Ein Leben für die Geschichte Kelkheims

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Zum Tod des früheren Stadtarchivars Dietrich Kleipa (1941–2025)

Kelkheim (ph/ju) – Die Stadt trauert um einen Mann, der ihr Gedächtnis bewahrte: Dietrich Kleipa, langjähriger Stadtarchivar, leidenschaftlicher Heimatforscher und engagierter Bewahrer der Kelkheimer Geschichte, ist im Alter von 84 Jahren verstorben – nur zwei Tage nach dem Tod seiner Ehefrau. Gemeinsam hinterlassen sie eine Tochter, einen Sohn und zwei Enkelkinder.

Kaum jemand hat in Kelkheim so viele Spuren hinterlassen wie er. Kleipa war über Jahrzehnte die erste Anlaufstelle, wenn es um historische Fragen, alte Dokumente oder vergessene Geschichten ging. Er verstand es, Vergangenheit lebendig zu machen – bei Führungen, Vorträgen oder Spaziergängen, die regelmäßig mehr als fünfzig Menschen anzogen.

Mit unermüdlichem Einsatz trug er entscheidend dazu bei, dass das Stadtarchiv Kelkheim bewahrt und zentral zusammengeführt wurde. „Er hat das Archiv gerettet und damit die Grundlage für unsere heutige Arbeit geschaffen“, sagt sein Nachfolger Julian Wirth. „Die Stadt hat einen großen Bürger verloren, ich persönlich einen Freund und Mentor.“ Wirth erinnert sich an gemeinsame Spaziergänge zu Orten, die Kleipa in seinen Führungen zum Leben erweckte – von alten Erzgruben über Hügelgräber bis zu historischen Wegkreuzen. „Sein Wissen war grenzenlos, seine Begeisterung ansteckend.“

Auch Beate Matuschek, ehemalige Kulturamtsleiterin und Vorsitzende des Museumsvereins, hebt Kleipas Bedeutung hervor: „Sein Tod ist eine Zäsur für die Heimatpflege in Kelkheim.“ Sie beschreibt ihn als „begeisterten Historiker, genau in den Fakten, leidenschaftlich in der Sache und streitbar, wenn es um den Erhalt historischer Zeugnisse ging.“ Viele Ausstellungen im Kelkheimer Museum tragen seine Handschrift – von „Das Erbe der Karolinger“ bis zu liebevoll zusammengestellten Ansichtskartenschauen. Die heutige Dauerausstellung, sagt Matuschek, „beruht auf seinem Wissen – sie ist sein Vermächtnis.“

Bürgermeister Albrecht Kündiger würdigte Kleipa bereits zu dessen 80. Geburtstag als „wandelndes Geschichtsbuch Kelkheims“. Jetzt sagt er: „Von seiner Forschung werden noch viele Generationen profitieren. Er hat Geschichte nicht nur gesammelt, sondern gelebt.“

Dietrich Kleipa war ein Autodidakt, der sich mit Neugier und Genauigkeit zu einem hochgeschätzten Fachmann entwickelte. Mit seinem Humor, seiner Geradlinigkeit und seinem Sinn für Gemeinschaft prägte er das kulturelle Gedächtnis seiner Stadt – und die Herzen vieler Menschen, die mit ihm unterwegs waren.

Kelkheim verliert mit ihm nicht nur seinen Chronisten, sondern einen Teil seiner Seele.



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