Wo sind die Geister vom Geisterhaus?

„Das Geisterhaus zeigt sein Gesicht“,

so steht‘s im gelben Blatt geschrieben.

Doch einigen gefällt das nicht, wurden sie doch vertrieben.

Die Geister schauten stets heraus

vom Dachgeschoss dort oben.

Und nun, ach, es ist ein Graus,

scheinen sie fortgezogen.

Jahrelang gehörten sie

zum Bild der Straße dort.

Jetzt liegt das Fachwerk frei,

die Geister, sie sind fort.

Ein Schandfleck soll’s gewesen sein,

mit Ecken, Staub und Kanten.

Es bröckelte, stürzte fast schon ein,

doch nicht für die Verwandten!

Sie hausten dort treppab, treppauf,

genossen ihre Ruhe.

Geschichten gab es dort zuhauf,

in jeder alten Truhe.

Ein Schmuckstück, das soll es mal werden,

befreit vom Zahn der Zeit.

Die alten Wurzeln will man bergen,

die Geister sind nicht weit.

So einfach lassen sie sich nicht vertreiben

aus ihrem schönen Ort.

Zu lange war das Haus ihr eigen,

zu lange wohnten sie schon dort.

Aus dem Dornröschenschlaf erwachen

soll der einst düst‘re Ort.

Vielleicht hört man sie leise lachen,

denn: Sie sind gar nicht fort.

D‘rum, wenn ihr geht zur Geisterstund‘

vorbei an diesem Haus,

hört hin und lauscht auf jedes Wort!

Es spukt an diesem Ort!

Birgit Gröger



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