Kelkheim (ju) – Seit einem Jahr gilt in Kelkheim die Katzenschutzverordnung. Für die Katzeninitiative Kelkheim ist das ein wichtiger Schritt, auf den lange hingearbeitet wurde. Denn hinter der Regelung steht ein konkretes Problem: Unkastrierte Katzen können sich unkontrolliert vermehren – und aus wenigen Tieren werden innerhalb kurzer Zeit viele. Was für Außenstehende manchmal nach einem kleinen Katzenproblem aussieht, kann für die Tiere und diejenigen, die sich um sie kümmern, schnell zu einer großen Herausforderung werden.
Wie wichtig die Verordnung und die Arbeit der Katzeninitiative sind, zeigen zwei Fälle, von denen Irene Schimmelpfennig berichtet. Die Initiative ist inzwischen für viele Kelkheimerinnen und Kelkheimer eine bekannte Anlaufstelle, wenn es um herrenlose, zugelaufene oder in Not geratene Katzen geht.
Aufwendige Rettungsaktion
Anfang Juli erreichte Schimmelpfennig ein Hinweis von Anwohnern des Berliner Rings/Ecke Fischbacher Straße. Dort streunte eine Katzenmutter mit drei Jungen umher. „Nach einer kurzen Anfütterungsphase stellte ich Fallen auf“, berichtet sie. Das klingt zunächst einfach, ist in der Praxis aber mit erheblichem Aufwand verbunden. Die Fallen müssen ständig kontrolliert werden, damit die Tiere nicht unnötig lange darin bleiben. Für Tierheime ist eine solche Betreuung neben dem normalen Arbeitsaufwand deshalb nur schwer zu leisten.
Zunächst ging die Mutter in die Falle, an den folgenden Tagen konnten auch die drei Jungtiere eingefangen werden – allerdings nicht alle auf einmal. Zwei der Kleinen ließen besonders lange auf sich warten. Die entscheidenden Hinweise kamen schließlich spätabends von aufmerksamen Anwohnern.
Gegen 22.30 Uhr meldeten sie, dass wieder ein Jungtier in die Falle gegangen war. Das Kleine tobte darin aufgeregt umher und weinte jämmerlich. „Ich wollte sie nicht die ganze Nacht über ihrem Schicksal überlassen“, erzählt Schimmelpfennig. Sie bat deshalb die Kelkheimer Polizei um Unterstützung.
Die Beamtinnen und Beamten erwiesen sich als unkomplizierte und engagierte Helfer. Die Polizei verfügt über einen Schlüssel zum Tierheim, sodass auch außerhalb der Öffnungszeiten Fundtiere dort untergebracht werden können. Gemeinsam wurden die beiden Jungkatzen an zwei Abenden ins Tierheim gebracht. Dort halfen die Einsatzkräfte sogar noch bei der Versorgung der kleinen Findlinge. „So süß die Tiere sind, so können sie doch zu kleinen Teufelchen mutieren, wenn sie Angst haben“, sagt Schimmelpfennig mit einem Schmunzeln. Ihr Dank gilt deshalb ausdrücklich den Kelkheimer Einsatzkräften für ihre spontane und tatkräftige Unterstützung.
Inzwischen hat die kleine Katzenfamilie Zeit, sich im Tierheim an Menschen zu gewöhnen. Ziel ist es, für Mutter und Nachwuchs ein geeignetes neues Zuhause zu finden.
Dass die Mutterkatze ebenfalls eingefangen wurde, war dabei besonders wichtig. Denn Katzen können bereits etwa vier Wochen nach der Geburt wieder rollig und erneut gedeckt werden. Ohne Kastration kann sich die Situation somit innerhalb kürzester Zeit wiederholen.
Die Familie vom Berliner Ring war zudem keineswegs ein Einzelfall. „Wie in allen Tierheimen wurden auch in Kelkheim in diesem Sommer wieder einige Mütter mit ihren Kleinen abgegeben“, berichtet Schimmelpfennig.
Ungewollte Trächtigkeit
Wie dramatisch die Folgen fehlender Kastration sein können, zeigt ein zweiter Fall.
Eine vierjährige, nicht kastrierte Britisch-Kurzhaar-Katze war bereits mehrfach aus ihrer Wohnung entwischt. Dieses Mal kam sie trächtig zurück. Später stellte sich heraus, dass sie von einem deutlich größeren Norwegischen Waldkater gedeckt worden war. Die Besitzerfamilie gab die Katze schließlich ab, und sie kam zu Schimmelpfennig in Pflege, um dort ihre Jungen zur Welt zu bringen.
Doch die Geburt ließ auf sich warten. Als sich schließlich Anzeichen dafür zeigten, dass es losgehen könnte, wurde die Katze tierärztlich untersucht. Das Ergebnis war beunruhigend: Sie trug ein außergewöhnlich großes Jungtier in sich – viel zu groß für ihren eigenen Körper. Zunächst sollte noch abgewartet werden, da es nicht ihre erste Geburt war. Für den Fall, dass die Geburt nicht von selbst einsetzen würde, war ein Kaiserschnitt bereits vorbereitet.
Dazu kam es schließlich nicht. Am Abend von Fronleichnam setzten plötzlich sehr starke Wehen ein. Schimmelpfennig und Evelin Dietz begleiteten die Katze durch die Geburt und standen gleichzeitig mit der behandelnden Tierärztin in Kontakt. „Normalerweise geht eine Katzengeburt unkompliziert vor sich. In diesem Fall war es offensichtlich sehr schwer und schmerzhaft für die Kleine“, erzählt Schimmelpfennig. Schließlich schaffte die Katze die Geburt aus eigener Kraft. Doch das Jungtier war missgebildet und bereits tot.
„Sie hat es nur kurz geleckt und beschnüffelt und sich dann abgewendet – sie hatte verstanden“, berichtet Schimmelpfennig. Das Erlebnis war für alle Beteiligten belastend. Umso erstaunlicher war, wie schnell sich die Katzenmutter anschließend erholte.
Und noch etwas wurde schnell deutlich: Die Katze wollte nicht mehr weg. „Sie hat mir unmissverständlich klargemacht, dass sie nicht wieder weg wollte. Ich konnte mich auch nicht mehr trennen“, erzählt Schimmelpfennig. Heute lebt die Katze bei ihr und bezaubert ihre neue Familie mit ihrem anhänglichen Wesen.
Kennzeichnung freilaufender Katzen
Beide Fälle sind ganz unterschiedlich – und zeigen doch dasselbe Problem: Katzenschutz ist nicht nur eine Frage des Tierschutzes, sondern auch der Verantwortung von Katzenhaltern.
Die seit einem Jahr in Kelkheim geltende Katzenschutzverordnung soll genau hier ansetzen. Durch die Kastration und Kennzeichnung freilaufender Katzen soll verhindert werden, dass sich Tiere unkontrolliert vermehren und immer mehr Katzen ohne ausreichende Versorgung auf der Straße landen. Für die Katzeninitiative bedeutet die Verordnung deshalb vor allem eines: weniger Leid, weniger ungewollter Nachwuchs und bessere Chancen für die Tiere, die bereits Hilfe benötigen.
Doch eine Verordnung allein reicht nicht. Es braucht Menschen, die hinschauen, Hinweise geben und sich kümmern. Und es braucht engagierte Helfer wie Irene Schimmelpfennig und ihre Mitstreiterinnen, die auch dann anpacken, wenn eine Rettungsaktion spätabends beginnt, Fallen über Stunden überwacht werden müssen oder ein Tier medizinische Hilfe braucht.
Die beiden Fälle machen deutlich, dass Katzenschutz oft dort beginnt, wo jemand nicht einfach wegschaut. Ein aufmerksamer Anruf, eine kontrollierte Falle, ein Transport ins Tierheim oder die Bereitschaft, ein Tier vorübergehend aufzunehmen, können für eine Katze den entscheidenden Unterschied bedeuten.
Und manchmal endet eine solche Geschichte sogar damit, dass aus einer Pflegestelle ein dauerhaftes Zuhause wird.
