Kirchensteuer – Fluch oder Segen?

Oberkirchenrat Thorsten Hinte wird über die Kirchensteuer referieren.Foto: Lukasgemeinde

Vortrag mit Oberkirchenrat Thorsten Hinte im Rahmen der Kelkheimer Gespräche

Fischbach (kez/ju) – Am Freitag, 10. Oktober, laden der Förderverein und die evangelischen Gemeinden in Kelkheim im Rahmen der Kelkheimer Gespräche um 20 Uhr zu einem hochkarätigen Vortrag in das Gemeindehaus St. Johannes, Paradiesweg 15, ein. Thema des Abends: „Kirchensteuer – Fluch oder Segen (oder alternativlos?)“. Referent ist Oberkirchenrat Thorsten Hinte, Finanzdezernent der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) und damit Finanzchef einer der größten Landeskirchen Deutschlands.

Streitpunkt Kirchensteuer

Die Kirchensteuer in Deutschland gehört seit Jahren zu den meistdiskutierten Themen rund um die Kirchenmitgliedschaft. Mit einem Satz von 8 bis 9 Prozent der Einkommensteuer gilt sie als eine der Hauptursachen für Kirchenaustritte, insbesondere bei jüngeren Menschen. In der EKHN lag die durchschnittliche Kirchensteuer pro Mitglied im Jahr 2024 bei rund 415 Euro. Gerade in Zeiten hoher Inflation und nachlassender Bindung an die Kirche rückt die Frage in den Vordergrund, ob sich viele die Mitgliedschaft noch leisten wollen – oder können.

Alternativen im Blick

Andere Länder haben teils ganz andere Modelle:

USA: Finanzierung fast ausschließlich durch freiwillige Spenden.

Italien: Sozialabgabe von 0,8 Prozent des Einkommens, frei wählbar für Kirche oder humanitäre Zwecke.

Spanien: 0,7 Prozent, ebenfalls zweckgebunden und jährlich wählbar.

Frankreich: Kombination aus freiwilligen Spenden und einer Kulturabgabe von 1 Prozent.

Oberkirchenrat Hinte wird diese Systeme im Vortrag vorstellen und der Frage nachgehen, ob es bessere Wege der Finanzierung gibt oder ob das deutsche Modell – bei allen Nachteilen – doch das stabilste ist.

Kirchensteuer als Ausdruck von Solidarität

Für Hinte ist die Kirchensteuer mehr als ein Geldfluss: „Sie ist ein Ausdruck von Solidarität, da alle Mitglieder unabhängig von der Höhe ihres persönlichen Beitrags gleichberechtigt sind und sich gemeinsam für eine gerechtere und bessere Welt engagieren.“ Seine Hauptthese lautet: „Kirchensteuer wirkt – vor Ort!“

Tatsächlich wird der größte Teil der Einnahmen direkt in den Gemeinden eingesetzt. Mit diesen Mitteln finanziert die Kirche unter anderem:

Seelsorge, Familienzentren und Beratungsstellen

Kindergärten, Chöre, Gruppen und Gottesdienste

Instandhaltung von Kirchengebäuden und Gemeindehäusern

Pfarrdienst und soziale Projekte

Die EKHN versteht sich so als flächendeckend präsente Akteurin in Gesellschaft und Alltag.

Ein Referent mit Erfahrung

Thorsten Hinte bringt für das Thema fundierte Expertise mit. Der Diplom-Volkswirt war zunächst Referent im Sächsischen Staatsministerium der Finanzen, bevor er 2000 zur EKHN wechselte und dort das Haushaltsreferat leitete. Heute verantwortet er das gesamtkirchliche Budget und die Verteilung der Kirchensteuer auf die Gemeinden. Außerdem ist er Geschäftsführer der EKHN-Versorgungsstiftung, die die Altersversorgung von Pfarrerinnen, Pfarrern und Kirchenbeamten sichert.

Einladung zum Dialog

Der Vortrag verspricht eine spannende Auseinandersetzung mit einem Thema, das viele Menschen bewegt: Ist die Kirchensteuer ein Auslaufmodell oder ein zukunftsfähiges System? Und welche Alternativen wären denkbar? Im Anschluss an die Ausführungen besteht Gelegenheit zur Diskussion mit dem Referenten.



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