„Freundschaft, das ist wie Heimat“ – Lions-Präsident Jürgen Rohrmann setzt auf Gemeinschaft und Bewährtes

Jürgen Rohrmann ist der neue Präsident des Lions Clubs Foto: Frank Weiner

Kelkheim (kez) – Ein eigenes Jahresmotto suchte Jürgen Rohrmann gar nicht erst. Stattdessen entschied sich der neue Präsident des Lions Clubs Kelkheim für ein Zitat des Schriftstellers Kurt Tucholsky: „Freundschaft, das ist wie Heimat.“ Für den 68-Jährigen bringt dieser Satz genau das auf den Punkt, was ihm wichtig ist – im Leben ebenso wie bei den Lions. Freundschaften, gegenseitiges Vertrauen und die Verbundenheit mit der Region seien schließlich die Grundlage für das gemeinsame ehrenamtliche Engagement.

Mit Kelkheim ist Rohrmann längst eng verwurzelt, auch wenn seine Wurzeln eigentlich im Main-Kinzig-Kreis liegen. Geboren wurde er in Udenhain, später studierte er Chemie in Frankfurt und promovierte anschließend in München. Beruflich führte ihn sein Weg zur damaligen Hoechst AG, wo er fast vier Jahrzehnte in Forschung und Entwicklung tätig war. Auch nach mehreren Unternehmensumstrukturierungen blieb er seinem Arbeitsplatz im Industriepark treu, zuletzt bei LyondellBasell.

„Ich war schon immer neugierig und habe gerne getüftelt“, beschreibt Rohrmann seine Leidenschaft für die Forschung. Besonders die Entwicklung neuer Kunststoffe faszinierte ihn. Dass Kunststoff heute häufig kritisch gesehen wird, kann er nachvollziehen. Gleichzeitig verweist er darauf, dass in seinem Arbeitsbereich vor allem langlebige Materialien für die Automobilindustrie entwickelt wurden. In den letzten Berufsjahren beschäftigte er sich intensiv mit Recyclingverfahren. So gelang es seinem Team unter anderem, Bauteile aus recycelten Fischernetzen aus den Meeren serienreif für die Automobilindustrie zu entwickeln – ein Projekt, auf das er bis heute mit Stolz zurückblickt. Erst im vergangenen Jahr verabschiedete er sich in den Ruhestand.

Nun bleibt mehr Zeit für Familie und Ehrenamt. Seine Frau Martina stammt aus Kelkheim, ihr Vater ist der langjährige SG-Vorsitzende Reinhold Freund. Kennengelernt hat sich das Paar vor 34 Jahren beim Maskenball der TSG Münster. Gemeinsam haben sie drei erwachsene Kinder.

Zum Lions Club kam Rohrmann vor gut sieben Jahren auf Initiative von Joachim Lindenau. Seitdem engagiert er sich insbesondere für das Projekt „Hilfe für kleine Ohren“, das ihm besonders am Herzen liegt. Seit 2010 sammeln die Kelkheimer Lions bundesweit gebrauchte Hörgeräte, die aufbereitet und an Kinder in ärmeren Ländern weitergegeben werden. Rund 115.000 Hörhilfen konnten auf diese Weise bereits etwa 30.000 jungen Menschen zugutekommen.

Als Präsident möchte Rohrmann den eingeschlagenen Weg fortsetzen. „Bewährtes bewahren“, lautet eines seiner Ziele. Gleichzeitig wünscht er sich, neue und vor allem jüngere Mitglieder für den Club zu gewinnen. Die Öffnung für Frauen vor einigen Jahren bezeichnet er als wichtigen Schritt. Nun hofft er, während seiner Amtszeit weitere Frauen für die Mitarbeit begeistern zu können.

Zu den bekanntesten Projekten des Clubs gehört der gemeinsam mit dem Rotary Club Kelkheim herausgegebene Adventskalender. Jahr für Jahr finden die 5.000 Exemplare schnell ihre Käufer. Besonders beeindruckt zeigt sich Rohrmann davon, dass es immer wieder gelingt, eine große Zahl attraktiver Preise als Spenden einzuwerben – ein Erfolgsmodell, das seiner Ansicht nach unbedingt fortgeführt werden sollte.

Auch das öffentliche Engagement der Lions soll weiter ausgebaut werden. So beteiligt sich der Club traditionell am Adventskonzert mit dem Jugendorchester der Lukasgemeinde sowie am Weihnachtsmarkt in Münster. Darüber hinaus wollen die Mitglieder ihr Gesundheitsprojekt „Klasse 2000“ an den Schulen weiter stärken und insbesondere die Anne-Frank-Schule in Münster langfristig unterstützen. Auch die regelmäßig veranstalteten öffentlichen Benefizkonzerte sollen fortgesetzt werden.

Für die Clubabende hat Rohrmann ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt. Auf die Mitglieder warten unter anderem Vorträge des Kelkheimer Autors Robert Focken, des CDU-Stadtverordneten Fabian Beine über den Bundestagswahlkampf, seines Sohnes Philipp über einen Forschungsaufenthalt in der Arktis sowie von Schwimm-Olympiasieger Michael Groß mit Einblicken hinter die Kulissen des Spitzensports. Außerdem nimmt Gregor Maier die Zuhörer mit auf eine Reise zum „Sehnsuchtsort Feldberg“.

Privat genießt Jürgen Rohrmann heute die Zeit für seine Hobbys. Er reist gerne, fotografiert, interessiert sich für Astronomie, fährt Ski und ist mit seinem Oldtimer unterwegs. Außerdem hat er ein neues Hobby entdeckt: Seit vergangenem Jahr keltert der gebürtige Hesse seinen Apfelwein selbst – den er, ganz standesgemäß, am liebsten als Sauergespritzten genießt. Werte wie Offenheit, Toleranz und Gemeinschaft prägen dabei nicht nur sein Privatleben, sondern auch sein Verständnis vom Ehrenamt.



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