Kelkheim (kez/ju) – Es gibt Orte, die haben ein ziemlich gutes Gedächtnis. Der Alte Friedhof an der Breslauer Straße gehört dazu. Seit 1838 liegen hier Kelkheimer begraben, und zwischen den Grabsteinen hat sich so manches Kapitel Stadtgeschichte erhalten. Nun allerdings droht ausgerechnet diesem Ort das Ende seiner bisherigen Bestimmung: Der Alte Friedhof soll voraussichtlich noch 2026 entwidmet werden. Höchste Zeit also, ihm noch einmal zuzuhören.
Am Freitag, 23. Oktober, um 17 Uhr führt Stadtarchivar Julian Wirth über das Gelände – und dürfte dabei mehr zu erzählen haben, als man bei einem Spaziergang über einen Friedhof zunächst vermuten würde. Denn hinter den Namen und Jahreszahlen auf den Steinen verbirgt sich ein Stück Kelkheim: Geschichten von Leben und Tod, von Soldaten und Zwangsarbeitern, von Erinnerung und Vergessen.
Und dann sind da noch die Grabsteine selbst. Manche schlicht, manche erstaunlich kunstvoll – kleine steinerne Zeitzeugen, die davon erzählen, wie Menschen ihre Toten in Erinnerung behalten wollten. Wer genau hinschaut, entdeckt also nicht nur Namen, sondern auch die Vorstellungen, Hoffnungen und Lebensumstände vergangener Generationen.
Der Rundgang ist damit gewissermaßen ein Besuch bei den alten Kelkheimern, bevor sich der Ort verändert. Und vielleicht stellt sich am Ende die Frage, wer hier eigentlich wen verabschiedet: die Besucher den Friedhof – oder der Friedhof seine Besucher?