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Kelkheim (ju) – Es gibt Tage, an denen man mit der Frage aufsteht: „Was mache ich heute eigentlich?“ Zumindest am Samstag, 5. September, dürfte die Antwort für viele Kelkheimer ziemlich schnell gefunden sein: Ab ins Freibad! Badehose einpacken, Handtuch über die Schulter, Fahrrad satteln – und am besten gleich ein bisschen Neugier mitbringen. Denn beim „Freibad verein(t) – Summer Festival 2026“ wird aus dem Kelkheimer Freibad für einen Tag eine große Spiel-, Sport- und Begegnungslandschaft.
Von 10 bis 19 Uhr geht es auf und neben dem Wasser rund. Und wer jetzt ausschließlich an gemütliches Bahnenziehen denkt, hat die Rechnung ohne die Kelkheimer Vereine gemacht. Die haben nämlich einiges vor. Es wird geschwommen und getaucht, gerettet und geworfen, gesprungen und gebaggert, gespielt und getanzt. Und irgendwann am Nachmittag dürfte sich die Frage stellen, wer eigentlich die spektakulärste Arschbombe der Stadt beherrscht. Der Eintritt ist frei.
Die Idee: Kelkheim zeigt, was in den Vereinen steckt
Dass es überhaupt zu diesem besonderen Freibadtag kommt, ist vor allem einer Idee aus dem Vereinsleben zu verdanken. Gökhan Dogru, im Rathaus zuständig für Vereinsangelegenheiten und Kulturreferent Christof Wolf griffen die Anregung auf und entwickelten gemeinsam mit weiteren Abteilungen aus dem Rathaus daraus ein Festival, das möglichst viele Kelkheimer zusammenbringen soll.
Dabei ging es den Initiatoren ausdrücklich nicht darum, einfach das legendäre „Plansch“ der Eichendorffschule wiederzubeleben. Das frühere Fest hat zwar Kultstatus, doch „Freibad verein(t)“ soll etwas Eigenes werden: ein Fest von Vereinen für die Stadt – und ein Tag, an dem jeder mitmachen kann.
„Spiel, Spaß und Sport für alle, besonders für Familien“, beschreibt Wolf das Ziel. Und genau deshalb wurde nicht lange überlegt, sondern bei denjenigen angeklopft, die das Freibad ohnehin kennen und dort aktiv sind.
Der Kelkheimer Schwimm-Club war sofort begeistert. Und wie das bei guten Ideen so ist: Kaum war die erste Tür geöffnet, kamen durch sie weitere herein. Die TSG Münster brachte den Beachhandball ins Spiel, andere Vereine steuerten ihre Angebote bei, Schulen wurden eingebunden, weitere lokale Akteure kamen dazu. Aus dem ursprünglichen Gedanken wurde so Stück für Stück ein Programm, das ziemlich eindrucksvoll zeigt, wie vielfältig das Vereinsleben in Kelkheim ist. Und vielleicht ist genau das die schönste Seite dieses Festes: Es geht nicht nur darum, sich selbst zu präsentieren. Es geht darum, miteinander etwas auf die Beine zu stellen.
Im Wasser wird es ernst – und nass
Wer sich an diesem Tag in Richtung Schwimmbecken bewegt, sollte zumindest damit rechnen, dass es dort nicht ganz trocken bleibt.
Um 10.30 Uhr beginnen die Stadtmeisterschaften im Schwimmen. Danach folgen im Laufe des Tages Rettungsübungen, Synchronschwimmen, Schnuppertauchen und Wasserball. Die Rettungskräfte zeigen, was im Ernstfall funktioniert, Taucher nehmen Interessierte mit auf erste Entdeckungsreisen unter die Wasseroberfläche und beim Wasserball wird es naturgemäß etwas dynamischer.
Um 17.15 Uhr wartet dann der Programmpunkt, der schon jetzt nach Publikumsliebling klingt: der Arschbombencontest.
Die Idee dazu stammt vom Schwimm-Club. Und sie wurde offenbar mit dem nötigen Ernst vorbereitet. Eine ausgesprochen prominent besetzte Jury soll darüber entscheiden, wer den spektakulärsten Platscher hinlegt. Bürgermeister Albrecht Kündiger und Erster Stadtrat Dirk Hofmann gehören ebenfalls zur Jury. Das bedeutet im Umkehrschluss: Die beiden dürfen nicht selbst ins Wasser springen. Ein schwerer Verlust für den Wettbewerb – aber vermutlich ein großer Gewinn für die Neutralität der Jury.
Wer sich bislang für einen ausgezeichneten Arschbombenspringer hält, sollte sich also schon einmal Gedanken über Technik, Haltung und vor allem die Größe der Wasserfontäne machen.
Und falls jemand nach so viel Action noch immer nicht genug hat: Um 18.30 Uhr heißt es „Wasserball für Jedermann“. Dann dürfen auch diejenigen ins Geschehen eingreifen, die sonst eher vom Beckenrand aus kommentieren.
Wer lieber trockene Füße behält, hat die Qual der Wahl
Doch das Freibad-Festival besteht keineswegs nur aus Wasser. Auf dem Gelände verteilt warten zahlreiche Angebote darauf, ausprobiert zu werden.
Wie wäre es beispielsweise mit einer Runde Spikeball? Oder lieber Discgolf? Vielleicht Fußballdart? Oder doch Beachvolleyball? Beim Beachhandball wird es ebenfalls sportlich. Die D-Jugend der TSG Münster zeigt bei einem Showmatch ihr Können, und auch Nationalspieler werden erwartet. Wer sich danach noch für völlig unsportlich hält, hat zumindest ausreichend Auswahl für einen zweiten Versuch.
Für Kinder gibt es eine Hüpfburg. Wer sein Fahrrad mitbringt, kann es codieren lassen. Bei den Erste-Hilfe-Übungen darf geprobt werden, was im Notfall zu tun ist.
Das Prinzip dahinter ist denkbar einfach: Nicht nur gucken, sondern machen. Vielleicht entdeckt ein Kind an diesem Tag seine Begeisterung für eine Sportart. Vielleicht findet ein Jugendlicher einen Verein, in dem er künftig trainieren möchte. Vielleicht merkt ein Erwachsener, dass der Sport, den er seit Jahren auf der To-do-Liste stehen hat, eigentlich viel mehr Spaß macht als gedacht.
Auf der Bühne spielt Kelkheim auf
Zwischendurch darf natürlich auch mal der sportliche Ehrgeiz Pause machen. Dafür gibt es Musik und Unterhaltung auf der Bühne.
Ab 12 Uhr sorgt DJ Sallar mit Chill-House-Beats für den passenden Sound. Um 13 Uhr wird das Festival offiziell begrüßt, anschließend werden die Gewinner des Stadtradelns geehrt. Um 13.30 Uhr folgt die Siegerehrung des Stadtschwimmens.
Danach gehört die Bühne zunächst dem Privatgymnasium Dr. Richter: Die Schulband spielt ab 15 Uhr, um 16 Uhr öffnet sich beim Open Mic das Mikrofon für weitere Talente. Um 17 Uhr übernimmt die Schulband der Eichendorffschule, bevor DJ Sallar ab 18 Uhr mit Dance-House-Beats noch einmal für Bewegung sorgt.
Das passt ganz gut zum Gedanken des Tages: Kelkheim soll nicht nur zuschauen, sondern selbst auf der Bühne stehen, im Wasser aktiv werden und sich einbringen.
Zwischen Kuchen, Foodtruck und Freibad-Kiosk
Natürlich kann man einen ganzen Tag voller Sport, Musik und Aktivitäten nicht ausschließlich von guter Laune ernähren. Deshalb ist auch für das leibliche Wohl gesorgt.
Foodtrucks und der Freibad-Kiosk stehen bereit, dazu gibt es ein Kuchenbuffet des Kelkheimer Schwimm-Clubs. Man darf sich also durchaus zwischendurch eine Pause gönnen, etwas essen und den anderen beim Schwitzen zusehen.
Nur die Reihenfolge sollte stimmen: Erst essen, dann nicht sofort ins Wasser springen. Selbst ein Summer Festival kann die alten Baderegeln nicht außer Kraft setzen.
Überdachte Sitzmöglichkeiten sorgen dafür, dass auch diejenigen einen Platz finden, die zwischendurch einfach einmal eine Pause brauchen.
Warum Vereine für eine Stadt so wichtig sind
Bei all dem Trubel geht es an diesem Tag um etwas, das weit über Sport und Unterhaltung hinausreicht. Kelkheim möchte zeigen, wie wichtig das Vereinsleben für eine Stadtgesellschaft ist.
Denn Vereine sind Orte, an denen Menschen zusammenkommen, die sich sonst vielleicht nie begegnen würden. Kinder treffen Jugendliche, Jugendliche Erwachsene, Alteingesessene lernen Neubürger kennen. Man trainiert miteinander, organisiert Veranstaltungen, hilft beim Kuchenverkauf, steht am Spielfeldrand, übernimmt Verantwortung – und manchmal entstehen daraus Freundschaften, die weit über das eigentliche Hobby hinausreichen.
Für die Bürgerstiftung Kelkheim, die das Festival finanziell unterstützt, ist genau dieser Gedanke wichtig. Hildegard Bonczkowitz sieht in den Vereinen einen idealen Ort, um Jung und Alt zusammenzubringen und der Vereinsamung entgegenzuwirken. Schließlich gibt es wohl kaum einen besseren Ort, um Gemeinschaft zu erleben, als einen Verein, in dem Menschen regelmäßig etwas miteinander unternehmen.
Und genau deshalb ist der Tag auch eine Art Schaufenster des Kelkheimer Ehrenamts. Nicht geschniegelt und geschriegelt, sondern mitten im Leben: mit Sport, Musik, nassen Füßen, Kuchen, lauten Anfeuerungsrufen und hoffentlich ganz vielen Begegnungen.
„Groß gedacht“ – und heute noch lebendig
Bürgermeister Kündiger verbindet das Festival außerdem mit der Geschichte des Freibads. Bereits in den 1960er Jahren sei das Gelände unter dem damaligen Bürgermeister Stephan großzügig gedacht und für das Freibad ausgewiesen worden. Heute ist das Bad eine freiwillige Leistung der Stadt – und für viele Kelkheimer weit mehr als nur ein Ort, an dem man seine Bahnen zieht.
Es ist Treffpunkt, Sportstätte, Familienort und im Sommer ein Stück Lebensqualität. Dass dieses Gelände nun einmal zum gemeinsamen Festivalgelände für die Vereine wird, passt deshalb ziemlich gut.
Auch die Stadt selbst beteiligt sich mit zahlreichen Bereichen an der Organisation. Dass unterschiedliche Abteilungen des Rathauses, Vereine, Schulen und weitere Partner an einem Strang ziehen, gehört zu den Dingen, die sich vielleicht nicht auf dem Veranstaltungsplakat finden – die aber am Ende genau das ermöglichen, was „Freibad verein(t)“ ausmachen soll.
Ein Tag für Neugierige
Vielleicht ist deshalb die wichtigste Voraussetzung für diesen Tag nicht sportliches Talent und auch nicht die perfekte Arschbombentechnik. Neugier reicht völlig.
Neugier darauf, was der Nachbarverein eigentlich macht. Neugier auf eine Sportart, die man noch nie ausprobiert hat. Neugier auf die Schulband. Neugier auf den Sprung ins Wasser. Oder einfach Neugier darauf, was passiert, wenn ein ganzes Freibad voller Kelkheimer Vereine plötzlich gemeinsam loslegt.
Die Veranstalter hoffen bei gutem Wetter auf mindestens 1.000 Besucher. Platz genug ist vorhanden.
Nur beim Parken wird es bekanntlich etwas enger. Bürgermeister Kündiger bittet deshalb darum, möglichst mit dem Fahrrad, zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu kommen. Das passt ohnehin hervorragend zum Konzept des Tages.
Und so könnte der 5. September am Ende genau das werden, was sich die Initiatoren wünschen: ein großes, unkompliziertes Fest, bei dem Kelkheim sich selbst ein bisschen besser kennenlernt – Mit Musik. Mit Sport. Mit Wasser. Mit Vereinen. Mit vielen Menschen.
Und ziemlich sicher mit mindestens einer Arschbombe, über die anschließend noch länger geredet werden wird.
