Hofheim/Kelkheim (iba) – Da saßen sie also, Hofheims Bürgermeister Wilhelm Schultze und Kelkheims Bürgermeister Albrecht Kündiger. Sie schauten auf die Leinwand im Hofheimer Rathaus, auf die der Beamer den Grundriss (und die vorgesehenen Standorte) der zukünftigen Konverterstationen für den sogenannten Rhein-Main-Link warf. Da sollen die Konverter also hin, die dann zukünftig den Strom von Höchstspannung auf Hochspannung heruntertransformieren sollen?
Das kleinere Übel
„Ja, der eine auf der anderen Seite der A66, am Wiesbadener Kreuz, mit Anbindung an das Umspannwerk in Marxheim. Und der andere Konverter dort, in der Nähe des Umspannwerkes in Kriftel. Das ist knapp vor der Hofheimer Stadtgrenze, teilweise auch auf Kelkheimer Gemarkung.“ Das Gebiet entlang der B519 wurde auserkoren, zwischen Hofheim, Münster und Liederbach wird wohl die mehrere Hektar große Anlage entstehen, die den Strom, der aus dem Norden kommt, vor Ort transformieren und verteilen soll. Zumindest sind das die Flächen, mit denen der Betreiber Amprion GmbH ins Genehmigungsverfahren geht – die endgültige Entscheidung liegt allerdings bei der Bundesnetzagentur.
Landwirte sind die Verlierer
Natürlich werde es Einschränkungen während und nach der Bauzeit geben, den idealen Standort gäbe es nun einmal nicht, da waren sich im Rathaus alle einig. „Den Landwirten um dieses Gebiet herum wird das nicht gefallen, den Betreibern des Schweinemastbetriebes genauso wenig, das kann ich hundertprozentig verstehen. Aber jeder andere Standort wäre mit noch mehr Einschränkungen verbunden gewesen“, so Kündiger, „zumal dieser auch logistisch nun einmal der beste ist, von dort bis zum Krifteler Umspannwerk ist es ja nicht weit.“ Man müsse den im Zuge der Energiewende nun mal den steigenden Bedarf bedenken: mehr Elektromobilität, mehr Ladesäulen, mehr Laptops und mehr Smartphones (sowohl auf der Arbeit als auch in jedem Privathaushalt), mehr von allem. Ein möglicher Pluspunkt: Eine solche Konverterstation gibt viel Wärme ab. Wenn es gelingen kann, diese entsprechend zu speichern und zu bündeln, könnte sie anderweitig genutzt werden.
Eine unterirdische Kabelführung soll es werden, damit die Leitungen – nach Abschluss der Bauarbeiten – im Idealfall gar nicht auffallen. Die Beteiligten stehen unter Druck, das Projekt voranzubringen, da zusätzliche Stromkapazitäten dringend benötigt werden. Die Leitung, die Strom von der Nordsee bringen wird, soll voraussichtlich 2033 in Betrieb gehen.
