Premiere in Münster
Die katholische Pfarrei St. Franziskus, die angeschlossene Sozialraumorientierung und der Caritasverband Taunus hatten am 8. Januar zum gemeinsamen Abendessen eingeladen, die Zielsetzung war klar: Sollte die Premiere von „Essen für alle: Mahlzeiten in St. Franziskus – freundlich serviert“ bei den Kelkheimerinnen und Kelkheimern gut ankommen, will man weitere Veranstaltungen folgen lassen. Und sie kam gut an, insgesamt rund 80 Menschen haben das Angebot dankend angenommen, konnten den schmackhaften Linseneintopf genießen, in ungezwungener Wohlfühlatmosphäre zusammensitzen, einfach mal kurz durchschnaufen.
Francesco Continolo konnte freilich noch nicht oft durchschnaufen, seit er im März 2025 in Kelkheim angefangen hat, er ist bei der damals eingerichteten Sozialraumorientierung das „Mädchen für alles“, ist fast ständig auf Achse und geht proaktiv auf die Kelkheimer zu. Er muste sich in die Strukturen hineinarbeiten und seine „Mitspieler“ kennen lernen, die bei Kirche und Caritas, Sozialstätten und Gremien sitzen.
Vom Fußballplatz auf die Straße
„Alleine kann ich sowieso nichts bewegen, das geht nur im Team. Von der Stadt, vom Pfarrer, vom Bistum, von den Bürgern bekomme ich 101% Unterstützung, das macht es mir natürlich leicht. Der Bürgermeister war auch schon da, haben Sie den gesehen? Mit dem habe ich gar nicht gerechnet, aber auch der ist hier mit von der Partie. Ich habe wirklich Glück, die Kelkheimer unterstützen gerne, wollen etwas bewegen, wollen helfen. Das kenne ich ja vom Fußball, alleine geht gar nichts.“
Continolo ist Sozialarbeiter auf dem zweiten Bildungsweg, hat die Fußballlehrerlizenz und jahrelang sein Hobby zum Beruf gemacht, war Auswahltrainer für die Jugend beim Hessischen Fußballverband, beim 1. FFC Frankfurt und Assistenztrainer bei den Damen des FC Basel. Nun ist er vom Fußballplatz ins Büro gewechselt; und ab und zu auch auf die Straße, wie er selbst betont: „Ich bin ja kein Fachmann, kein Studierter. Ich komme von der Straße, wie man so schön sagt. So gehe ich auch heute noch auf alle zu, auf dem Marktplatz spreche ich die Menschen an, spreche die Jugendlichen an, die suchen ja auch nach Zugehörigkeit.
Mit der Tafel in Hornau haben wir schon zusammengearbeitet, die hatten zwar ein gutes Konzept, aber denen fehlte schlicht die Manpower – die kam dann eben von uns. Kostenloses Yoga gibt es hier auch, Berufsintegration, Informationsabende, Sprachkurse. Wir helfen einfach da, wo Bedarf ist.“
Fortsetzung folgt
Während Continolo erzählt, wird weiter Suppe verteilt und werden Stühle gerückt, das Konzept kommt gut an, weitere Veranstaltungen werden also folgen.
Das Essen wurde vom Schlemmerstübchen der Familie Drossel spendiert, sowohl für die Gäste als auch für die Veranstalter entstanden so keinerlei Kosten. Zudem hat die Familie Drossel schon angekündigt, weitere drei bis fünf Male im Jahr das Angebot der Caritas und des Sozialverbandes unterstützen zu wollen, weil das Konzept so gut ankam und von den Kelkheimern so dankbar aufgenommen wurde.
Erfolgreich absolvierter Test
„Das heute hier war so eine Art Testprojekt. Wir wollten einfach sehen, ob so etwas überhaupt angenommen wird. Aber sie sehen ja, wie voll es hier ist, hier fühlt sich offenbar jeder wohl. Ein gemeinsames Koch-Event hatten wir schon, auf dem Suppenfest waren wir auch. Für die Zukunft würde ich mir wünschen, dass wir noch mehr Miteinander schaffen, dass Menschen zueinander finden, die sonst alleine wären“, so Continolo „Dabei will ich helfen, Zusammengehörigkeitsgefühl entstehen lassen, Nachbarschaften zu fördern, den Menschen etwas zu geben, die nicht so viel Glück hatten wie wir.“
Dafür rühren Continolo und seine Mitstreiter und Mitstreiterinnen die Werbetrommel, sind immer für die Kelkheimer ansprechbar und für Vorschläge offen. Und was, wenn man ihn nicht an seinem Schreibtisch in der Pfarrei St. Franziskus erreichen kann? „Das ist ganz leicht, früher oder später bin ich wieder auf dem Marktplatz!“
Continolo lacht und steht dann auf, am Nebentisch hat es offensichtlich geschmeckt, die Teller sind leer gegessen und wollen abgeräumt werden. Die Ärmel muss er sich dafür allerdings nicht extra hochkrempeln – das machen die schon von alleine.
