Kelkheim (ju) – Eines der umstrittensten Bauprojekte der vergangenen Monate in Kelkheim geht in die nächste Runde: Die Stadtverordnetenversammlung hat in ihrer letzten Sitzung vor der Sommerpause die Offenlage des Bebauungsplans „Südwestlich der Benzstraße“ beschlossen. Die Entscheidung fiel ohne weitere Aussprache im Parlament – nachdem das Vorhaben zuvor in Ausschüssen und politischen Debatten für reichlich Zündstoff gesorgt hatte.
Vom 22. Juni bis 27. Juli können Bürgerinnen und Bürger die Planunterlagen im Internet und im Rathaus einsehen und Stellungnahmen abgeben. Parallel werden die Fachbehörden beteiligt.
Der Hintergrund: Auf dem Gelände an der Benzstraße 8 und 10 im Gewerbegebiet Münster sollte ursprünglich eine Flüchtlingsunterkunft für bis zu 300 Menschen entstehen. Nach massiven Protesten aus der Bürgerschaft und politischen Diskussionen wurde dieses Vorhaben jedoch nicht weiterverfolgt. Stattdessen verfolgt die Pacarada Group nun Pläne für ein Wohn- und Gewerbeprojekt.
Aus Flüchtlingsunterkunft wurde Wohnprojekt
Bereits im Juni 2025 hatte die Stadt die Aufstellung des Bebauungsplans beschlossen. Ziel ist es, auf dem rund 5.000 Quadratmeter großen Areal Wohnraum zu schaffen und gleichzeitig gewerbliche Nutzungen zu ermöglichen.
Vorgesehen ist ein Mischgebiet mit Wohnungen sowie Büro-, Dienstleistungs- und weiteren gewerblichen Nutzungen. Zwischen den Wohngebäuden und den angrenzenden Gewerbeflächen soll ein Pufferbereich entstehen, in dem nur nicht störende Gewerbebetriebe zulässig sind.
Weniger Wohnungen als ursprünglich geplant
Ein zentraler Kritikpunkt der vergangenen Monate war die Dimension des Projekts. Ursprünglich war von bis zu 300 Mikroapartments die Rede – vor allem für Studierende, Auszubildende, Pflegekräfte und andere Berufsgruppen mit kleinem Wohnraumbedarf. Das sorgte sowohl in der Bevölkerung als auch in der Politik für Diskussionen über die Größe des Vorhabens, die Verkehrsbelastung und die Parkplatzsituation.
Nun hat der Vorhabenträger die Planung deutlich verändert. Statt bis zu 300 Mikroapartments sollen maximal 190 Wohneinheiten entstehen. Zudem ist künftig eine Mischung aus kleineren und größeren Wohnungen vorgesehen. Die Höchstzahl von 190 Wohnungen wird verbindlich im Bebauungsplan festgeschrieben.
An den wesentlichen baulichen Eckdaten ändert sich dagegen nichts: Geplant sind maximal vier Vollgeschosse und eine Gebäudehöhe von bis zu 14,5 Metern.
Streit um Stellplätze und Vertragsfragen
Besonders kontrovers diskutiert wurde in den vergangenen Monaten die Frage, wie das Projekt dauerhaft abgesichert werden kann. Während Teile der Politik das Vorhaben grundsätzlich unterstützten, forderten insbesondere CDU-Vertreter zusätzliche Sicherungen, damit tatsächlich Wohnraum für die angekündigten Zielgruppen entsteht und nicht später andere Nutzungen verwirklicht werden. Auch ein städtebaulicher Vertrag war zeitweise Gegenstand heftiger Debatten.
Diskutiert wurde außerdem die Stellplatzregelung. Für kleine Wohnungen bis 35 Quadratmeter soll künftig ein reduzierter Stellplatzschlüssel gelten: Pro Wohnung sind dann nur noch 0,5 Stellplätze erforderlich. Zudem sollen Stellplätze für Wohnen und Gewerbe teilweise gemeinsam angerechnet werden können, weil die Nutzungen zu unterschiedlichen Tageszeiten stattfinden.
Bisher kaum Änderungen durch Beteiligung
Die frühzeitige Beteiligung von Öffentlichkeit und Behörden lief bereits zwischen März und April dieses Jahres. Nach Angaben der Stadt führten die eingegangenen Stellungnahmen nicht zu grundlegenden Änderungen der Planung. Ergänzt wurden allerdings verschiedene Gutachten, darunter zum Schall- und Artenschutz sowie zum Umweltbericht. Außerdem wurden Hinweise von Fachbehörden in die Unterlagen aufgenommen.
Mit der nun beschlossenen Offenlage erreicht das Verfahren einen weiteren wichtigen Meilenstein. Danach werden die eingegangenen Stellungnahmen ausgewertet, bevor die Stadtverordnetenversammlung über den Satzungsbeschluss entscheiden kann.
Ob das Projekt damit endgültig seinen politischen Frieden findet, bleibt abzuwarten. Die Debatten der vergangenen Monate haben gezeigt, dass die Bebauung an der Benzstraße weit mehr ist als ein gewöhnliches Bauleitverfahren – sie ist zu einem Symbol für die größeren Fragen geworden, die Kelkheim derzeit beschäftigen: Wohnraummangel, Nachverdichtung und die Suche nach einem verträglichen Wachstum der Stadt.